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In einem ausführlichen Interview mit dem Journalisten Danny Haiphong warnt der iranische Professor Seyed Mohammad Marandi von der Universität Teheran vor einer massiven iranischen Vergeltung. Angesichts der von den USA betriebenen wirtschaftlichen Belagerung droht Teheran mit der Zerstörung amerikanischer Öl- und Energieanlagen in der Region sowie aller Umgehungsrouten der Straße von Hormus. Marandi betont: Es herrsche Krieg, kein Waffenstillstand – und die Golfstaaten, die US-Basen beherbergen und finanzieren, seien voll mitverantwortlich.
Iran droht mit „erdbebenartiger“ Vergeltung – Marandi: Golfstaaten und US-Öl-Anlagen stehen auf dem Spiel
Seyed Mohammad Marandi, Professor an der Universität Teheran und langjähriger Analyst der iranischen Außen- und Sicherheitspolitik, hat in einem aktuellen Interview mit Danny Haiphong die jüngsten Warnungen Teherans eingeordnet und massiv verschärft. Auslöser ist die Ankündigung des neuen Vorsitzenden des iranischen Obersten Nationalen Sicherheitsrats, General Mohsen Rezai (auch Dr. Mohsen Rezai, promovierter Ökonom), der in einem ausführlichen Interview klarstellte: Iran bereite eine „erdbebenartige“ Vergeltung vor, falls die USA und ihre regionalen Partner die wirtschaftliche Belagerung fortsetzen oder ausweiten.
Rezai erklärte demnach wörtlich, die iranischen Streitkräfte seien bereit, amerikanische Wirtschaftsinteressen in der Region auszuschalten. Bisher habe man US-Unternehmen bewusst verschont – das könne sich ändern. Explizit warnte er alle Golfstaaten, sich nicht an dem „wirtschaftlichen Krieg“ gegen Iran zu beteiligen. Andernfalls würden sämtliche von den USA gestützte Energieinfrastrukturen im Golf sowie die Umgehungsrouten der Straße von Hormus – insbesondere Yanbu am Roten Meer und Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten – angegriffen. Kein Tropfen Öl könne dann mehr exportiert werden, weder durch die Straße von Hormus noch über alternative Routen.
Marandi unterstreicht: „Wir befinden uns im Krieg. Es gibt keinen Waffenstillstand – weder mit den Vereinigten Staaten noch mit dem israelischen Regime noch mit den Ländern, die die USA in diesem Krieg beherbergen und unterstützen.“ Er zählt die Golfstaaten auf: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain, Katar, Oman und sogar Jordanien. Alle beherbergten US-Streitkräfte, einige (Kuwait, Saudi-Arabien, Katar, Emirate) zahlten sogar für deren Stationierung. Damit seien sie aktive Teilnehmer an drei Kriegen gegen Iran: dem irakischen Angriffskrieg 1980, der von den USA und dem Westen massiv unterstützt worden sei; dem sogenannten „Blitzangriff“ des Vorjahres, bei dem US-Maschinen israelische Jets von Golfbasen aus betankt und Radar- sowie Luftraumunterstützung geliefert hätten; und dem aktuellen, noch andauernden Konflikt.
Die Golfregime täten so, als seien sie Opfer, während von ihrem Territorium aus Flugzeuge starteten, Treibstoff geliefert und Radarinstallationen genutzt würden. Iran habe bisher „sehr nachsichtig“ reagiert. Viele Iraner erwarteten jedoch, dass die Regime nach Jahrzehnten der Feindseligkeit härter bestraft würden. „Iran hat das Recht, jetzt zuzuschlagen, weil wir im Krieg sind und die Vereinigten Staaten gerade Belagerungskrieg führen.“
Die drohende Eskalation: Von der Seeblockade zur totalen Wirtschaftskriegsführung
Marandi beschreibt die aktuelle US-Politik als „Hungerbelagerung“ und „barbarischen Akt des Krieges“, der gezielt iranische Zivilisten – Frauen und Kinder – treffen solle. Ähnliche Strategien habe der Westen bereits gegen Syrien (Caesar Act), Kuba und Venezuela angewandt. US-Finanzminister Scott Bessent werde in Kürze die konkreten Maßnahmen verkünden; Spekulationen gingen in Richtung einer „Landblockade“, bei der Nachbarstaaten wie Pakistan, die Emirate, Saudi-Arabien, Aserbaidschan und die Türkei unter Druck gesetzt würden, die Kooperation mit Iran einzustellen.
Iran antworte darauf mit klaren Drohungen: Wer bei der Erdrosselung des iranischen Volkes mitmache, werde militärisch bestraft. Öl- und Gasexporte der Golfstaaten würden vollständig unterbunden, Flughäfen geschlossen, kritische Infrastruktur zerstört. Katar etwa, das kürzlich ein Abkommen über die Betankung von US-Tankern unterzeichnet habe, sei besonders verwundbar. Ein Dutzend Raketen und einige Dutzend Drohnen genügten, um die Gasinfrastruktur des Emirats lahmzulegen – und damit das Regime.
Gleiches gelte für Saudi-Arabien, die Emirate, Kuwait und Bahrain: „Es sind Wüsten mit Öl und Gas. Nichts anderes.“ Eine iranische Gegenoffensive würde diese Staaten in den wirtschaftlichen und politischen Kollaps treiben. Auch Aserbaidschan (Baku) werde gewarnt: Sollte die Route nach Russland blockiert werden, könne Iran die Ölanlagen Bakus ausschalten und den Ölfluss nach Israel über die Türkei unterbrechen.
