{"id":9873,"date":"2026-06-16T15:05:46","date_gmt":"2026-06-16T13:05:46","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/meinung-die-rente-mit-70-ist-doch-keine-zumutung-37544626-html-3\/"},"modified":"2026-06-16T15:05:46","modified_gmt":"2026-06-16T13:05:46","slug":"meinung-die-rente-mit-70-ist-doch-keine-zumutung-37544626-html-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/meinung-die-rente-mit-70-ist-doch-keine-zumutung-37544626-html-3\/","title":{"rendered":"Kolumne: Es geht ums Geld: Die Rente mit 70 ist doch keine Zumutung!"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Nichts wirkt bei der Rentendebatte so bedrohlich wie die Rente mit 70. Dabei kann Arbeit erf\u00fcllend sein \u2013 auch wenn Gewerkschaften uns anderes weismachen wollen.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Man muss nur eines sagen, wenn man die Rentenreformdebatte gleich wieder abw\u00fcrgen will: \u201eRente mit 70\u201c. Das ist die Reizformel, bei der sofort die Gem\u00fcter hochkochen. Und die Fronten sich prompt so verh\u00e4rten, dass man gar nicht daran zu denken wagt, dass sich die politischen Beteiligten jemals auf irgendetwas einigen k\u00f6nnten. Immer wenn die Diskussion auf den sp\u00e4teren Renteneintritt kommt, poltern die Gegner dieser Idee sofort los: L\u00e4nger arbeiten? Um Himmels willen: eine Zumutung!\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Es regt mich auf. Nicht umsonst bringen \u00d6konomen und Wissenschaftler immer wieder den sp\u00e4teren Rentenbeginn ins Gespr\u00e4ch. Es ist eine der effektivsten Methoden, um das hiesige Rentensystem zu retten: W\u00fcrden wir alle ein bisschen l\u00e4nger arbeiten, vielleicht bis wir 68,5 Jahre alt sind, k\u00f6nnten wir die gesetzliche Rente noch vor dem finanziellen Kollaps bewahren, der droht, wenn demn\u00e4chst die Welle der Babyboomer aus dem Arbeitsleben in den Ruhestand schwappt.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Konkret w\u00fcrde die Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit f\u00fcr die meisten gar nicht hei\u00dfen, dass sie erst mit 70 Jahren in Rente gehen\u00a0\u2013 zumindest nicht innerhalb der n\u00e4chsten 23 Jahre. Es geht darum, den Renteneintritt f\u00fcr jeden Jahrgang um ein paar Monate nach hinten zu verschieben. Weil sich auch die Lebenserwartung f\u00fcr jeden Geburtsjahrgang um ein paar Monate erh\u00f6ht. Es geht also um die Rente mit 68 f\u00fcr den Jahrgang 1970, um 68 Jahre und 10 Monate f\u00fcr alle 1975 Geborenen. Erst wer heute j\u00fcnger als 44 ist, m\u00fcsste sich mit der Rente mit 70 arrangieren. Und das auch nur, wenn die Lebenserwartung bis 2052 wirklich weiter so steigt wie zuletzt. Schw\u00e4cht sich die zunehmende Langlebigkeit wieder ab, r\u00fcckt der Rentenbeginn wieder n\u00e4her.\u00a0<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung ist einigerma\u00dfen einleuchtend: Wer heute geboren wird, kann davon ausgehen, dass er 78 (M\u00e4nner) beziehungsweise 83 Jahre (Frauen) alt wird. Vor 30 Jahren lag das durchschnittliche Alter noch bei 72 beziehungsweise 79 Jahren, wir haben also rund vier bis sechs Jahre hinzugewonnen. Gr\u00f6\u00dftenteils gesunde Lebensjahre \u00fcbrigens, in denen wir den Ruhestand genie\u00dfen k\u00f6nnen, sagen die Statistikportale des Bundes. Auch die Restlebenserwartung mit 65 Jahren steigt. Heutige Ruhest\u00e4ndler verbringen im Schnitt noch 20 Jahre in Rente. Im Jahr 1970 waren es nur 12 bis 15 Jahre, die Renten m\u00fcssen heute also deutlich l\u00e4nger von der Allgemeinheit finanziert werden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>\u00d6konomisch ergibt es also enorm viel Sinn, diese l\u00e4ngeren Auszahlzeiten auch irgendwie \u00fcber eine l\u00e4ngere Einzahldauer auszugleichen. Schlie\u00dflich funktioniert auch die gesetzliche Rente nach dem Versicherungsprinzip: F\u00fcr eingezahlte Beitr\u00e4ge w\u00e4hrend des Berufslebens flie\u00dfen parit\u00e4tische Auszahlungen. Wer weniger einzahlt, bekommt weniger, wer mehr einzahlt, erh\u00e4lt sp\u00e4ter mehr. Ein faires Prinzip. Und allemal besser, als stattdessen von den j\u00fcngeren Generationen zu verlangen, dass sie die fehlenden Einnahmen und l\u00e4ngeren Auszahlungen dadurch ausgleichen, dass sie selbst tiefer in die Tasche greifen, um h\u00f6here Beitr\u00e4ge zu stemmen. Obwohl sie sp\u00e4ter weniger aus der Rentenkasse zu erwarten haben.