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Serbiens Präsident Aleksandar Vučić hat letzte Woche den ukrainischen Machthaber Wladimir Selenskij in Belgrad empfangen. Die ukrainische Diplomatie sprach dazu offen von einem erfolgreichen Versuch, einen Keil zwischen Serbien und Russland zu treiben, in Kiew sprach man von einem „Schlag ins Gesicht der Russen“.
Dadurch wird plötzlich Unmögliches möglich – westliche Medien und Propagandisten interviewen Vučić. Gefundenes Fressen auch für Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, der den serbischen Staatschef für seinen Podcast „MD Meets“ interviewte. Zu hören bekam Dörpfner allerdings nicht die erhoffte Reue eines zu Russlandhass und „europäischer Solidarität“ Bekehrten – Vučić nutzte das Gespräch, um erneut (er tat es schon in der Vergangenheit mehrmals) vor dem Ausbruch eines großen europäischen Krieges zu warnen:
„Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen. Und deshalb hatte ich gehofft, dass inzwischen jemand anderes etwas getan hätte, um Frieden zu schaffen. Das ist nicht geschehen, und es wird auch nicht bald geschehen, was bedeutet, dass wir am Rande eines viel, viel größeren Krieges stehen.“
Vučić warnte zudem davor, auf einen leichten Sieg über Russland in der Ukraine zu hoffen:
„Ich würde nicht auf die völlige Erschöpfung der russischen Truppen warten. Ich würde nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt warten, an dem wir glauben, dass Russland durch diesen Krieg in der Ukraine deutlich schwächer werden wird. Ich weiß nicht, wie man gegen Russland gewinnen kann, denn ich glaube nicht, dass das leicht geschehen wird. Denn letztlich ist Russland eine Atommacht und kann nicht ohne Weiteres von irgendjemandem angegriffen werden. Und wir brauchen eine Kompromisslösung, nicht die Niederlage irgendeiner Seite.“
Suggestiv fragte Döpfner den Serben nach einem „hybriden Krieg Russlands gegen Deutschland und andere europäische Länder“. Dies ist eher ein propagandistisches Konstrukt, das nichts mit der Realität zu tun hat. Vučić widersprach Döpfner indes nicht, sagte stattdessen, dies sei „im Grunde dasselbe, was Europa gegen Russland getan hat“:
„Sie haben die Ukraine aufgerüstet und Russland mit Sanktionen belegt. Gleichzeitig haben Sie die Ukraine finanziell unterstützt – was ist das, wenn nicht ein hybrider Krieg gegen Russland?“
Die nahe Zukunft sieht der serbische Präsident pessimistisch:
„Ich sehe kein Ende des Krieges in diesem Jahr. Ich sehe kein Ende des Krieges vor dem kommenden Frühjahr. Ich sage Ihnen, warum: Weil ich glaube, dass eine Seite stärker und – auf die eine oder andere Weise – siegreich sein muss, damit der Krieg endet. Andernfalls sehe ich angesichts der heutigen Pattsituation keine Möglichkeit für Kompromisslösungen.“
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