Deutsche Bahn: Bahn macht wieder Gewinn – doch für die Fahrgäste bleibt es zäh

Erstmals seit sieben Jahren schreibt die Bahn in ihrem Kerngeschäft wieder schwarze Zahlen. Bahnchefin Evelyn Palla spricht von einem Erfolg – verweist aber zugleich auf die anhaltenden Probleme 

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Erstmals seit sieben Jahren schreibt die Bahn in ihrem Kerngeschäft wieder schwarze Zahlen. Bahnchefin Evelyn Palla spricht von einem Erfolg – verweist aber zugleich auf die anhaltenden Probleme 

Die Deutsche Bahn hat auch dank Kostensenkungen im ersten Halbjahr erstmals seit 2019 wieder Gewinn gemacht. Das Konzernergebnis nach Steuern im Kerngeschäft verbesserte sich um über 900 Mio. Euro auf plus 147 Mio. Euro, wie das Staatsunternehmen am Donnerstag mitteilte. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg um rund 650 Mio. Euro auf plus 415 Mio. Euro. 

„Zum ersten Mal seit sieben Jahren schreibt unser Eisenbahngeschäft unterm Strich wieder schwarze Zahlen“, sagte die seit Oktober amtierende Bahnchefin Evelyn Palla und wertete dies als Erfolg. „Auch wenn bei der Sanierung der Schiene nichts schnell geht, liefern wir jetzt Schritt für Schritt, was wir versprochen haben.“ Zufrieden sei sie aber erst, „wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt“.

Das dürfte noch einige Jahre dauern. Bahn und Bund investieren derzeit viele Milliarden jährlich in die Sanierung des an vielen Stellen überalterten und überlasteten Schienennetzes. Bei der Pünktlichkeit hinkt der Konzern weiter den eigenen Zielen hinterher. Auch die Zustandsnote für das Netz verbesserte sich zuletzt nicht.

Palla betont immer wieder, dass es noch zehn Jahre dauern werde, bis der Bahnverkehr wieder zuverlässig und stabil läuft. Entsprechend läuft die Konzernstrategie der Bahnchefin unter dem Titel „DB 2035“. Der Name bezeichnet den umfangreichen Konzernumbau, den Palla im vergangenen Jahr eingeleitet hat und der auch Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen umfasst. Im Fernverkehr läuft ein eigenes Sanierungsprogramm.

Schon unter ihrem Vorgänger Richard Lutz hatte die Bahn mehrere Konzernstrategien aufgestellt, mit denen sie die Probleme in den Griff kriegen wollte. Gelungen ist das nicht. Die neue Strategie wird in der Branche aber als tiefgreifender wahrgenommen als die vorherigen Umbauversuche.

Der neue Verkehrsminister, Steffen Bilger (CDU), nannte die Zahlen der Bahn im ARD-„Morgenmagazin“ erfreulich. Er kündigte an, noch heute Palla zu treffen und mit den Vorsitzenden der Bahn-Gewerkschaften zu sprechen. Zugleich dringt Bilger auf schnellere Verbesserungen für Fahrgäste der Bahn. Laut der Sendung „Frühstart“ von ntv/RTL geht es dabei auch um die Pünktlichkeitsziele. „Ich kann jetzt nicht als neuer Minister sagen, ich will einfach mehr, wenn es nicht möglich sein sollte“, erläuterte Bilger. „Aber gemeinsam mit der Bahn müssen wir dran arbeiten, dass wir schneller besser werden, auch was die Pünktlichkeitswerte anbelangt.“

Rund 960 Millionen Reisende fuhren im ersten Halbjahr mit den Zügen der DB und damit 17 Millionen mehr als im Vorjahr. Seit April haben die Ticketverkäufe im Fernverkehr zugelegt. Mit besonderen Angeboten für Familien, junge Menschen und Kurzentschlossene kurbelt das Management seit Mai die Nachfrage an. Bereits 600.000 Fahrgäste haben demnach das Last-Minute-Angebot genutzt. Mehr als 200.000 Reisende sind mit dem Familienticket unterwegs. Die kostenlose Jugend-BahnCard wurde über 50.000-mal bestellt.

Schuldenberg der Bahn wächst

Die Pünktlichkeit bleibt ein großes Problem: Nur 59 Prozent der Fernverkehrszüge kamen mit weniger als sechs Minuten Verspätung ans Ziel, 76 Prozent mit weniger als 15 Minuten. Im Regionalverkehr lag die Quote (sechs Minuten Verspätung) bei 88,2 Prozent. Die vielen Baustellen sind ein Grund für die vielen verspäteten Züge, daneben machte der Bahn auch der Wintereinbruch im Januar und die Hitze im Juni zu schaffen.

2026 bezeichnet die Bahn als „Super-Baujahr“: Im ersten Halbjahr seien 14.000 Baustellen fertiggestellt worden. Das Baugeschehen spiegelt sich auch in den Investitionen wider: Sie legten um 18 Prozent zu auf 8,7 Mrd. Euro, das sei „der höchste Halbjahreswert in der Geschichte der DB“. Das meiste Geld gaben Bund und die Bahn selbst. Die Nettoschulden der DB stiegen daher um eine Milliarde auf 21,6 Mrd. Euro. „Wenn wir auf diesem Niveau weiterbauen, legen wir das Fundament für eine nachhaltig stabile Bahn“, sagte Palla.

Sorgenkinder bleiben der Güter- und der Fernverkehr. Letzterer schloss nach Verlusten im vergangenen Jahr zwar wieder mit einem operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ab. DB Cargo allerdings ist nach wie vor mit rund 1 Mio. Euro in der Verlustzone – auch wenn damit die schwarze Null zum Greifen nah sei, wie die Bahn betonte. Das Unternehmen muss ab diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben, sonst drohen Konsequenzen der EU-Kommission.

Für das Gesamtjahr hält die Bahn-Chefin an der Prognose fest, dass das operative Ergebnis auf rund 600 (2025: 297) Mio. Euro klettert und der Umsatz auf etwa 28 (2025: 27) Mrd. Euro steigt. Von Januar bis Juni lagen die Erlöse bei 13,6 Mrd. Euro und damit 1,8 Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist. Hauptgrund für die Fortschritte beim Ergebnis ist laut Bahn eine bessere operative Entwicklung der Geschäftsfelder. „Darin enthalten sind auch erste Kostensenkungen sowie Personalabbau in der Konzernleitung und bei den internen Dienstleistern.“

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