Weltmeister 2006 Pirlo darf nicht Italiens Nationaltrainer werden – wegen Russland-Verbindungen

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Laut der italienischen Presse war es fast ausgemacht – Andrea Pirlo, Italiens Fußballstar und Weltmeister 2006, sollte neuer Trainer der Nationalmannschaft werden. Doch dazu kam es nicht, wie Pirlo am Montag mitteilte. Er kam wohl aufgrund eines Vetos des Verbandschefs Giovanni Malago nicht infrage. Aus Malagos Sicht spricht Pirlos Zusammenarbeit mit dem großen russischen Wettanbieter „Fonbet“ gegen eine Anstellung. „Gestern Abend habe ich erfahren, dass ich nicht mehr als Kandidat im Gespräch bin“, schrieb Pirlo dazu. 

In der Tat: In Italien gelten strenge Vorschriften zur Regulierung der Werbung für Glücksspiele, wonach der Nationaltrainer keine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Wettanbietern eingehen darf. Trotzdem wirkt die Begründung des Verbandschefs vorgeschoben, denn Pirlo war an den russischen Wettanbieter nicht vertraglich gebunden. 

Im Oktober 2025 wurde der 47-Jährige globaler Botschafter von „Fonbet“. Die italienische Zeitung La Gazzetta dello Sport nennt dazu weitere Details. Laut Pirlos Anwälten steht dieses Engagement im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit beim Verein „Dubai United“ aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Bei dem Verein, der dem russischen Geschäftsmann Sergei Lomakin gehört, ist Pirlo seit Mai 2025 als Cheftrainer tätig.

Gemäß dem Vertrag hat der Verein das Recht, Pirlos Image und Persönlichkeit zur Werbung für kommerzielle Partner, darunter „Fonbet“, zu nutzen. Somit stehen Pirlos Werbeaktivitäten in direktem Zusammenhang mit seinem Arbeitsvertrag. Nach Angaben der Zeitung wird Pirlos Vertrag mit dem Wettanbieter nach seinem Ausscheiden bei „Dubai United“ beendet. Die Kündigung könne einseitig und ohne Vertragsstrafen erfolgen, betonte La Gazetta

Der Grund für die Absage an Pirlo ist vielmehr politisch motiviert, da der Fußballstar Kontakte nach Russland pflegt. Seitdem bekannt ist, dass Pirlo neuer Trainer der italienischen Nationalmannschaft werden soll, hagelt es Kritik. Gleich mehrere italienische Politiker äußerten Zweifel, ob jemand mit einer solchen Verbindung Italien als Nationaltrainer repräsentieren sollte.

Am lautesten ätzte die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno: „Ihn auszuwählen, ist ein schwerwiegender Fehler.“ Ihre Begründung: „Er hat freiwillig und wiederholt sein Ansehen für eine Normalisierung des Putin-Regimes eingesetzt. Indem er an Initiativen teilnahm, die von der Kreml-Propaganda ausgenutzt wurden, während die Ukraine bombardiert wurde.“ Mit russophob motiviertem Canceln hat Picierto Erfahrung: Vor einem Jahr sorgte sie mit einer ähnlichen Kampagne dafür, dass ein Konzert des russischen Star-Dirigenten Waleri Gergijew in Italien abgesagt wurde – RT DE berichtete

Auch das Mitglied des italienischen Senats, Carlo Calenda, trat gegen Pirlos Kandidatur als Italien-Trainer auf: „Wer nach 2022 Propaganda für Russland betreibt oder betrieben hat, sollte keine nationalen Ämter bekleiden.“ Pirlo wies die politische Vereinnahmung durch Russland auf Instagram zurück: 

„Die berufliche Zusammenarbeit, die Gegenstand der jüngsten Kontroversen ist, entstand im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten und ist ausschließlich kommerzieller und sportlicher Natur. Ihr eine politische Bedeutung zuzuschreiben, bedeutet, mir Überzeugungen zuzuschreiben, die ich nie geäußert habe und die mir fremd sind“. 

Pirlo merkte an, dass er die Diskussion um seinen Namen und die Möglichkeit, das Amt des Trainers der italienischen Nationalmannschaft zu übernehmen, mit Unmut verfolgt habe. Er betonte, dass er während seiner gesamten Karriere im Einklang mit den Gesetzen der Länder, in denen er tätig war, sowie den unterzeichneten Verträgen gehandelt habe.

Besonders empörend fanden Pirlos Kritiker seine Reise nach Moskau im Mai 2026. Zusammen mit dem ehemaligen italienischen Nationalspieler Marco Materazzi besuchte er die russische Hauptstadt im Rahmen einer Werbekampagne eines Wettanbieters. Die beiden Experten reisten anlässlich des „Tages des Fußballs“ im „Lushniki“-Stadion nach Moskau, der zeitgleich mit dem Superfinale des Pokals zwischen „Spartak“ und „Krasnodar“ stattfand. Die Ehrengäste nahmen an einem Galaspiel teil, trafen sich mit Fans und gaben Autogramme.

Legende als Retter? 

Andrea Pirlo gilt als einer der größten und wichtigsten italienischen Fußballspieler aller Zeiten. Als Spielmacher im tiefen Mittelfeld prägte er eine ganze Ära, gewann 2006 die Weltmeisterschaft und feierte große Erfolge mit dem AC Mailand sowie Juventus Turin. Zu seinen Erfolgen zählen sechs italienische Meistertitel, zwei italienische Pokalsiege, drei italienische Supercups, zwei Champions-League-Siege, zwei UEFA-Supercups und der Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft. Mit der italienischen Nationalmannschaft wurde er 2006 Weltmeister, gewann Silber bei der EM 2012 und Bronze beim Confederations Cup 2013.

Auch seine Trainerkarriere verlief erfolgreich. Pirlo trainierte zuvor den türkischen Verein „Fatih Karagümrük“ sowie die italienischen Vereine „Juventus“ und „Sampdoria“. Unter seiner Führung gewann „Juventus“ den italienischen Pokal (2021) und den italienischen Supercup (2020).

Für viele Fußballliebhaber hätte seine Ernennung zum Hoffnungsschimmer werden können. Die italienische Nationalmannschaft verpasste zum dritten Mal die Weltmeisterschaft. Nach den Absagen der Top-Kandidaten Pep Guardiola und Carlo Ancelotti sollte es ihre dritte Wahl, Andrea Pirlo, werden.

Klopp: Verband zahlte die Ablösung

Fall Pirlo erinnert an die Problematik um die Werbeverträge des neuen deutschen Nationaltrainers Jürgen Klopp. Da Klopp aber keine Reisen nach Moskau tätigte und generell nichts mit „Russen“ zu tun zu haben schien, kam es zu keinem Konflikt. 

Jürgen Klopps Vertrag als „Global Head of Soccer“ bei Red Bull war anfangs ein großes Hindernis für sein Amt als DFB-Bundestrainer, wurde aber durch eine großzügige Einigung gelöst. Der Deutsche Fußball-Bund zahlte keine klassische Ablöse, sondern vereinbarte eine Millionenzuwendung an die Stiftung „Wings for Life“ sowie drei Länderspiele in Leipzig.

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