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Die eigentliche Revolution dieses Krieges findet nicht im Schützengraben statt. Sie entsteht in Datenplattformen, Software und digitalen Beschaffungsnetzen. Dort wächst ein militärisch-industrielles Ökosystem heran, das die europäische Sicherheitsordnung grundlegend verändert – weitgehend unbeachtet von der öffentlichen Debatte.
Ein Standpunkt von Sabiene Jahn.
Wer heute über den Krieg in der Ukraine spricht, denkt meist an Frontverläufe, Panzerkolonnen oder die tägliche Zahl zerstörter Drohnen. Die öffentliche Wahrnehmung orientiert sich an sichtbaren Ereignissen. Militärische Stärke erscheint weiterhin als Summe von Waffen, Soldaten und Produktionskapazitäten. Die tiefgreifendere Veränderung vollzieht sich in den Datenströmen zwischen Gefechtsfeld, Softwareentwicklung, Industrie und Beschaffung.
Jede zerstörte Drohne, jeder gestörte Funkkanal und jede neue Taktik erzeugen Informationen. Sie entscheiden darüber, welche Waffe verbessert wird, welches Unternehmen den nächsten Auftrag erhält und welche Technologie innerhalb weniger Wochen weiterentwickelt wird. Der Krieg produziert damit einen fortlaufenden Strom verwertbarer Daten.
Über Jahrzehnte verlief militärische Innovation in getrennten Phasen – Forschung, Entwicklung, Erprobung, Beschaffung, Produktion und Einsatz. Zwischen Idee und Nutzung lagen oft zehn oder fünfzehn Jahre. In der Ukraine entstehen Entwicklung, Einsatz, Auswertung und Verbesserung nahezu gleichzeitig. Neue Produkte gelangen unmittelbar an die Front, Soldaten testen sie unter realen Bedingungen, die Erkenntnisse fließen fast ohne Zeitverlust zurück. Innerhalb weniger Wochen entstehen technische Veränderungen, die wieder in das nächste Gefecht eingehen. Der Krieg wird selbst zum Entwicklungsraum.
Beschaffungsentscheidungen stützen sich zunehmend auf kontinuierlich erhobene Einsatzdaten. Maßgeblich ist dabei die nachweisbare Bewährung unter Gefechtsbedingungen, nicht allein die theoretische Leistungsfähigkeit. Der eigentliche Rohstoff sind Daten über Reichweiten, Ausfallquoten, Zielgenauigkeit, Lieferzeiten und den tatsächlichen Nutzen. Wer über diese Informationen verfügt, besitzt einen Wissensvorsprung, der sich in technische Verbesserungen und wirtschaftliche Vorteile übersetzt. (12)
Während Regierungen über Waffenpakete und Milliardenhilfen diskutierten, entstand eine digitale Infrastruktur, die Entwicklung, Produktion, Einsatz und Beschaffung dauerhaft verbinden soll. Den programmatischen Ausdruck dafür fand Walerij Saluschnyj. Als der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte im Juli 2026 auf der internationalen Luft- und Raumfahrtmesse in Farnborough sprach, beschrieb er den Krieg als Beginn einer neuen militärischen Epoche. Die Ukraine sei zum Labor des modernen Krieges geworden. Entscheidend sei künftig nicht allein die Größe einer Armee. Ausschlaggebend werde ihre Fähigkeit, Erfahrungen nahezu in Echtzeit in technische Innovation zu übersetzen. (1)(2)
Neu ist die Verbindung zuvor getrennter Bereiche. Frontsoldaten, Entwickler, Start-ups, Rüstungsunternehmen, Beschaffungsbehörden, Investoren und politische Entscheidungsträger werden Teil eines gemeinsamen Innovationskreislaufs. Daraus entsteht ein militärisch-industrielles Ökosystem, das sich deutlich von der klassischen Rüstungswirtschaft unterscheidet. Seine Bausteine tragen Namen wie DELTA, Mission Control, Brave1, ePoints, DOT-Chain Defence und Manufacturer Dashboard. Gemeinsam sollen sie nahezu jeden Schritt zwischen militärischem Bedarf und industrieller Produktion digital miteinander verknüpfen. Europa unterstützt diese Architektur inzwischen nicht mehr nur finanziell. Es beginnt, zentrale Elemente schrittweise zu übernehmen. Darin liegt die eigentliche Tragweite: In Europa entsteht eine neue Sicherheits- und Wirtschaftsordnung, lange bevor über ihre vollständige politische Gestalt entschieden wurde. (14)
Ein lernendes System
Die Ukraine versucht, militärischen Bedarf, technische Entwicklung und Beschaffung in einem einzigen Kreislauf zusammenzuführen. Erfahrungen aus dem Gefecht sollen möglichst schnell in neue Produkte, veränderte Software und andere Bestellungen einfließen. (12)
„DELTA“ liefert das digitale Lagebild. (6) „Mission Control“ erfasst und bewertet Einsätze unbemannter Systeme. (9) „Brave1“ verbindet Einheiten mit Entwicklern, Start-ups, Investoren und staatlichen Stellen. (5) Über den „Brave1 Market“ können zugelassene Produkte ausgewählt werden. (15) „ePoints“ übersetzt bestätigte Ergebnisse in zusätzliche Beschaffungsmöglichkeiten. (16) „DOT-Chain Defence“ organisiert Vertrag, Zahlung und Lieferung. (17) Das „Manufacturer Dashboard“ gibt Herstellern Rückmeldungen zu Bedarf und Einsatz. (12)
Aus einem Gefecht entstehen Daten über Reichweite, Störanfälligkeit, Ausfälle und Wirkung. Entwickler verändern Konstruktion oder Software. Hersteller passen die Produktion an. Die verbesserte Version gelangt erneut an die Front. Aus linearer Beschaffung wird ein lernendes System. Das verkürzt Reaktionszeiten. Es verlagert jedoch auch Macht. (12)
