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Kolumne: Ziehen Sie den Stecker! Warum Zeit-Souveränität die neue Loyalität ist

Immer online, immer verfügbar – ständige Erreichbarkeit hat nichts mit Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber zu tun. Im Gegenteil: Sie zerstört unsere Produktivität

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Immer online, immer verfügbar – ständige Erreichbarkeit hat nichts mit Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber zu tun. Im Gegenteil: Sie zerstört unsere Produktivität

Momentan begegnet mir in meinem Bekanntenkreis eine ausgeprägte „Social Media Fatigue“. Egal ob Linkedin, Instagram oder X – der Feed ermüdet viele Menschen, anstatt ihnen Energie zu geben. Man sucht oft die inhaltlich bereichernde Nadel im Heuhaufen, blendet Nachrichten aus oder blockiert gar Leute, die einen stören. Und von der nervenden Werbung wollen wir gar nicht reden. 

Wir sind Sklaven unserer Verfügbarkeit geworden

Social Media verdeutlicht sehr klar, dass uns die Souveränität über unsere Zeit verloren gegangen ist. Wir lassen uns ablenken, verbringen viel zu viel Zeit und lesen dann Ratgeber zum „digital detox“. Könnten Algorithmen lachen, kämen sie aus ihren Heiterkeitsanfällen gar nicht mehr heraus. 

Aber Social Media ist ja gar nicht unser größtes Problem. Viel schlimmer ist es, dass wir uns auch auf der Arbeit wie unsouveräne Kinder verhalten. Nur diesmal nicht dem Algorithmus gegenüber, sondern gegenüber dem Chef oder den Kollegen. Hey Boss, sprich mich an, ich bin jederzeit da für dich! Ist natürlich Quatsch, so kriegt man ja seine Arbeit nicht erledigt. Trotzdem machen das viele, nicht nur aus persönlichem Pflichtbewusstsein, sondern aus falsch verstandener Loyalität. Dabei bedeutet loyal zu sein heute etwas ganz anderes.

Loyalität = seine Arbeitskraft souverän schützen

Loyalität in der heutigen Arbeitswelt heißt, seine Arbeitszeit und Arbeitskraft gegen eben jene analogen und digitalen Störungen zu verteidigen – auch wenn es dann mal rumpelt. Absolut niemand hat etwas davon, wenn Sie Sonntag um 19 Uhr Mails beantworten. Ich kenne genügend Unternehmen, da gehört es zur Kultur, dass der Chef die Arbeitsbereitschaft testet und daher am Wochenende noch ein paar Mails verschickt. Ich danke dem Himmel, dass ich nicht für solche Leute arbeiten muss. 

Außer in absoluten Notfällen zerstört ein solches Verhalten Arbeitskraft und Loyalität. Denken Sie mal darüber nach, wie Sie das selbst handhaben. Schützen Sie Ihre Arbeitszeiten? Ihre Wochenenden? Können Sie als Führungskraft überhaupt noch strategisch denken oder herrscht inzwischen auch bei Ihnen „kognitives Rauschen“, das letztendlich dazu führt, Problemlösung nur noch zu simulieren? 

Souveränität in der eigenen Zeit- und Arbeitsgestaltung zeugt letztlich von echter Loyalität – und nicht der wohlfeile Aktionismus und ständige Erreichbarkeit.  Nicht Aktionismus fördert Produktivität, sondern Produktivität verhindert Aktionismus. Seien Sie souverän, seien Sie loyal. Und jetzt dürfen Sie das Handy ausmachen. 

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