Marandi verweist auf die rapide steigende iranische Militärproduktion. Der iranische Militärchef habe kürzlich eine geheime unterirdische ballistische Raketenfabrik besucht und von einem „großen Kriegsproduktionsboom“ gesprochen: höhere Qualität, größere Fähigkeiten, deutlich gestiegene Stückzahlen. Iran verfüge über unterirdische Fabriken, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen sowie Kommandostrukturen, die für die USA unerreichbar seien. Während Washington versuche, seine Luftverteidigung auszubauen, produziere Iran schneller und bessere Raketen und Drohnen. Die Erfahrungen der jüngsten Kämpfe (12-Tage-Krieg, 40-Tage-Kämpfe, 13-Tage-Offensive nach dem Bruch des Memorandums of Understanding) hätten die Fähigkeiten weiter verbessert.
Wirtschaftliche Rückwirkungen und globale Risiken
Besonders brisant sind Marandis Ausführungen zu den wirtschaftlichen Folgen. Die Golfstaaten verfügten über enorme Vermögenswerte in US-Anleihen, Aktien und Bankkonten. Doch ihre Einnahmen aus Öl, Gas, Düngemitteln, Helium, Schwefel und Aluminium seien bereits stark eingebrochen. Sie müssten diese Assets verkaufen, um ihre teuren Lebensstile und Imageprojekte (Dubai, Doha) aufrechtzuerhalten. Die USA würden ihnen das jedoch kaum erlauben – und falls doch, würde das den ohnehin angeschlagenen Anleihemarkt zusätzlich belasten. Japan, China und andere Akteure zögen sich bereits zurück. Trump habe auf Billionen-Investitionen der Golfstaaten in KI-Projekte spekuliert – diese seien nun vom Tisch.
Marandi sieht die Gefahr eines globalen Wirtschaftszusammenbruchs: „Wenn Trump diese Politik ernst nimmt und nicht einknickt, wird es zum Kollaps kommen – aber nicht in Iran, sondern in Kuwait, den Emiraten, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien.“ Die Zeichen seien bereits sichtbar: instabile Yen- und Anleihemärkte, hohe Dieselpreise in den USA (nahezu 6 Dollar pro Gallon), anhaltende Energieknappheit. Eine vollständige Blockade der Straße von Hormus und der Alternativrouten würde die Knappheit an LNG, Petrochemikalien, Düngemitteln und Aluminium dramatisch verschärfen.
Gleichzeitig baue Iran alternative Landkorridore aus: den Nord-Süd-Korridor nach Russland (einschließlich der bald zu unterzeichnenden Rasht-Astara-Bahnstrecke), Routen durch Zentralasien, Afghanistan und Pakistan. Güter, die früher über Dubai und den Persischen Golf kamen, kämen zunehmend über Zentralasien. Die Sanktionen hätten Iran zudem gezwungen, eine weitgehend eigenständige Industrie- und Landwirtschaftsbasis aufzubauen. Bei guter Ernte sei das Land nahezu selbstversorgend.
Historischer Kontext und strategische Einschätzung
Marandi erinnert an frühere „Maximum-Pressure“-Sanktionen unter Obama und Trump, die Iran bereits überlebt habe – zeitweise fast ohne Ölexporte. Heute sei die Lage anders: Iran stehe im offenen Krieg, habe die kombinierten Kräfte der USA, Israels und ihrer regionalen Proxys zweimal besiegt und verfüge über reale militärische Optionen. Die Golfregime seien keine souveränen Akteure, sondern von den USA und Großbritannien installierte Familien-Diktaturen ohne echte Unabhängigkeit. Private Signale aus Golfstaaten über den Wunsch nach einem unabhängigen Sicherheitsrahmen mit Iran oder Einladungen zu einem „Mekka-Sicherheitspakt“ (Saudi-Arabien, Pakistan, Türkei) seien derzeit folgenlos. Die Regime blieben an Washington gebunden, auch wenn sie privat Unmut äußerten.
Abschließend betont Marandi, dass die gesamte Eskalation „um des Zionismus und des Genozids in Gaza willen“ betrieben werde. Trump und Netanyahu seien bereit, die Weltwirtschaft zu opfern, damit israelische Soldaten und Piloten „Spaß“ am Töten und Verhungernlassen von Kindern haben könnten. Die Iraner hätten die Midterm-Wahlen im Blick: Eine wirtschaftliche Krise in den USA könnte Trumps Position nach dem November massiv schwächen.
Marandi schließt mit der klaren Ansage: Iran werde „sehr schnell und sehr entschlossen“ reagieren. Die Folgen träfen nicht nur die Region, sondern die gesamte Weltwirtschaft. Gleichzeitig mahnt er, den Blick auf Gaza und die leidenden Kinder nicht zu verlieren – der „Board of Peace“ habe den globalen Protestmomentum zerstört. Die Hoffnung liege darin, dass der wachsende Hass auf das israelische Regime und seine Unterstützer langfristig zu einem Wandel führe.
Das Interview zeigt: Teheran hat die rote Linie klar gezogen. Ob Washington und die Golfstaaten sie überschreiten, wird nach Marandi über das Schicksal der regionalen Regime und möglicherweise der globalen Wirtschaft entscheiden.