\u00a0<\/p>\n<h2>Die Rente mit 70 w\u00e4re verkraftbar<\/h2>\n<p>Was mich aber wirklich aufregt, sind S\u00e4tze wie: \u201eDie Rente mit 70 w\u00e4re ein harter Schlag\u201c, eine v\u00f6llig unbillige H\u00e4rte f\u00fcr alle Arbeitenden, so wetterten k\u00fcrzlich die Gewerkschaftsbosse. Was sie damit vermitteln: Arbeiten ist eine Last. F\u00fcr alle. Die Arbeit dauert ohnehin schon zu lange im Leben, deshalb darf sie auch auf keinen Fall verl\u00e4ngert werden. Diese Aussage ist aber nicht nur grundfalsch, sie ist auch bevormundend und verbaut \u00fcberdies wichtige Reformwege. Und ich habe keine Lust, mir von Gewerkschaftern erz\u00e4hlen zu lassen, wie furchtbar Arbeiten ist.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Warum sonst sagt gut jeder dritte Befragte laut Wirtschaftsforschungsinstitut IW, er wolle im Rentenalter noch weiterarbeiten? Gerade Selbst\u00e4ndige und Besch\u00e4ftigte in Kleinbetrieben arbeiten oft noch deutlich \u00fcber das \u00fcbliche Rentenalter hinaus. Und selbst jene, die gesundheitliche Probleme haben, sehen das Weiterarbeiten im Rentenalter durchaus positiv. Je \u00e4lter die Menschen \u00fcbrigens werden, desto eher k\u00f6nnen sie sich das Weitermachen vorstellen, unter den 55-J\u00e4hrigen ist die Zustimmung deutlich h\u00f6her als bei den 30-J\u00e4hrigen. Und eines gleich vorweg: Geldmangel ist nicht der Hauptanreiz, wegen dem viele l\u00e4nger arbeiten wollen.\u00a0<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich findet auch nicht jeder die Aussicht verlockend. Dass nicht jeder Dachdecker oder Stahlkocher noch mit 70 malochen will, ist klar. Sondern es sind vor allem Besch\u00e4ftigte mit Jobs, die k\u00f6rperlich weniger belastend sind. Die gr\u00f6\u00dfere Freiheiten bei der Arbeitsgestaltung haben. Und die sich ihre Arbeitszeit recht flexibel einteilen k\u00f6nnen. Wer in seinem jetzigen Job zufrieden ist, so lautet das Fazit der Forscher, der \u00fcbt ihn auch gern l\u00e4nger aus. Warum? Weil er Ergebnisse produziert und dadurch Wertsch\u00e4tzung erlebt. Weil er Kontakt mit Kollegen hat und sich eingebunden f\u00fchlt. Weil er eine sinnvolle Aufgabe und Tagesstruktur hat. Weil er noch Wissen weitergeben kann. All das antworteten die Weiterarbeitenden selbst auf die Frage nach dem Warum. Und diverse Studien von Arbeitsmarktforschern belegen das. Solche Gr\u00fcnde \u00fcberwiegen oft die Geldaspekte des Weiterarbeitens.<\/p>\n<\/p>\n<p>Wenn Chefs und Firmen es also schaffen, ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen \u2013 und nur dann \u2013 ist die Bereitschaft der Menschen, etwas l\u00e4nger im Job zu bleiben, enorm hoch. Dann ist es eben keine soziale H\u00e4rte, sondern sogar ein St\u00fcck Erf\u00fcllung und Gebrauchtwerden. Wer jedoch umgekehrt den Menschen nur das Bild vom Arbeitsleid vermittelt, der macht eher andersherum einen Schuh draus: Die L\u00e4ngerarbeiter sagen n\u00e4mlich auch, sie h\u00e4tten ihre Entscheidung vom \u00f6ffentlichen Diskurs mitpr\u00e4gen lassen. Wie wir \u00fcber Arbeit reden, bestimmt also mit, wie viele von uns jenseits des \u00fcblichen Rentenalters noch arbeiten.\u00a0<\/p>\n<p>W\u00e4re es nicht besser, die Gewerkschaften w\u00fcrden sich darum bem\u00fchen, die Arbeitsbedingungen f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten besser zu machen, statt die Arbeit als Elend und unsozial zu verteufeln? Das w\u00fcrde \u00c4ltere freiwillig l\u00e4nger im Beruf halten\u00a0\u2013 und nebenbei noch der Rentenkasse helfen. Was Menschen vom Gerne-Arbeiten abh\u00e4lt, wei\u00df die Forschung n\u00e4mlich auch: Sinnentleerte T\u00e4tigkeiten verrichtet er nicht gern, oder Routinejobs ohne inneren Auftrag. Da sollten die Arbeitnehmervertreter ansetzen. Und jeden Besch\u00e4ftigten selbst entscheiden lassen, wie lange er Lust aufs Arbeiten hat.\u00a0<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel ist eine U\u0308bernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland geho\u0308rt. Auf\u00a0Capital.de\u00a0wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf <\/em><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" title=\"Original URL: http:\/\/www.stern.de\/  Click to follow link.\" href=\"https:\/\/eur03.safelinks.protection.outlook.com\/?url=http%3A%2F%2Fwww.stern.de%2F&amp;data=05%7C02%7C%7C3009e2233fc94073b2ef08deb0cb111f%7Cefce8346592b4b6eb1c20fd07bd5e442%7C0%7C0%7C639142583386550082%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=PnbjbBwbJDFXTjmjZ9bO69g+W+kcywtYPUwzS2cv9sY%3D&amp;reserved=0\" class=\"external-link\"><em><u>www.stern.de<\/u><\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Nichts wirkt bei der Rentendebatte so bedrohlich wie die Rente mit 70. 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