Die Wiederbelebung von Imperien hat ihren Preis

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Von Timofei Bordatschow

Ein Imperium ist wohl das kostspieligste Vergnügen, das sich selbst die mächtigsten Völker auf Dauer nicht leisten können. Und Argumente, wonach Imperien angeblich von Vorteil sein könnten, sind völlig wertlos. Genauer gesagt: Sie können es zwar sein, aber nur für einen sehr begrenzten Kreis der Elite und für eine äußerst kurze Zeit.

Im Übrigen verursacht ein Imperium ausschließlich Kosten: Das zeigt sich am Leben der breiten Masse der englischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert, am Schicksal eines britischen Veteranen der Kolonialkriege, wie Rudyard Kipling es schilderte, oder am Leben in einem russischen Dorf während der Zeit des geostrategischen Triumphs der UdSSR, wie es von den hervorragenden Schriftstellern der sogenannten Dorfprosa beschrieben wird.

Letztendlich überwiegen die kolossalen Kosten des Imperiums alles, was es bieten kann. Die Elite erkennt, dass das unter ihrer Führung kämpfende Volk seine Bajonette bald gegen diejenigen richten wird, die es regieren. Genau das geschah in der UdSSR, konnte jedoch von den britischen und – in geringerem Maße – den französischen Regierenden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vermieden werden.

Doch wie können große Nationen ihre Sicherheit und Macht gewährleisten, außer indem sie potenziell instabile Nachbarn in kostspielige imperiale Projekte hineinziehen?

Der Grundsatz der internationalen Beziehungen besagt, dass die Ressourcenausstattung eines Staates und sein Expansionsstreben in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis stehen: Je größer seine verfügbaren militärischen, wirtschaftlichen oder demografischen Ressourcen sind, desto weniger konfliktträchtig ist sein Verhalten. Wer stark ist, erreicht das Gewünschte leichter mit guten Worten als mit der Pistole.

So ist die friedensorientierte Politik Russlands oder Chinas gegenüber ihrem Umfeld eine direkte Folge der Tatsache, dass beide Großmächte weitaus größer und reicher sind als ihre Nachbarn. Dass hingegen die USA in den letzten Jahren, insbesondere unter US-Präsident Donald Trump, zunehmend auf die Peitsche statt auf das Zuckerbrot setzen, ist gerade ein Zeichen für die Schwächung ihrer Einflussmöglichkeiten und den Rückgang ihrer Ressourcen. Es gibt jedoch auch objektive Faktoren, die die Entwicklung der heutigen Welt prägen. Deshalb werden auch wir in Russland früher oder später bestimmte Fragen nicht mehr ausweichen können.

Die Spielchen des US-Präsidenten, bei denen er verschiedene Länder und Kontinente in den Farben der US-Flagge einfärbt, gehören natürlich zu Trumps gewohnter Art, die breite Öffentlichkeit zu unterhalten, und haben daher keine ernsthafte Bedeutung. Dennoch spiegelt sich wider, worüber sich die heutigen politischen Eliten und Denker – ob offen oder insgeheim – den Kopf zerbrechen: Wie soll man mit einer Welt zurechtkommen, in der es eine unglaubliche Anzahl von Staaten gibt?

Und wenn diese Frage nun die USA beschäftigt, dann hat das Problem tatsächlich grundlegenden Charakter angenommen. Denn gerade die USA waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts der größte Befürworter der Zerschlagung der europäischen Imperien und der Schaffung einer möglichst großen Anzahl unabhängiger Staaten auf der Weltkarte. Einer von Trumps Vorgängern im Weißen Haus, Woodrow Wilson, erklärte in seiner Rede vom Januar 1918, in der er sein „Vierzehn-Punkte-Programm“ vorstellte, das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu einer Grundlage der Weltordnung.

Dies war eine direkte Herausforderung nicht nur für die gesamte damals bestehende Weltordnung, sondern auch für die unmittelbaren Verbündeten der USA im Krieg gegen Deutschland: Großbritannien und Frankreich waren zu jener Zeit die größten Kolonialreiche der Welt. Den eigenen Verbündeten unter die Gürtellinie zu schlagen und sich dafür keineswegs zu schämen, liegt also ganz in der Tradition der US-Außenpolitik – Trump und sein Team haben in dieser Hinsicht nichts Neues erfunden.

Doch die Frage nach der Annexion großer Territorien zu stellen – das ist in der Tat etwas völlig Neues in der außenpolitischen Rhetorik der USA. Mehr noch: Wie bereits erwähnt, waren es gerade die USA, die sich den Ruf der entschiedensten Kämpfer gegen Imperien erwarben.

Nachdem es den Machthabern in Washington im Laufe von hundert Jahren gelungen war, den schwächelnden europäischen Mächten wie Spanien den für die USA optimalen Lebensraum zwischen zwei Ozeanen abzunehmen und zudem Alaska von Russland zu kaufen, dachten die USA lange Zeit nicht mehr über weitere territoriale Erwerbungen nach. Dafür gab es durchaus objektive Gründe: Erstens konnte man bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts für solche Gedanken ordentlich eines auf die Nase bekommen, und zweitens lagen alle attraktiven Gebiete sehr weit jenseits der Ozeane.