Wer festlegt, welche Daten erhoben und wie sie bewertet werden, beeinflusst die Nachfrage. Wer einen Hersteller zulässt, eröffnet ihm Zugang zum Markt. Wer über technische Standards und Schnittstellen entscheidet, kann ganze Produktgruppen bevorzugen oder ausschließen. Die Plattformen bestimmen mit, welche Technologien sichtbar werden, welche Unternehmen wachsen und welche Systeme in größerer Zahl beschafft werden. Der neue Rüstungsmarkt wird zunehmend durch Daten, Zugangsregeln und digitale Bewertungen gesteuert. (14)
Unter Kriegsbedingungen beschleunigt
So neu diese Architektur erscheint, ihre Grundidee reicht weit vor den Krieg in der Ukraine zurück. Bereits Ende der 1990er Jahre entwickelten amerikanische Militärstrategen um Arthur K. Cebrowski und John J. Garstka das Konzept der „Network-Centric Warfare“. Militärische Überlegenheit sollte demnach stärker aus einem beschleunigten Informationsfluss entstehen. Sensoren, Aufklärung, Führung, Industrie und Einsatzkräfte sollten in einem gemeinsamen digitalen Netzwerk verbunden werden. Maßgeblich war damit nicht allein die Leistungsfähigkeit eines einzelnen Waffensystems. Entscheidend wurde die Geschwindigkeit, mit der Informationen verarbeitet und in militärisches Handeln übersetzt werden konnten. (21)
Aus dieser Denkschule entstanden in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Programme des US-Verteidigungsministeriums. Begriffe wie „Joint All-Domain Command and Control“ (JADC2), „Mosaic Warfare“, „Software-defined Warfare“ oder „Acquisition Agility“ verfolgten dieselbe Grundidee. Entwicklungszyklen drastisch zu verkürzen, zivile Innovation schneller militärisch nutzbar zu machen und starre Beschaffungsverfahren durch lernende Systeme zu ersetzen. Forschungseinrichtungen des Pentagon, die „Defense Innovation Unit“, „DARPA“ sowie Think Tanks wie „RAND“, „CSIS“ oder das „Center for a New American Security“ arbeiteten lange vor dem Ukrainekrieg an diesen Konzepten. (24)(25)(26)(28)
Die Ukraine hat diese Ideen also nicht erfunden. Sie hat sie unter den Bedingungen eines existenziellen Krieges in einer Geschwindigkeit umgesetzt, die zuvor kaum vorstellbar war. Aus theoretischen Modellen wurden digitale Plattformen. Daher richtet sich der Blick westlicher Streitkräfte heute auf die Ukraine. Weil sich dort zeigt, wie sich seit Jahrzehnten entwickelte Konzepte unter realen Gefechtsbedingungen organisieren lassen. (29)
Russland verfolgt ebenfalls einen schnellen Innovationszyklus, allerdings nach einer anderen Logik. Die Rüstungsindustrie ist stärker staatlich geprägt, vertikal integriert und auf niedrigere Stückkosten ihrer Systeme ausgerichtet. Anpassungen erfolgen häufig unmittelbar in den Truppen und werden anschließend zentral übernommen. Auch dort verkürzt sich der Weg zwischen Erfahrung und technischer Veränderung erheblich. (32)(33)
Europa übernimmt die westliche Idee, deren praktische Leistungsfähigkeit die Ukraine unter Kriegsbedingungen sichtbar gemacht hat. Programme wie „Brave Germany“, „EDIP“ oder die neue deutsche Startup- und Scaleup-Strategie sind Ausdruck dieser Entwicklung. Sie übertragen die unter Kriegsbedingungen beschleunigten Innovationszyklen schrittweise auf die europäische Verteidigungsindustrie. (49)(62)(69)
Soldaten als Teil des Entwicklungsprozesses
Drohnen, Bodenroboter und automatisierte Systeme sollen gefährliche Aufgaben übernehmen und Soldaten schützen. Das menschliche Risiko verschwindet dadurch nicht. Unbemannte Systeme müssen vorbereitet, gesteuert, gewartet und geborgen werden. Bediener können geortet werden, Funkverbindungen ausfallen, Geräte versagen. Gelände wird weiterhin von Menschen gehalten, und auch die Entscheidung über einen Angriff bleibt menschlich.
Das ukrainische Modell verkürzt die Zeit zwischen Entwicklung und Einsatz. Darin liegen sein Vorteil und seine ethische Grenze. Ein Produkt, das früher lange auf einem Testgelände geprüft worden wäre, gelangt heute schneller in ein reales Gefecht. Seine Schwächen zeigen sich dort, wo Fehlfunktionen unmittelbare Folgen haben. Der Soldat ist daher mehr als der Nutzer fertiger Technik. Er wird Teil ihres Entwicklungsprozesses. Hersteller können nachbessern, Investoren Kapital umschichten, Minister ausgetauscht werden. Der Soldat kann den Fehler mit seinem Leben bezahlen.
Besonders sensibel ist das ePoints-System. Es belohnt messbare Wirkung. Ein bestätigter Treffer ist erfassbar. Ein vermiedener Angriff oder die Schonung erschöpfter Soldaten sind schwerer in ein Punktesystem zu übertragen. Das System schafft Anreize, die kontrolliert werden müssen. (16) Das humanitäre Völkerrecht verlangt Unterscheidung, Verhältnismäßigkeit und Vorsichtsmaßnahmen. Ein Angriff wird nicht dadurch zulässig, dass er einer Einheit bessere Ausrüstung verschafft. (37)(38) Ein digitales Bewertungssystem bildet Wirklichkeit nie vollständig ab. Es macht bestimmte Leistungen sichtbar und andere kaum messbar. Damit kann es Verhalten prägen, ohne selbst einen Befehl zu erteilen. Entscheidend ist, wer Treffer bestätigt, welche Ziele bewertet werden dürfen und ob die Vermeidung ziviler Schäden ebenso ernst genommen wird wie die Zahl „erfolgreicher“ Angriffe. Militärische Innovation kann Leben retten. Sie kann ebenso ermöglichen, einen Krieg unter immer schwierigeren Bedingungen länger fortzuführen. Ihr Wert entscheidet sich daran, ob der Schutz des Menschen Vorrang vor dem Bedarf des Systems behält.
