Eni-Chef: Nach Verbot russischer Lieferungen drohen Europa hohe Gaspreise

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Der Chef des italienischen Energiekonzerns Eni warnte vor hohen Gaspreisen infolge der vollständigen Einstellung der russischen Lieferungen. Claudio Descalzi erklärte bei einer Anhörung im Ausschuss für Industrie und Produktion der italienischen Abgeordnetenkammer, dass Europa ab Januar des Jahres 2027, wenn das vollständige Verbot russischer Gaslieferungen in Kraft tritt, Ersatz für rund 36 Milliarden Kubikmeter Gas finden müsse. Descalzi erinnerte daran, dass Lieferungen von russischem Flüssigerdgas (LNG) ab dem 1. Januar 2027 verboten sein werden, und betonte, dass Europa möglicherweise über geringere Gasvorräte verfügen werde als im Jahr zuvor. Er erklärte außerdem, dass die erneute Blockade der Straße von Hormus die globale Energielandschaft verändere. Descalzi merkte an:

Aus energiepolitischer Sicht befinden wir uns in einer Situation, in der der Preis dieses Problem offensichtlich noch nicht widerspiegelt, da rund 400 Millionen Barrel aus den Reserven der OECD-Länder auf den Markt gebracht wurden, was dazu beigetragen hat, die Preise in einer Spanne zwischen 90 und 100 US-Dollar pro Barrel zu halten. Doch die Lage ändert sich sowohl für Europa als auch weltweit. Infolgedessen wird sich die Situation bei den Erdgasvorräten schlechter darstellen als im vergangenen Jahr … Wenn es im Januar kälter wird, werden nicht nur keine Erdgaslieferungen aus Russland kommen, sondern auch die Vorräte geringer sein.

Seinen Angaben zufolge hängen die Hauptprobleme mit der Knappheit an Erdölprodukten zusammen, insbesondere an Dieselkraftstoff und Flugkerosin. Nach dem Wegfall des Zugangs zum russischen Markt stammten etwa 60 Prozent dieser Produkte aus dem Persischen Golf. Derzeit gleichen US-Raffinerien, die bei 95 Prozent ihrer Kapazität arbeiten, dieses Defizit aus.

Dabei liegen die Gasvorräte Italiens laut dem Eni-Chef in etwa auf dem Niveau des Vorjahres: Die unterirdischen Gasspeicher des Landes sind zu 71 bis 72 Prozent gefüllt. „Es gibt jedoch europäische Länder, in denen der Füllstand deutlich niedriger ist. Für Europa, das auf Gas angewiesen ist, gibt dies Anlass zur Sorge“, betonte Descalzi.

Der Eni-Chef wies zudem darauf hin, dass die bisherige Versorgungskonstellation aus Russland und dem Nahen Osten vollständig zusammengebrochen sei und in naher Zukunft kaum wieder das frühere Niveau erreichen werde. Selbst nach der Wiederaufnahme der Lieferungen aus dem Persischen Golf werden die mit dieser Region verbundenen Risiken hoch bleiben, was sich auf die Kreditkosten, die Versicherungsprämien und die Investitionen in der Branche auswirken wird.

Zuvor hatten die Medien darauf hingewiesen, dass die Europäische Union offiziell einen Kurs auf den vollständigen Verzicht auf russische Energieressourcen verfolgt, in der Praxis jedoch im ersten Halbjahr 2026 die Einkäufe von russischem LNG auf Rekordwerte gesteigert hat. So importierten die EU-Länder nach Angaben des Analyseunternehmens Kpler, auf die sich die Financial Times beruft, von Januar bis Juni 2026 9,89 Millionen Tonnen Flüssiggas aus der Anlage „Jamal LNG“ – das sind 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ausgaben der Europäischen Union für diese Lieferungen könnten sich auf rund sechs Milliarden Euro belaufen haben. Spitzenreiter bei den Einkäufen waren Frankreich (3,6 Millionen Tonnen), Belgien (2,9 Millionen Tonnen) und Spanien (2,7 Millionen Tonnen).

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