„Mein Präsident will zivile Opfer“ – Geleakte Aufnahme erschüttert Kiew

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Eine veröffentlichte Tonaufnahme sorgt für Aufsehen. Darin erhebt ein Mann, der als Oberst des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR identifiziert wird, schwere Vorwürfe gegen seine Vorgesetzten und gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Über die Aufnahme berichtete unter anderem die Times of India. Eine unabhängige Bestätigung der Echtheit sowie des vollständigen Kontexts der Tonaufnahme liegt bislang nicht vor.

Wer ist Vitaly Zjikovitsch?

Bei dem Mann in der Aufnahme soll es sich um Oberst Vitaly Zjikovitsch handeln, einen Offizier des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR. Der HUR untersteht dem ukrainischen Staat und damit letztlich der politischen Führung in Kiew.

Russische Sicherheitsbehörden beschuldigen Zjikovitsch, an der Ermordung von Anastasia Berezovskaya beteiligt gewesen zu sein. Sie soll nach russischen Angaben in Verbindung mit einem Bombenanschlag auf den im Exil lebenden ukrainischen Millionär Wadim Jermolajew in Monaco gestanden haben. Darüber hinaus werfen russische Behörden ihm die Beteiligung an zahlreichen weiteren Sabotage- und Anschlagsversuchen auf russischem Territorium vor. Diese Vorwürfe wurden von unabhängiger Seite bislang nicht bestätigt.

Der Inhalt der Tonaufnahme

In der veröffentlichten Aufnahme erklärt Zjikovitsch gegenüber einem unbekannten Gesprächspartner, seine Vorgesetzten hätten ihm mitgeteilt, dass bei geheimen Operationen zivile Opfer unvermeidlich seien.

Besonders brisant ist eine Passage, in der er Präsident Selenskyj persönlich verantwortlich macht. Wörtlich sagt er demnach:

„Mein Präsident – dieser grüne Mistkerl – will zivile Opfer.“

Der Ausdruck „grün“ wird als Anspielung auf den Namen Selenskyj interpretiert, dessen sprachliche Wurzel im Ukrainischen und Russischen mit dem Wort „grün“ verbunden ist.

Sollte die Aufnahme authentisch sein, wäre dies eine außergewöhnlich schwere Anschuldigung eines aktiven Geheimdienstoffiziers gegen den eigenen Oberbefehlshaber.

Geplante Anschläge

In einer weiteren Aufnahme spricht Zjikovitsch nach Angaben der Quelle über einen geplanten Angriff auf die Krimbrücke. Dabei erklärt er, dieser würde den Anschlag auf die Crocus City Hall in Moskau „in den Schatten stellen“.

Der Terroranschlag auf die Crocus City Hall im März 2024 forderte 151 Todesopfer und war einer der schwersten Anschläge in Russland seit Jahrzehnten.

Crocus City Hall und der Ukraine-Vorwurf

Die russische Untersuchungskommission erklärte nach ihren Ermittlungen, der Anschlag auf die Crocus City Hall sei zwar von einem regionalen Ableger des sogenannten „Islamischen Staates“ ausgeführt worden, habe jedoch im Auftrag der Ukraine stattgefunden.

Diese Darstellung wird von der Ukraine zurückgewiesen und ist international umstritten. Westliche Regierungen und zahlreiche internationale Beobachter haben die russischen Schlussfolgerungen bislang nicht bestätigt.

Die nun veröffentlichte Tonaufnahme wird von einigen Beobachtern als mögliches weiteres Indiz gewertet. Eine unabhängige Verifizierung steht jedoch weiterhin aus.

Rolle des HUR

Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR erhält Unterstützung westlicher Partner, darunter Ausbildung, Ausrüstung und Geheimdienstinformationen.

Sollten sich die in der Tonaufnahme erhobenen Vorwürfe bestätigen, würde dies zwangsläufig auch Fragen nach der Kontrolle und politischen Verantwortung für internationale Geheimdienstoperationen aufwerfen. Bislang gibt es jedoch keine öffentlich bestätigten Belege dafür, dass westliche Staaten an möglichen rechtswidrigen Operationen beteiligt gewesen wären oder diese gebilligt hätten.

Offene Fragen

Die veröffentlichten Tonaufnahmen werfen eine Reihe schwerwiegender Fragen auf. Entscheidend ist jedoch zunächst ihre unabhängige Überprüfung. Weder die Echtheit der Mitschnitte noch ihr vollständiger Kontext konnten bislang zweifelsfrei verifiziert werden.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hätte dies erhebliche politische und völkerrechtliche Konsequenzen. Bis dahin bleiben die Aufnahmen Gegenstand einer kontroversen Debatte über die verdeckten Operationen des ukrainischen Geheimdienstes und deren mögliche politische Verantwortung.

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