Die zunehmende Digitalisierung militärischer Entscheidungsprozesse wirft zugleich die Frage auf, welche Ziele durch solche Systeme bevorzugt werden. Ende Juni 2026 leitete Präsident Wolodymyr Selenskyj die Strategie der „Long-Range Sanctions“ mit verstärkten Langstreckenangriffen gegen Ziele im russischen Hinterland ein. Ziel war es nach seinen eigenen Angaben, den militärischen und wirtschaftlichen Druck auf Moskau so weit zu erhöhen, dass Russland zu Verhandlungen unter ukrainischen Bedingungen gezwungen würde. (39)(40) Während Kiew diese Angriffe als militärischen und wirtschaftlichen Druck verstand, bezeichnete Moskau sie als Terror gegen zivile Ziele. Die Kampagne zeigte Anfang August, dass selbst technologisch hochentwickelte Systeme politische Ziele nicht zwangsläufig erreichen. Die russische Kriegsführung änderte ihren Kurs nicht grundlegend. Gleichzeitig intensivierte Moskau seine Angriffe auf ukrainische Produktionsstätten für Drohnen und Raketen. Auch datengetriebene Kriegsführung ersetzt damit keine politische Strategie. (41)
Architekten dieses Wandels
Hinter den digitalen Plattformen stehen politische Entscheidungen und Menschen, die gewachsene Strukturen verändern. Mychajlo Fedorov war einer der wichtigsten Architekten dieses Wandels. International wurde er als Minister für digitale Transformation bekannt. Unter seiner Verantwortung entstand eine Infrastruktur, die weit über Verwaltungsmodernisierung hinausging. Mit zunehmender Kriegsdauer verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Verteidigungsindustrie. (44)
Fedorov wollte nicht lediglich schneller einkaufen. Sein Ziel war eine Beschaffung, die fortlaufend aus dem tatsächlichen Bedarf lernte. Daten sollten den Ausgangspunkt bilden. Hersteller entwickelten für Einheiten, deren Rückmeldungen unmittelbar in die nächste Entwicklungsstufe einflossen. Kleine Unternehmen erhielten die Möglichkeit, Produkte unter realen Bedingungen zu erproben. Neue Technologien konnten wesentlich schneller eingeführt werden. (12)
Das Verteidigungsministerium wurde damit vom reinen Auftraggeber zum Betreiber eines Innovationsökosystems. Es setzte Regeln, stellte Plattformen bereit und organisierte den Informationsfluss zwischen Front, Industrie und Forschung. Dadurch verschob sich die Macht über Beschaffung und Entwicklung. Entscheidend war nun, wer Bedarf definierte, Wirksamkeit bewertete, Marktzugang gewährte und über die entstehenden Daten verfügte. (14)
Als Fedorov diese Prinzipien auf die militärische Beschaffung übertrug, trat der wirtschaftliche Kern der Reform offen zutage. Digitale Innovation ließ sich von industriellen Interessen nicht trennen. Beschaffung bestimmte, welche Unternehmen wachsen, welche Produktionslinien ausgelastet werden und wohin Milliarden öffentlicher Mittel fließen. (43)(44)
Konflikt zwischen militärischem Bedarf und wirtschaftlicher Planung
Widerstand entsteht dort, wo sich Zuständigkeiten verschieben, Entscheidungen nachvollziehbar werden oder wirtschaftliche Interessen berührt sind. Beschaffung ist nie rein technisch. Hinter jedem Vertrag stehen Produktionskapazitäten, Investitionen und Lieferketten. Wer Millionen in Maschinen, Personal und Material investiert, benötigt die Aussicht auf langfristige Aufträge. Diese Planungssicherheit ist Voraussetzung industrieller Produktion.
Fedorovs Reformen stellten diese Logik teilweise infrage. Wenn sich Anforderungen aufgrund neuer Fronterfahrungen schnell verändern, kann ein Produkt an Bedeutung verlieren, obwohl Produktionskapazitäten bereits aufgebaut wurden. Ein digitales System reagiert schneller – darin liegt seine Stärke. Zugleich entsteht Konflikt zwischen militärischem Bedarf und wirtschaftlicher Planung. (44)
Nach seiner Entlassung beschrieb Fedorov diesen Konflikt offen. Entscheidungen über Munition und andere Güter konnten einzelne Unternehmen erhebliche Summen kosten, wenn sich der Bedarf änderte. Er nannte als Beispiel einen möglichen Verlust von rund einhundert Millionen US-Dollar für einen Hersteller, dessen vorbereitete Produktion nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprochen habe. Militärischer Bedarf ist beweglich. Industrie ist es nur begrenzt. (45)
Bei Ausschreibungen für Artilleriemunition führte verstärkter Wettbewerb zu erheblichen Preisnachlässen. Für den Staat bedeutete das geringere Ausgaben, für Hersteller Einbußen. Das „ukrainische Modell“ richtet Nachfrage stärker an der tatsächlichen Nutzung aus. Produkte sollen sich durch Bewährung im Einsatz behaupten, nicht allein durch politische Zusagen oder frühere Verträge. (42)(43)
Fedorovs Entlassung berührte aus diesem Grund den Aspekt, wer künftig über einen Markt entscheidet, in den ukrainische Haushaltsmittel, internationale Hilfen, europäische Förderprogramme und private Investitionen gleichzeitig einfließen. Er sprach von Machtzentren, die seinen Kurs abgelehnt hätten – Unternehmen, politisch vernetzte Akteure, Widerstände im Ministerium und Strafverfolgungsbehörden. Alle genannten Bereiche treffen sich an der Schnittstelle, wo öffentliche Milliardenaufträge, industrielle Interessen und staatliche Entscheidungsgewalt zusammentreffen. (45)(46)
Es gibt bislang zwar kein belastbares Bild dafür, dass ein bestimmtes deutsches oder europäisches Unternehmen auf die Entlassung hingewirkt hätte. Mit der Digitalisierung der Beschaffung verändert sich jedoch ein Markt, dessen wirtschaftliche Bedeutung weit über die Ukraine hinausreicht: Wer liefert Waffen und wer bestimmt die Regeln, nach denen diese Waffen entwickelt, bewertet und beschafft werden?
