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Rath checkt ein: The Florentin – Privatsphäre und Entschleunigung in der Bankenmetropole

Die frühere Villa Kennedy in Frankfurt ist jetzt The Florentin. Für unseren Hotelkolumnisten ist das Haus ein Lehrstück; wie man ein Luxushotel neu erfindet und ihm zugleich seine Aura lässt

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Die frühere Villa Kennedy in Frankfurt ist jetzt The Florentin. Für unseren Hotelkolumnisten ist das Haus ein Lehrstück; wie man ein Luxushotel neu erfindet und ihm zugleich seine Aura lässt

Manche Häuser sind weit mehr als bloß Hotels. Sie sind Wahrzeichen einer Stadt, Ausdruck ihres Stils, Wohlstands und Wandels. In Frankfurt war die frühere Villa Kennedy, eine der feinsten Adressen, so ein besonderer Ort. Im vergangenen Dezember schlug man dort nun mit der Eröffnung von The Florentin ein neues Kapitel auf. Ein Lehrstück, wie man ein Luxushotel neu erfindet und ihm zugleich seine Aura lässt – eine Kunst, die Deutschlands einzige inhabergeführte Luxushotelgruppe, die Althoff Hotels, bestens beherrscht. Vor allem bei den besonders individuellen Fünf-Sterne-Herbergen, die zur Submarke Althoff Collection gehören.

Zurück zu jener herrschaftlichen Villa, die im Frankfurter Bezirk Sachsenhausen liegt, in der Nähe des Museumsviertels. Ihre Anfänge reichen ins Jahr 1901 zurück. Damals wurde das Gebäude als repräsentatives Stadthaus für die jüdische Bankiersfamilie Beit von Speyer erbaut (Villa Speyer). Es war ein Stein gewordenes Symbol für die großbürgerliche Metropole am Main, in der die Finanzbranche, Weltoffenheit und ein architektonischer Gestaltungswille stets eng miteinander verbunden waren.

Als das Gebäude 2006 nach Erweiterung um moderne Anbauten als Villa Kennedy unter der Flagge von Rocco Forte Hotels reüssierte, hielten britische Noblesse und italienische Grandezza Einzug. Ein reizvoller Mix, der zunächst aufging. Das Haus wurde zum zweiten Wohnzimmer für Investmentbanker, feinste Kreise und Staatsgäste. Doch Luxushotels sind immer auch Immobilien, spätestens die Pandemie verschob die Gewichte im Markt radikal. 2022 schloss die Villa ihre Türen.

Nun, nach dreijähriger Umbauzeit, beginnt die Renaissance des Gebäudes mit für Frankfurt seltener historischer Gravitas. Der Neubeginn trägt die Handschrift von Althoff-CEO Frank Marrenbach, dessen Motto lautet: „Wahrer Luxus schreit nicht, er flüstert.“ Die Zukunft des Hauses lag für ihn und sein Team nicht in einer nostalgischen Wiederauflage mit klassischem Grandhotel-Charme. Stattdessen schwebte ihnen ein „Urban Retreat“ vor, das mitten in der Stadt Privatsphäre und Entschleunigung verspricht.

Eine andere für den Erfolg eines Luxushotels wichtige Persönlichkeit ist natürlich dessen Direktor. Und Boris Messmer bringt alles mit, was The Florentin braucht: einen Blick fürs Detail, Wertschätzung für die Mitarbeitenden und viel Aufmerksamkeit für die Gäste und den operativen Ablauf. Messmer lernte im Vier Jahreszeiten Hamburg unter Ingo Peters und verdiente sich danach seine Sporen in Südfrankreich und bei den besten Adressen Englands. Bleibt zu hoffen, dass die Althoff Hotels ihn noch viele Jahre halten können.

Dem gestalterischen Konzept merkt man an, dass hier nicht der klassische deutsche Inneneinrichter am Werk war. Stolze 49 der 147 Zimmer sind als Suiten angelegt, neun als „Signature“-Suiten. Das Design des Haupthauses stammt von Studio Unscripted aus Singapur, das schon Projekte für die Aman-Gruppe umgesetzt hat. Ich erkenne diese Handschrift sofort: Sie ist ruhig, exakt und international gedacht. Es dominieren Naturstein, edle Hölzer, warme Stoffe und eine Lichtführung, die effektvoll inszeniert. Ich fühle mich eher wie in einem High-End-Resort denn in einem klassischen Stadthotel. 

Ganz anders die historische Villa: Sie wurde vom Atelier Zürich gestaltet, das in der Schweiz mit großer Eigenständigkeit für Furore sorgte. Im Florentin wirkt die Atmosphäre sehr persönlich, wie kuratiert: viel Kunst, Charakter und Individualität mit Räumen im Look einer Bibliothek und sorgfältig ausgewählten Möbeln wie in einem Privathaus. Die „Signature“-Suiten sind inspiriert von Themen wie „The Composer“ samt eigenem Flügel, „The Tea Master“ oder „The Philosopher“.

Diese stimmige Balance zwischen der historischen Gravitas des Hauses und einer modernen Wohnlichkeit macht für mich den Reiz des Florentin aus. Der Kern blieb unangetastet, er wurde lediglich neu umrahmt und in Szene gesetzt. Darunter auch der prächtige Innenhof, eine Oase inmitten des Frankfurter Trubels, wo mit The Garden zudem ein gehobenes Restaurant mit Fokus auf saisonaler Küche wartet. Weitere Verweilpunkte sind die Florentin Bar als eleganter Treffpunkt für flüssige Evergreens und zeitgenössische Drinks, das Spa sowie die Studios und die Library – diskrete Räume für Gespräche und ein konzentriertes Arbeiten. Über den Innenhof wacht übrigens bis heute eine amerikanische Roteiche, wie sie schon die Familie Beit von Speyer sah. Sie ist ein Zeuge des Wandels und ein Symbol für den Anspruch des Florentin: tief verwurzelt, die Krone ins Jetzt gereckt.

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