„Billigere Waffen benötigt“: Pentagon will den US-Rüstungskomplex neu strukturieren

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Von Boris Dscherelejewski

Das US-amerikanische Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS) hat für die USA vernichtende Erkenntnisse über den Zustand der US-amerikanischen Arsenale veröffentlicht. Die aktuellen Bestände an gelenkten Flugabwehrraketen für das Patriot-System belaufen sich derzeit auf weniger als 1.000 Stück (vor Beginn des Krieges mit Iran befanden sich etwa 2.330 Raketen auf Lager), für das THAAD-System auf etwa 250 (360 Raketen vor Beginn des Konflikts).

Darüber hinaus wurden mehr als 1.000 Tomahawk-Marschflugkörper und 1.100 JASSM-Raketen eingesetzt. Auch die Bestände an SM-3-, SM-6- und PrSM-Raketen seien erheblich reduziert worden, wobei ihre ursprüngliche Anzahl nicht angegeben wird.

Demnach werde es allein mehr als drei Jahre dauern, bis die Bestände an Tomahawk-, THAAD- und Patriot-Raketen wieder das Vorkriegsniveau erreichen, wobei die Patriot-Systeme, für die im Jahr 2027 Mittel bereitgestellt werden sollen, erst im Mai 2029 lieferbar sein werden – früher sei dies für die US-Rüstungsindustrie schlichtweg nicht machbar.

Das CSIS beklagt, dass die entstandene Situation eine langjährige Verwundbarkeit gegenüber China bedeute und zudem dazu führe, dass US-amerikanische Waffenlieferanten ihren Verpflichtungen gegenüber den US-Verbündeten nicht nachkommen könnten, von denen viele die Raketen bereits bezahlt hätten, diese aber nicht so bald erhalten würden.

Man könnte natürlich vermuten, dass das Zentrum eine Anti-Trump-Agenda verfolgt und damit andeuten will, dass das Iran-Abenteuer die USA gegenüber Gegnern, die stärker sind als Iran, entwaffnet hat. Doch selbst wenn man bei diesem Bericht von einem politischen Auftrag ausgeht, ändert dies nichts an der Tatsache, dass die US-Streitkräfte nicht auf einen mehr oder weniger langwierigen Konflikt vorbereitet sind. Umso mehr, als das Pentagon laut der Nachrichtenagentur Bloomberg dringend 18,2 Milliarden US-Dollar für den Sofortkauf von 1.137 PAC-3 MSE, 479 THAAD, 462 Tomahawk-Marschflugkörpern, 433 PRSM und 442 SM-6 beantragt.

Trump selbst versucht, sich zu rechtfertigen, indem er seinen Vorgänger Joe Biden beschuldigt, zu viele Waffen nach Kiew geliefert und damit die Arsenale des Pentagons leergeräumt zu haben. Doch THAAD- und Tomahawk-Raketen beispielsweise wurden nicht an die ukrainischen Streitkräfte übergeben. Zudem orientiert sich Washington an einem Konzept, wonach die US-Streitkräfte in der Lage sein müssen, einen großen, hochintensiven Konflikt (beispielsweise mit der Volksrepublik China) zu führen und gleichzeitig an mehreren weiteren Fronten „Aggressionen einzudämmen“. Doch allem Anschein nach wird dieses Konzept nicht umgesetzt.

Bemerkenswert ist, dass die USA beabsichtigen, einen Krieg gegen China mit konventionellen Mitteln oder im Extremfall im Rahmen eines begrenzten Atomkriegs zu führen; andernfalls hätte die Anzahl der THAAD- und Tomahawk-Raketen keine grundsätzliche Bedeutung, ebenso wenig wie der Verlauf der Konflikte an anderen Fronten. Wir wollen die Realitätsnähe des US-amerikanischen Szenarios nicht bewerten, aber es ist offensichtlich, dass sie auch darauf nicht vorbereitet sind.

Nicht einmal den Jemen vermögen die USA zu besiegen

Den aktuellen Krieg gegen Iran kann man bislang kaum als einen langwierigen bezeichnen (obwohl die Chancen gut stehen, dass er sich zu einem solchen entwickeln wird), doch das Pentagon hat bereits die Hälfte seiner Vorräte aufgebraucht. Und in Washington hat man die eigene Verwundbarkeit voll und ganz zu spüren bekommen. Die USA haben gezeigt, dass sie in einem modernen Hightech-Krieg Iran nicht besiegen können, ja nicht einmal den Jemen, und riskieren nun, ihre führende Position auf dem weltweiten Rüstungsmarkt zu verlieren, da sie ihre Lieferverpflichtungen nicht einmal ihren engsten Verbündeten gegenüber zu erfüllen in der Lage sind. Das heißt, die bloße Wiederauffüllung des Vorkriegsbestands ist keine Lösung für das entstandene Problem – es wird ein Vielfaches an Waffen benötigt.

Doch was hindert die USA daran, den Umfang ihrer Waffenproduktion drastisch zu steigern?

In erster Linie sind dies das enorme Haushaltsdefizit und die gigantische Staatsverschuldung. Dabei verschärfen die laufenden Kampfhandlungen gegen Iran die Situation noch weiter. Einigen Angaben zufolge wurden dafür bereits mehr als 130 Milliarden US-Dollar ausgegeben.