Struktureller Druck
Fedorovs Reformen griffen in die Mechanik der Beschaffung ein. Bis dahin entschieden Ministerien, Generalstäbe und Beschaffungsbehörden weitgehend darüber. Zwischen Einsatz und Beschaffungsentscheidung konnten Monate oder Jahre liegen. (46)
Einheiten sollten ihren Bedarf unmittelbarer melden können. Einsatzdaten sollten stärker berücksichtigt werden. Ausschreibungen sollten Wettbewerb schaffen. Das bedeutete Machtverlust für etablierte Hersteller, die auf langfristige Zusagen vertraut hatten, für Teile der Ministerialverwaltung, deren informeller Spielraum sank, und für den Generalstab, der einen Teil der Produktauswahl an die Erfahrungen der kämpfenden Einheiten abgab. (44)(46)
Rüstungsbeschaffung ist in jedem Staat mit Industriepolitik verbunden. Produktionslinien sichern Arbeitsplätze. Neue Werke entstehen oft erst bei langfristigen Abnahmezusagen. Ein digitales System bewertet den aktuellen Bedarf. Ein Industriestandort plant Jahre im Voraus. Beides lässt sich nicht immer vereinbaren.
Wenn Staaten Milliarden in Produktionskapazitäten investieren, können sie diese nicht beliebig stilllegen. Fabriken müssen ausgelastet werden. Daraus entsteht struktureller Druck, einmal aufgebaute Linien weiterzuführen – selbst wenn sich der militärische Bedarf bereits verändert hat. An dieser Stelle treffen Front und Industrie unmittelbar aufeinander.
Grenze zwischen Hilfe, Industriepolitik und Beschaffung
Deutschland gehört zu den wichtigsten Partnern der Ukraine. Längst geht es nicht mehr allein um Waffenlieferungen. Deutschland beteiligt sich an gemeinsamer Entwicklung, Produktion, Erprobung und am Aufbau jener digitalen Infrastruktur, die militärischen Bedarf, Innovation und Beschaffung miteinander verbindet. (49)
„Brave Germany“ soll Unternehmen beider Länder verbinden, Technologien schneller erproben und Entwicklungen aus ukrainischer Fronterfahrung in industrielle Produktion überführen. Dazu gehört nach ukrainischen Angaben der Zugang zum DELTA-Ökosystem und die Zusammenarbeit bei KI-Modellen auf Grundlage realer Einsatzdaten. Deutsche Unternehmen und staatliche Stellen können an einem Entwicklungsprozess teilhaben, dessen wichtigste Ressource Erfahrungen aus einem laufenden Krieg sind. (49)
„Quantum Systems“ liefert Aufklärungsdrohnen und verbindet ukrainische Entwicklungen mit Produktionskapazitäten in Deutschland. Gemeinsam entstanden Kooperationen für Drohnen, Abfangsysteme und unbemannte Bodenfahrzeuge. Die Ukraine bringt Einsatzerfahrung und kurze Entwicklungszyklen ein und die deutsche Seite Kapital, Skalierung und Zugang zum europäischen Markt. (50)(51)
„Rheinmetall“ baut seine Stellung aus. Gemeinschaftsunternehmen, Reparatur- und Produktionsstrukturen, Kapazitäten für Munition und weitere Güter. Solche Projekte benötigen langfristige Verträge und erhebliche Investitionen. Hier wird die Spannung sichtbar. Ein digitales System soll schnell auf veränderten Bedarf reagieren. Eine Munitionsfabrik rechnet in Jahren. Was geschieht, wenn ein Staat den Aufbau einer Produktionslinie unterstützt und das Produkt später nicht mehr in erwarteter Menge benötigt wird? Denkbar sind Rahmenverträge, Mindestabnahmen, Vorauszahlungen oder Verwendung für andere Streitkräfte. Bei den neuen deutsch-ukrainischen Gemeinschaftsprojekten ist öffentlich häufig nicht vollständig erkennbar, wer Investitionsrisiken trägt, wem Technologien gehören, welche Rechte an Einsatzdaten bestehen und unter welchen Bedingungen Produkte später verkauft werden dürfen. (55)(56)(57)
Noch deutlicher zeigt sich der Wandel bei Unternehmen wie „Helsing“. Ihr wirtschaftlicher Wert liegt vor allem in Software, künstlicher Intelligenz und der Verarbeitung großer Datenmengen. Reale Einsatzdaten verbessern Algorithmen und beschleunigen die Entwicklung autonomer Systeme. Der ukrainische Krieg ist damit Absatzmarkt und Entwicklungsumgebung zugleich – unter Bedingungen, die sich in Friedenszeiten kaum herstellen ließen. Aus den Gefechtserfahrungen entstehen wirtschaftlich verwertbare Güter, technisches Wissen, trainierte Modelle, Produktionsverfahren, Patente und neue Marktzugänge. Deshalb ist entscheidend, wem diese Werte gehören und wer ihre Entstehung finanziert. (58)(59)(60)
Auch die Bundeswehr verändert ihre Beschaffung. Der Druck wächst, Entwicklungs- und Vergabezeiten drastisch zu verkürzen. Erfahrungen aus der Ukraine werden zum Referenzpunkt. Ein Unternehmen, dessen Technik dort eingesetzt wird, sammelt Erfahrungen, die ein Konkurrent ohne Zugang zum Gefechtsfeld nicht besitzt. Eine staatlich finanzierte Lieferung an die Ukraine kann zugleich zur Entwicklungsförderung für einen späteren europäischen Markt werden. Die Grenze zwischen Hilfe, Industriepolitik und Beschaffung beginnt zu verschwimmen. (54)
