Kolumne: Chemie, Stahl, Maschinenbau – da zuckt noch was

Selbst die Problemkinder der deutschen Industrie schlagen sich besser als erwartet. Doch noch ist die Krise nicht überwunden

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Selbst die Problemkinder der deutschen Industrie schlagen sich besser als erwartet. Doch noch ist die Krise nicht überwunden

Nun also endlich auch die Chemiebranche: Zum ersten Mal seit vier Jahren melden die Manager von BASF, Evonik, Lanxess und Co. wieder eine positive Entwicklung ihres Geschäfts, wie eine Umfrage des Ifo-Instituts aus der letzten Woche zeigt. Das sogenannte Geschäftsbarometer stieg im August auf einen Schlag von minus 14,6 Punkten auf plus 11,6 Punkte. Und auch in die Zukunft blickt die Chemieindustrie wieder hoffnungsvoller.

Die Chemie verzeichnet als letzte der drei großen Krisenbranchen eine Trendwende. Zuvor signalisierte bereits der deutsche Maschinenbau erste Anzeichen für eine Wende zum Besseren. Zwar fielen die Umsätze der Branche im ersten Halbjahr noch, aber zuletzt verzeichnete man ein kräftiges Exportplus von 6,8 Prozent und eine allgemeine Stabilisierung an der Auftragsfront. Selbst das Problemkind Nummer Eins der deutschen Industrie, die Stahlbranche, zeigt inzwischen deutliche Spuren eines kleinen Aufschwungs nach langer Talfahrt. 

Der größte Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) verbuchte in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahrs zwar noch ein Umsatzminus von drei Prozent, konnte jedoch deutlich höhere Mengen absetzen (plus 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Die operative Marge  von TKSE stieg von 2,4 auf 5,3 Prozent.

Die Entwicklung hängt an den USA und China

Nähern wir uns dem Anfang vom Ende der Krise in den drei Schlüsselindustrien? Die Antwort lautet: Jein. Die Chemie führt ihre positive Entwicklung auf „Sonderfaktoren“ zurück: Sie profitiert von den Problemen der Konkurrenz in Asien, ausgelöst durch die Lieferausfälle nach der Blockade der Straße von Hormus. Unter „geopolitischen Spannungen“ leiden auch die deutschen Maschinenbauer, wie ihr Verband betont. Und in der Stahlindustrie gibt es so viele Unsicherheitsfaktoren, dass sich kaum jemand eine längerfristige Positivprognose zutraut.

Für alle drei Krisenbranchen gilt bei allen Unterschieden: Ihr Schicksal entscheidet sich in den USA und China. Beide Märkte belasten die Ergebnisse der Chemie, des Stahls und des Maschinenbaus weiter direkt und indirekt. Donald Trump sorgt mit seiner unberechenbaren Zollpolitik immer wieder für heftige Ausschläge in der deutschen Exportstatistik. Und in der Volksrepublik China sind es vor allem die schwächelnde Binnennachfrage und die aggressive Dumpingstrategie der dortigen Konzerne, die deutschen Konkurrenten das Leben schwer machen. Oft spürt man die Auswirkungen der Gemengelage gar nicht so sehr direkt in Deutschland, sondern auf Drittmärkten. Das macht Antworten noch komplizierter.

Die drei Krisenbranchen gehörten in den vergangenen Jahren zu den lautstärksten Kritikern des Standorts Deutschland. Durch ihre anhaltenden Wehklagen verstärkten sie den deutschen Hang, die heimische Wirtschaftsentwicklung grau in grau zu malen. 

Vielleicht wäre es auch für die Lautsprecher der Branche an der Zeit, ihre Analysen etwas differenzierter in die Öffentlichkeit zu tragen als bisher. Denn zu den Voraussetzungen für einen richtigen Aufschwung gehört nun einmal auch ein bisschen Zweckoptimismus. 

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