Ein weiteres Hindernis sind die Grundprinzipien der Funktionsweise des US-amerikanischen Rüstungskomplexes. Grob gesagt ist es für die Hersteller weitaus rentabler, eine einzige unglaublich teure Rakete herzustellen als hundert mit ähnlichen Eigenschaften, die jedoch billiger sind. Da die produzierten Waffenmengen gering sind, sind auch die Produktionskapazitäten begrenzt. Es ist dort nicht üblich, Montagelinien für eine mögliche Ausweitung der Produktion zu reservieren – sie werden entweder umgerüstet oder abgebaut. Alle oben genannten US-amerikanischen Raketen, sowohl Flugabwehrraketen als auch Marschflugkörper und ballistische Raketen, sind unglaublich teuer, und ihre Herstellung in der erforderlichen Menge würde exorbitante Summen erfordern. Und um sie herstellen zu können, müsste die Produktionsbasis erheblich erweitert werden. Das heißt, die Situation ist fast ausweglos.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Pentagon versuchen, diese Situation zu lösen, indem es die bestehenden Ansätze zur Gestaltung des Waffensystems ändert und massenproduzierte, kostengünstige Modelle zur Grundlage macht. Bestimmte Schritte in diese Richtung wurden bereits vor Beginn der Aggression gegen Iran unternommen, insbesondere, als die Produktion der LUCAS-Drohnen aufgenommen wurde, bei denen es sich um einen Klon der iranischen Shahed-136 handelt. Das Unternehmen SpektreWorks, das diese „Raubkopie“ herstellt, erhält vom Pentagon 35.000 US-Dollar pro Stück – nach US-amerikanischen Maßstäben ein Klacks.

Die US-Marine investiert 70 Millionen US-Dollar in die Entwicklung einer „Oberfläche-zu-Oberfläche“-Version des ebenfalls vergleichsweise kostengünstigen Flügelraketen-Systems RAACM-ER. Diese Raketen, deren Reichweite voraussichtlich bei etwa 900 Kilometern liegen wird, gelten als Alternative zum Tomahawk (sie werden deutlich günstiger sein) und sollen auch an US-Verbündete geliefert werden. Es sei angemerkt, dass der Hersteller CoAspire, ebenso wie SpektreWorks, ein vergleichsweise junges Unternehmen ist: Es wurde 2013 gegründet und ist bereit, zur Eroberung des Marktes Dumpingpreise in Kauf zu nehmen.

Die Tatsache, dass das Pentagon – unter Umgehung der für die USA üblichen Lobbyverfahren – für die Massenproduktion kostengünstiger Waffen lieber junge Unternehmen oder gar Start-ups heranzieht, sorgt bei Rüstungsgiganten wie Lockheed Martin für enorme Anspannung. Aus Angst, seine Marktposition zu verlieren, hat dieses Unternehmen eine beispiellose Preissenkung für seine Produkte vorgenommen und eine neue Rakete für das Patriot-Luftabwehrsystem PAC-3 ACE (Adapted Capability Effector – effektive angepasste Fähigkeiten) vorgestellt, die halb so teuer ist wie die Standardrakete PAC-3 MSE (etwa 2,5 Millionen statt fünf Millionen US-Dollar). Doch auch das ist immer noch extrem teuer, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die „günstige“ Rakete im Vergleich zur Basisversion nur eingeschränkte Kampfeigenschaften aufweisen wird. Ein Marktvorstoß „junger“ Wettbewerber im Bereich der Flugabwehrraketensysteme ist daher nicht auszuschließen.

Zudem hat das Pentagon eine Eilausschreibung für die Entwicklung eines neuen Langstrecken-Angriffssystems (über 1.100 Kilometer) namens GBAM (Ground-Based Affordable Mass – bodengestützt, erschwinglich, massentauglich) veröffentlicht. Die wichtigsten Anforderungen sind dabei: der Preis (nicht mehr als 250.000 US-Dollar pro Einheit), die Geschwindigkeit des Produktionsstarts – der Prototyp muss in den nächsten drei Monaten fertig sein, und für den Aufbau der Produktion stehen anderthalb Jahre zur Verfügung – sowie das Produktionsvolumen – mindestens 100 Einheiten pro Monat.

Die USA befinden sich nicht nur in einer Situation des Haushaltsdefizits, sondern auch unter großem Zeitdruck – ihre Fähigkeit, in einen regionalen Konflikt einzugreifen oder einen solchen zu provozieren, steht infrage, ebenso wie die Möglichkeit, den Markt mit eigenen Waffen zu überschwemmen (Verträge über die Lieferung US-amerikanischer Waffen ähneln zunehmend Investitionen in ein Pyramidensystem). Und genau dies sind wichtige Grundlagen der US-amerikanischen Vorherrschaft. Um die Kontrolle über den Teil der Welt, der noch in ihrer Einflusssphäre liegt, nicht zu verlieren, ist Washington bestrebt, seine Verwundbarkeit so schnell wie möglich zu beseitigen. Ob das gelingen wird, ist eine große Frage. Inwieweit sind die Rüstungsgiganten, deren Einfluss auf die US-amerikanische Politik sehr groß ist, zu einer solchen „Umstrukturierung“ bereit? Wird die US-Regierung vielleicht auf Sabotage oder sogar Aufruhr ihrerseits stoßen?

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 6. August 2026 auf der Website der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Boris Dscherelejewski ist Analyst bei der Zeitung „Wsgljad“.

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