Auf europäischer Ebene verstärken „European Defence Fund“ und „European Defence Industry Programme“ (EDIP) diese Entwicklung. Die ukrainische Verteidigungsindustrie wird enger mit der europäischen Basis verbunden. Ein Teil der Milliarden finanziert unmittelbar ukrainische Verteidigung. Ein anderer Teil kehrt über Aufträge an europäische Unternehmen zurück. Weitere Mittel schaffen gemeinsame Produktionskapazitäten. Aus Transferleistung entsteht teilweise Investitionspolitik. (67)(68)(69)(70)
Entscheidend ist, auf welchem Weg das Geld fließt und wer die Rechte an der Technologie erhält. Zwei Logiken existieren nebeneinander. Die eine verspricht Wettbewerb und Auswahl nach tatsächlicher Wirkung, während die andere Industriepolitik, Bündnisentscheidungen und langfristigen Produktionsverträgen folgt. Je enger beide Systeme verbunden werden, desto schwieriger wird die Frage, welche Logik im Konfliktfall Vorrang erhält. Diese Verbindung ist weiter fortgeschritten, als es die Debatte über einen möglichen EU- oder NATO-Beitritt vermuten lässt. (70)(71)(72)(73)(74)(75)
Sektorale Integration
Die Ukraine ist weder Mitglied der Europäischen Union noch der NATO. Im militärisch-industriellen Bereich ist sie dennoch tief in beide Strukturen eingebunden – über Ausbildung, Logistik, gemeinsame Entwicklung, technische Standards, Finanzierungsprogramme und industrielle Kooperationen. (76)
Die NATO koordiniert einen wesentlichen Teil der Unterstützung über „NSATU“ in Wiesbaden. Ukrainische Soldaten werden ausgebildet, Lieferungen abgestimmt und militärische Fähigkeiten technisch an Bündnissysteme angenähert. Im gemeinsamen Analyse- und Ausbildungszentrum „JATEC“ in Polen werden Erfahrungen des Krieges ausgewertet und für die Weiterentwicklung ukrainischer wie westlicher Streitkräfte nutzbar gemacht. „DELTA“ wurde auf Interoperabilität mit NATO-Systemen geprüft. Technische Kompatibilität bildet jedoch eine Voraussetzung gemeinsamer militärischer Handlungsfähigkeit. (77)(79)(82)
Auch die Europäische Union finanziert längst mehr als Waffenlieferungen. Sie unterstützt Ausbildung, Rüstungsproduktion, Forschung und gemeinsame Beschaffung. Ukrainische Unternehmen werden in europäische Förderprogramme und Lieferketten einbezogen. Das Europäische Verteidigungsindustrieprogramm sieht eigene Mittel für die ukrainische Rüstungsindustrie vor. Der Europäische Verteidigungsfonds öffnet gemeinsame Entwicklungsprojekte. Über die „Ukraine Facility“ können auch verteidigungsrelevante und doppelt nutzbare Vorhaben gefördert werden. (67)(68)(75)
Hinzu kommt die Zusammenarbeit der Beschaffungsbehörden. Die internationale Koalition „CORPUS“ befasst sich mit Lieferantenprüfung, Compliance, Digitalisierung von Lieferketten und resilienter Beschaffung. Ukrainische Plattformen wie „DOT-Chain Defence“ werden dabei nicht nur als nationale Kriegslösungen behandelt. Ihre Übertragbarkeit auf europäische Strukturen wird ausdrücklich geprüft. (83)
Damit verläuft die Integration nicht mehr ausschließlich in eine Richtung. Die Ukraine übernimmt westliche Standards und verändert zugleich die Vorstellungen darüber, wie moderne Streitkräfte organisiert, ausgerüstet und beschafft werden. (29)
Die politische Debatte konzentriert sich auf Rechtsstaatlichkeit, Binnenmarkt, Haushaltsfolgen und mögliche Beistandsverpflichtungen. Im sicherheits- und industriepolitischen Bereich werden bereits Tatsachen geschaffen. Gemeinsame Fabriken, Kreditlinien, Datenvereinbarungen und Entwicklungsprogramme erhöhen die Kosten einer späteren politischen Umkehr. (70)(75)(84)
Die Ukraine erhält dennoch nicht die Sicherheitsgarantien eines NATO-Mitglieds. Artikel 5 gilt für sie nicht. Gleichzeitig werden ihre Streitkräfte, ihre Rüstungsindustrie und ihre digitale Infrastruktur in Strukturen eingebaut, die bislang vor allem den Mitgliedern des Bündnisses dienten. Es entsteht ein „Zwischenzustand“. Die Kleine Anfrage zum EU-Beitritt der Ukraine, die 2026 im Deutschen Bundestag gestellt wurde, berührt diesen militärisch-technologischen Integrationsprozess nur am Rand. Gerade er ist weiter fortgeschritten als viele Bereiche, über die formell verhandelt wird. (84)(86)