Eigentlich ist die gewohnheitsmäßige Praxis der USA, überall dort, wo es nur möglich ist, Militärstützpunkte zu „platzieren“, eine zwangsläufige Folge des Lebens auf einer Art Insel in beträchtlicher Entfernung von den wichtigsten Zentren der Zivilisation auf diesem Planeten: Unter solchen Bedingungen muss man möglichst viele Mittel in der Hand haben, um Gegnern und schlicht Unliebsamen Ärger zu bereiten – sonst gerät man schnell in Vergessenheit.

Wie dem auch sei: Zu Beginn des Jahrhunderts und auch danach festigten die USA nicht nur in Worten, sondern auch in Taten ihren Ruf als wichtigster Verfechter des Kampfes gegen den traditionellen europäischen Expansionismus – jenen Expansionismus, der gewaltige Weltreiche hervorgebracht und die Prinzipien des klassischen Staates über die ganze Welt verbreitet hatte.

Die USA selbst sind übrigens keineswegs ein solcher Staat, sondern vielmehr ein Verbund formal eigenständiger Bundesstaaten mit einer stark verflochtenen Kompetenzverteilung zwischen „Zentrum“ und „Regionen“. Kein Wunder also, dass die Zerschlagung von Imperien bei den USA auf Zustimmung stieß. Ebenso wie die Schaffung einer ganzen Vielzahl formal unabhängiger, aber unter neokolonialer Kontrolle stehender Länder.

In dieser Frage stimmten die „Imperialisten“ der USA übrigens mit unseren Bolschewiki überein: Das Selbstbestimmungsrecht der Völker wurde vom Rat der Volkskommissare unmittelbar nach der Machtübernahme in einer entsprechenden Deklaration verkündet – bereits am 15. November 1917. Und der Grund dafür, dass außer Finnland, dem Baltikum und Polen zahlreiche „Randgebiete“, die Unabhängigkeit anstrebten, letztlich nichts erreichen konnten, lag keineswegs an imperialen Ambitionen Russlands und seiner damaligen Machthaber.

Der Grund dafür, dass ein Teil des Westens und Südens des Romanow-Reiches später in die UdSSR eingegliedert wurde, lag vielmehr in der Eigendynamik des Bürgerkrieges: Dort, wo die Bolschewiki den Sieg errangen, vereinigten sie die nationalen Republiken zu einer „unzerstörbaren Union“; dort hingegen, wo ihnen dies aufgrund der gegnerischen Unterstützung aus dem Westen nicht gelang, etablierten sich nationalistische Regime und entstanden unabhängige Staaten.

Doch die Bolschewiki selbst zogen die Errichtung eines Imperiums nie ernsthaft in Betracht. Genauer gesagt hatte Josef Stalin zwar Vorstellungen davon, eine stabilere Grundlage für die Einheit Russlands und der anderen Völker der UdSSR zu schaffen, doch gerade deswegen bezeichnete Wladimir Iljitsch Lenin ihn – ebenso wie Felix Dserschinski – als „großrussische Dershimordas“. Doch unabhängig von Stalins eigenen Vorstellungen hatte die Sowjetmacht bereits zu Beginn seiner Herrschaft alles getan, um die Wiederherstellung des Imperiums in seinem früheren Ausmaß unmöglich zu machen.

Die Bolschewiki brauchten ein solches Imperium allerdings auch gar nicht. Wie die USA dachten sie damals in Kategorien globaler Vorherrschaft durch die Verbreitung von Ideen, und auch der von Lenin und seinen Mitstreitern geschaffene Staat war kein klassischer Staat im europäischen oder asiatischen Sinne. Der Sieg der kommunistischen Bewegung auf globaler Ebene bedeutete weder die Schaffung eines Imperiums noch einer „Weltregierung“. Vielmehr ging man davon aus, dass die Interessen aller siegreichen Regierungen übereinstimmen würden, weil sie dieselben kommunistischen Werte teilten. Genau darüber sprachen Francis Fukuyama und Bill Clinton in den 1990er-Jahren, als sie an der nunmehr liberalen Idee festhielten, dass „Demokratien keine Kriege gegeneinander führen“.

Doch ob es uns nun gefällt oder nicht: Die heutige Weltkarte entstand gerade im Zuge des Zerfalls der klassischen europäischen Staatsform – des Territorialimperiums, einschließlich des Russischen Reiches. Es ist aber unmöglich, eine derart große Zahl von Staaten auf der Grundlage gleicher Interessen zusammenzuführen. Doch ein Jahrhundert lang glaubten Politiker, dies könne auf der Grundlage gemeinsamer Werte gelingen – sei es der kommunistischen oder der liberalen Idee.

Nun verschwindet die Ära der Ideen und Ideologien mit erschreckender Geschwindigkeit. Selbst die Europäische Union, deren Integration auf einer liberalen Staatskonzeption im Sinne Jean-Jacques Rousseaus beruht, gerät ins Wanken. Dennoch ist die Frage, wie große und gefestigte Nationen ihre Sicherheit in Zukunft gewährleisten können, inzwischen Gegenstand einer breiten Debatte geworden.

Antworten gibt es bislang keine – vorerst bleibt nichts anderes übrig, als die Landkarten weiter einzufärben.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 11. September 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.

Timofei Bordatschow ist der Programmdirektor des Waldai-Klubs.

Mehr zum Thema – Zerfall der UdSSR und die NATO-Osterweiterung: Späte Revanche der Baltendeutschen?

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