U-Boote, KI und mehr: Wo Deutschland und Kanada zusammenrücken

Der Milliardenauftrag für den U-Boot-Bauer TKMS ist nur das jüngste Beispiel: Deutschland und Kanada sind zuletzt in einer ganzen Reihe von Bereichen Kooperationen eingegangen. Eine Übersicht

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Der Milliardenauftrag für den U-Boot-Bauer TKMS ist nur das jüngste Beispiel: Deutschland und Kanada sind zuletzt in einer ganzen Reihe von Bereichen Kooperationen eingegangen. Eine Übersicht

Mark Carneys Rede von den „Mittelmächten“ ist schon fast legendär. Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass der kanadische Premierminister auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos dazu aufrief, angesichts der erratischen US-Bündnispolitik unter Donald Trump „eine neue Ordnung aufzubauen“. Carneys Credo: „Mittelmächte sind nicht machtlos.“

Mindestens zwei der angesprochenen Mittelmächte sind nun tatsächlich dabei, in vielen Bereichen gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen und so eine neue transatlantische Ordnung zu etablieren: Deutschland und Kanada. Die Entscheidung der Carney-Regierung, Kanadas neue U-Boot-Flotte beim deutschen Hersteller TKMS bauen zu lassen, ist das sichtbarste Zeichen dieser neu entflammten bilateralen Zusammenarbeit. Daneben gibt es aber eine ganze Reihe weiterer Felder, in denen die beiden Länder kooperieren – oder zumindest der Willen dazu besteht:

  • Ende April wurde bekannt, dass aus dem kanadischen Unternehmen Cohere und seinem strauchelnden deutschen Wettbewerber Aleph Alphaein transatlantischer KI-Champion geformt werden soll. Die Fusion wurde massiv von politischer Seite flankiert, das deutsche Digitalministerium stellte immense Staatsaufträge für souveräne IT-Dienstleistungen durch das neue Unternehmen in Aussicht. Allerdings ist die Übernahme immer noch nicht unterschrieben, wie das „Handelsblatt“ jüngst berichtete. Offenbar hängt das vor allem auch damit zusammen, dass erst eine Finanzierungsrunde auf Grundlage einer Bewertung über 20 Mrd. Dollar für das neue Unternehmen zustande kommen soll. Doch außer der Schwarz-Gruppe als wichtigstem Aleph-Alpha-Gesellschafter scheinen sich zu diesen Konditionen bisher kaum andere Investoren finden. An der Konkurrenzfähigkeit von Cohere gibt es ohnehin Zweifel; dazu kommen Risiken durch einen großen Urheberrechtsstreit in den USA. Sollte der Deal noch platzen, wäre das nicht nur ein Rückschlag für die deutsch-kanadische Partnerschaft, auch die beteiligten Politiker – in Deutschland Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) – wären politisch beschädigt. Der Cohere-Deal sollte zudem auf den TKMS-Auftrag einzahlen, so hieß es stets von Beteiligten in Berlin.
  • Wildberger und sein kanadischer Amtskollege Evan Solomon unterzeichneten schon im Dezember 2025 eine deutsch-kanadische Digitalallianz, die für den Cohere-Deal die Grundlage gelegt haben soll; im Februar folgte eine weitere Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei KI.
  • Erst vor einer Woche vereinbarten das deutsche Wirtschafts- und das kanadische Industrieministerium eine Absichtserklärung über eine Halbleiter-Ökosystem-Partnerschaft.
  • Im Februar 2026 wurde eine Zusammenarbeit in der Automobilindustrie vereinbart. Ziel sei es, gemeinsam an diversifizierten und stabilen Lieferketten zu arbeiten und die Einführung emissionsfreier und emissionsarmer Fahrzeuge weiter zu beschleunigen, so das deutsche Wirtschaftsministerium. Hintergrund sind auch die hohen US-Zölle, von denen beide Länder stark betroffen sind.
  • Anlässlich des Besuchs von Carney in Berlin verkündeten beide Regierungen im Sommer 2025, ein Rohstoffabkommen abschließen zu wollen. Damit will Deutschland seine Abhängigkeit von China etwa bei seltenen Erden verringern.
  • Der verstaatlichte deutsche Energiekonzern Sefe unterzeichnete im Mai 2026 eine Absichtserklärung über die Lieferung von Flüssigerdgas im Umfang von einer Million Tonnen jährlich durch das kanadische Unternehmen Ksi Lisims LNG – dies sei „Ausdruck einer strategischen Partnerschaft zwischen Deutschland und Kanada“, so Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).
  • Auch die Ampel-Regierung setzte sich in Person von Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) 2022 für die Lieferung von Wasserstoff und LNG aus Kanada ein.
  • Nicht zuletzt existieren diverse Kooperationen auf Unternehmensebene. Allein TKMS soll bis zu 40 Absichtserklärungen mit kanadischen Firmen eingegangen sein, um die eigenen Chancen bei der U-Boot-Vergabe zu erhöhen. Laut Unternehmen soll während der Projektlaufzeit in ganz Kanada eine wirtschaftliche Gesamtaktivität in Höhe von 167 Mrd. kanadischen Dollar generiert werden – das entspräche mehr als 100 Mrd. Euro.
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