Die institutionelle Integration verläuft keineswegs widerspruchsfrei. Walerij Saluschnyj, ukrainischer Botschafter in London, stellte die bisherige Beitrittslogik im August 2026 öffentlich infrage. Zwölf Jahre lang habe die Ukraine NATO-Standards übernommen und dabei Jahr für Jahr gehört, der Beitritt stehe kurz bevor. „Leider werden wir der NATO niemals beitreten“, erklärte er. Zugleich attestierte er dem Bündnis erhebliche militärische Defizite. Die Allianz orientiere sich noch immer an Doktrinen des Zweiten Weltkriegs, obwohl sich die Kriegsführung grundlegend verändert habe. Die NATO werde, so Saluschnyj, „voraussichtlich weitere zwölf Jahre benötigen, um überhaupt die Standards zu erreichen, die notwendig sind, um wenigstens die Hälfte des Niveaus der Russischen Föderation zu erreichen“. Die eigentliche Perspektive sähe er deshalb in einem künftigen europäischen Sicherheitsblock. (87)(88)
Diese Einschätzung ist bemerkenswert. Sie stammt von jenem Militär, dessen Armee heute als Vorbild für die westliche Modernisierung gilt. Die Ukraine versteht sich zunehmend als Mitgestalter einer neuen europäischen Militärarchitektur, deren Erfahrungen inzwischen auf NATO-Staaten und die Europäische Union zurückwirken. Damit verschiebt sich die Blickrichtung und entsteht ein bemerkenswerter Rollenwechsel. Über Jahrzehnte galt die NATO als Maßstab, an den sich die Ukraine anzupassen hatte. (80)(87)
Das klassische Sicherheitsdilemma
Die westliche Begründung ist eindeutig. Ein angegriffener Staat soll verteidigungsfähig bleiben. Europas Rüstungsproduktion soll wachsen, Abhängigkeiten von den USA sinken, ein weiterer russischer Vormarsch abgeschreckt werden. Aus russischer Sicht erscheinen dieselben Maßnahmen als dauerhafte militärische Verlagerung des westlichen Sicherheitsraums nach Osten. Die Ukraine wird nicht Mitglied der NATO, ihre Streitkräfte werden jedoch auf westliche Systeme umgestellt, ihre Logistik durch NATO-Staaten getragen, ihre Industrie in europäische Ketten eingebunden und ihre Führungssoftware technisch kompatibel gemacht. (76)(82)(98)
Sicherheitspolitik bemisst sich allerdings nicht allein an den erklärten Absichten. Ebenso entscheidend sind ihre Wirkungen auf die Gegenseite. Daraus entsteht das klassische Sicherheitsdilemma. Eine Seite bezeichnet Aufrüstung als Schutz, die andere erkennt darin eine wachsende Gefahr und reagiert mit eigener Aufrüstung. (93)
Nach dem Ende des Kalten Krieges bestand kurz die Möglichkeit einer gesamteuropäischen Ordnung, in der Russland und die Staaten Mittel- und Osteuropas nicht dauerhaft gegeneinander organisiert würden. Diese Möglichkeit wurde nicht verwirklicht. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag enthält de facto kein Verbot späterer NATO-Erweiterungen. Die sowjetische Zustimmung zur deutschen Einheit entstand jedoch in einer Atmosphäre kooperativer Sicherheits- und Friedensordnung. Die spätere Entwicklung entfernte sich davon weit. (90)(91)(92)
Die NATO wurde nach Osten erweitert. 2008 erklärte das Bündnis, Ukraine und Georgien würden eines Tages Mitglieder. Seit 2014 nahm die militärische Zusammenarbeit zu, nach 2022 wurde sie zu umfassender Ausbildungs-, Logistik-, Rüstungs- und Datenkooperation ausgebaut. Rechtlich folgt kein russisches Vetorecht. Politisch lässt sich fragen, ob eine Ordnung dauerhaft stabil sein kann, wenn die Sicherheitsinteressen einer Großmacht als grundsätzlich illegitim behandelt werden. (85)(98)
Für Moskau kann dieser Zwischenzustand der Ukraine wie faktische NATO-Annäherung ohne formalen Beitritt erscheinen. Für Kiew bleibt er unzureichend, weil die Unterstützung nicht mit automatischem Beistand verbunden ist. Eine formelle Neutralität wäre theoretisch denkbar, ihr praktischer Inhalt wird jedoch umso unklarer, je stärker Streitkräfte, Softwareplattformen, Produktionsstätten und Lieferketten eingebunden sind. (76)(86)
Die westliche Gegenposition lautet, dass gerade diese Bindungen notwendig seien. Nur eine militärisch starke Ukraine könne erneute Angriffe verhindern. Diese Annahme bleibt jedoch unbewiesen. Ebenso wenig ist bewiesen, dass immer weitere Aufrüstung zwangsläufig zu stabilerer Ordnung führt. Für Drohnenproduktion, Munitionsfabriken, KI-Modelle und gemeinsame Beschaffung existieren Programme und Budgets. Für eine neue gesamteuropäische Sicherheitsordnung fehlen vergleichbar konkrete Strukturen. (67)(70)
Das verändert die Bedeutung des europäischen Friedensbegriffs. Frieden erscheint zunehmend als Ergebnis militärischer Überlegenheit, nicht als Ordnung gegenseitig begrenzter Macht. Europa bereitet sich organisatorisch, industriell und finanziell auf einen langen Konflikt vor. Es hat noch nicht mit derselben Entschlossenheit festgelegt, welche politische Ordnung diesen Konflikt eines Tages beenden soll.
Militärische Innovation wird Teil der Wirtschaftspolitik
Die Debatte über den Krieg konzentriert sich meist auf einzelne Entscheidungen, ein neues Waffenpaket, eine zusätzliche Kreditlinie, eine weitere Produktionsanlage. Erst in der Gesamtschau wird sichtbar, dass daraus eine neue militärisch-industrielle Ordnung entsteht.
Die Ukraine entwickelt ihre Verteidigung nicht mehr isoliert. Europäische Unternehmen investieren in ukrainische Produktionskapazitäten. Ukrainische Hersteller werden in westliche Lieferketten eingebunden. Gemeinsame Forschungsprogramme entstehen. Datenplattformen werden technisch kompatibel gemacht. Start-ups erhalten staatliche Förderung. Beschaffungsverfahren werden beschleunigt und stärker mit Einsatzdaten verknüpft. (67)
Die deutsche Startup- und Scaleup-Strategie zeigt diesen Wandel besonders deutlich. Sicherheit und Verteidigung werden ausdrücklich in die staatliche Innovationsförderung aufgenommen. Junge Unternehmen sollen leichter Kapital erhalten, enger mit etablierten Konzernen zusammenarbeiten und schneller Zugang zu staatlichen Anwendern und Beschaffungswegen bekommen. Militärische Innovation wird damit Teil allgemeiner Wirtschaftspolitik. (62)
Geld für Rüstung finanziert nicht mehr allein fertige Produkte. Es fließt in Forschung, Beteiligungen, Produktionsanlagen, Dateninfrastrukturen und industrielle Skalierung. Dadurch entstehen Bindungen, die über einen einzelnen Haushalt und über das Ende des gegenwärtigen Krieges hinausreichen. (70)
Mit jeder neuen Fabrik wächst der politische Druck, sie auszulasten. Mit jedem Gemeinschaftsunternehmen steigen die Kosten eines späteren Rückzugs. Mit jedem proprietären Datensystem nimmt die technische Abhängigkeit zu. Was als vorübergehende Reaktion auf eine akute Krise beginnt, kann zu einer dauerhaften Struktur werden.
Die entscheidende Macht liegt zunehmend bei jenen Akteuren, die Zugänge, Standards und Daten kontrollieren. Digitale Verfahren beseitigen traditionelle Macht nicht. Sie verschieben sie. Deutlich weniger transparent sind häufig die Vertragsbedingungen, Datenrechte, Eigentumsverhältnisse und staatlichen Garantien. Eben dort entscheidet sich, wer wirtschaftlich profitiert und wer die Risiken trägt.
Die öffentliche Debatte müsste das Gesamtbild erfassen, welche industrielle Struktur Europa aufbaut, welche Verpflichtungen daraus entstehen und wie politische Korrekturen später noch möglich bleiben. Die eigentliche Verschiebung vollzieht sich in Haushalten, Förderprogrammen, Softwareplattformen, Verträgen und Produktionsentscheidungen. Dort entsteht die Architektur, die nach dem Krieg bestehen bleibt.
Eine neue Ordnung
Der Krieg begann nicht 2022. Seit 2014 wurde im Donbass gekämpft, während die Ukraine politisch, militärisch und wirtschaftlich enger an USA, Großbritannien, NATO und später EU gebunden wurde. (94)(98) Die Minsker Vereinbarungen sollten den Konflikt beenden. (95) Spätere Aussagen Merkels und Hollandes, sie hätten der Ukraine auch Zeit zur militärischen Stärkung verschafft, machten sichtbar, dass der diplomatische Prozess zugleich strategisch genutzt wurde. (96)(97)
Washington und London trieben Ausbildung, Aufrüstung, Geheimdienstkooperation und militärische Angleichung früh voran. Europa übernahm diese Linie und verwandelte sie nach 2022 in eine umfassende Industrie-, Beschaffungs- und Datenarchitektur. Belegen lässt sich eine Strategie, die Eskalation in Kauf nahm und die Ukraine schrittweise aus dem russischen Einflussraum herauslöste. Für Aufrüstung, Produktion, Interoperabilität und langfristige Bindung entstanden Programme und Verträge. Für eine gemeinsame Sicherheitsordnung mit Russland entstand nichts Gleichwertiges. (76)(98)
Die Ukraine ist rechtlich weder EU- noch NATO-Mitglied. Militärisch, technologisch und industriell ist sie dennoch tief in den westlichen Raum eingebunden. Europas Rüstungswirtschaft wurde ausgebaut, Russland dauerhaft ausgeschlossen und die politische Teilung des Kontinents vertieft. Russland reagierte 2022 militärisch auf einen Konflikt, den Moskau als Bedrohung verstand und der den Schutz russischsprachiger- und russischer Bevölkerung verfolgte. Sie widerlegt die Erzählung eines voraussetzungslos begonnenen Krieges. (94)(95)
Der strategische „Gewinn“ des Westens besteht bereits unabhängig vom militärischen Ausgang. Die Ukraine wurde fest an westliche Strukturen gebunden, Europa auf langfristige Aufrüstung ausgerichtet und die frühere Verflechtung mit Russland weitgehend zerstört. Den Preis zahlen vor allem die Menschen in der Ukraine und die europäischen Gesellschaften, deren Haushalte und politische Prioritäten auf Jahrzehnte gebunden werden, während soziale Sicherungssysteme und öffentliche Infrastruktur zunehmend vernachlässigt und weiter ausgehöhlt werden.
Wie weit diese Neuordnung bereits in den Alltag hineinreicht, zeigt die „vorsorgliche Vorbereitung“ eines möglichen neuen Zivildienstes. Das Familienministerium hat 23 große Verbände abgefragt, ob sie im Fall einer reaktivierten Wehrpflicht Plätze für Verweigerer bereitstellen könnten. 22 signalisierten grundsätzlich Bereitschaft. Zugleich warnen Sozialverbände davor, Personalnot in Pflege, Rettungsdiensten und sozialen Einrichtungen durch verpflichtende Ersatzdienste zu überdecken und dabei Freiwilligendienste weiter zu schwächen. Die Aufrüstung bindet damit nicht nur Geld und Industrie. Sie beginnt, auch Sozialstaat, Arbeitskräfte und zivile Dienste in eine sicherheitspolitische Mobilisierungslogik einzubeziehen. (99)(100)(101)
Die Fabrik des Krieges produziert deshalb mehr als Waffen. Sie produziert eine neue Ordnung. Und diese Ordnung war offenkundig weit besser vorbereitet als der Frieden. Je mehr Fabriken gebaut, Datenräume verknüpft und Standards vereinheitlicht werden, desto stärker entsteht ein Eigeninteresse am Fortbestand dieser Architektur. Entscheidend ist nicht die erklärte Absicht einzelner Regierungen. Entscheidend ist die Dynamik einer Sicherheitsarchitektur, die Institutionen, Industrien und öffentliche Haushalte langfristig an Konfrontation bindet. Friedenspolitik müsste diese Entwicklung eines Tages zurückbauen. Dafür gibt es bislang weder Programme noch Institutionen.
Der Krieg wird dadurch nicht zwangsläufig zum politischen Ziel. Er wird jedoch zum institutionellen Bezugspunkt, aus dem sich die neue Ordnung legitimiert.
1. Walerij Saluschnyj: Erklärung zur Ukraine als „Labor des modernen Krieges“, Farnborough International Airshow, 23. Juli 2026: https://t.me/s/Zaluzhnui
2. Farnborough International Airshow 2026: https://www.farnboroughairshow.com/the-show/whats-on/
3. Saluschnyj-Beitrag: https://telemetr.me/content/Zaluzhnui
4. Brave1: Le Monde (24.01.2026): Brave1, the online armory supplying Ukraine’s troops… – Brave1 als staatliche Innovationsplattform und erläutert Brave1 Market, NATO-Anbindung und internationale Kooperationen: https://www.lemonde.fr/en/international/article/2026/01/24/brave1-the-online-armory-supplying-ukraine-s-troops-reveals-the-limits-of-its-efficiency_6749775_4.html
5. Brave1 – ukrainische Originalfassung: https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/ukraine-offers-its-front-line-test-bed-foreign-weapons-2025-07-17/; https://thedigital.gov.ua/projects/technologies/brave1; https://brave1.gov.ua/en;
6. Ukrainisches Verteidigungsministerium, DELTA auf allen Ebenen der Streitkräfte, 6. August 2025:https://mod.gov.ua/en/news/the-delta-combat-system-has-been-deployed-across-all-levels-of-defence-forces-of-ukraine
7. Ukrainisches Verteidigungsministerium, DELTA als gemeinsames technologisches Gefechtssystem: https://mod.gov.ua/explanation/suchasna-operacziya-sil-oboroni-yak-vijsko-stalo-yedinim-tehnologichnim-organizmom-shho-nishhit-voroga
8. Mission Control für DELTA-Nutzer, 27. Januar 2025: https://mod.gov.ua/news/modul-mission-control-stav-dostupnim-dlya-vsih-koristuvachiv-delta-katerina-chernogorenko
9. Fedorov ordnet Ausbau von Mission Control an, 23. Januar 2026: https://mod.gov.ua/en/news/mykhailo-fedorov-signs-order-to-launch-mission-control-drone-command-and-control-system-in-delta
10. Mehr als 150.000 digitale Missionsberichte, 6. März 2026: https://mod.gov.ua/en/news/over-150-000-digital-reports-mission-control-system-simplifies-drone-operations-control
11. Mission Control in allen Korps und Truppengruppierungen, 26. März 2026: https://mod.gov.ua/en/news/two-months-since-the-launch-of-mission-control-within-the-delta-ecosystem-the-system-is-now-operational-across-all-corps-and-force-groupings
12. Neue Drohnenbeschaffung auf Grundlage von Frontdaten, 10. März 2026: https://mod.gov.ua/en/news/ministry-of-defence-changes-approach-to-drone-procurement-demand-will-be-generated-automatically-based-on-frontline-data
13. Ukrainisches Verteidigungsministerium, 95 Prozent der beschafften Drohnen aus ukrainischer Produktion, Juni 2026: https://mod.gov.ua/en/news/95-of-drones-procured-for-the-defence-forces-are-ukrainian-made
14. Überblick über die ukrainische Verteidigungsbeschaffung, Mai 2026: https://mod.gov.ua/explanation/oboronni-zakupivli-hto-zakupovuye-ozbroyennya-i-sporyadzhennya-dlya-armiyi
15. Le Monde: Brave1 Market als digitales Beschaffungssystem („Amazon des drones“): https://www.lemonde.fr/en/international/article/2026/01/24/brave1-the-online-armory-supplying-ukraine-s-troops-reveals-the-limits-of-its-efficiency_6749775_4.html;
16. ePoints können gegen Komponenten eingetauscht werden, 27. März 2026: https://mod.gov.ua/en/news/the-military-can-exchange-e-points-for-drone-and-technology-components
17. Defence Procurement Agency, Army of Drones Bonus, Bestellkette von bestätigten Treffern über Brave1 Market bis zu Vertrag, Zahlung und Lieferung: https://dot.gov.ua/en/page/uah-266-million-worth-of-equipment-delivered-through-the-army-of-drones-bonus-program/
18. Ukrainische Originalfassung zur beschleunigten Auslieferung; durchschnittlich rund zehn Tagen Lieferzeit.https://dot.gov.ua/page/cerez-marketpleis-za-programoiu-armiia-droniv-bonus-postavleno-texniki-na-266-mln-grn/
19. Drone-Line-Einheiten bestellen über DOT-Chain Defence, 6. Mai 2026: https://www.zbroya.gov.ua/en/news/pidrozdily-linii-droniv-zamovliatymut-bpla-cherez-marketpleis-zbroi-dot-chain-defence
20. Fast 500.000 Systeme über DOT-Chain Defence, 26. Mai 2026; Offizielle Angabe: 485.000 UAV und Ausrüstungsgegenstände im Wert von 31,4 Milliarden Hrywnja; nahezu 800 Produkte von mehr als 200 Herstellern: https://mod.gov.ua/en/news/nearly-half-a-million-ua-vs-and-other-equipment-delivered-to-the-military-through-dot-chain-defence
21. Arthur K. Cebrowski und John J. Garstka: „Network-Centric Warfare – Its Origin and Future“, 1998: https://www.usni.org/magazines/proceedings/1998/january/network-centric-warfare-its-origin-and-future
22. DoD Command and Control Research Program: Network Centric Warfare: https://internationalc2institute.org/
23. CCRP-Buchreihe, darunter Alberts/Garstka/Stein, 1999, Doktrinäre Weiterentwicklung der Network-Centric Warfare: https://www.dodccrp.org/books_main.html; Alberts, David S.; Garstka, John J.; Stein, Frederick P. (1999): Network Centric Warfare: Developing and Leveraging Information Superiority. National Defense University Press / CCRP Publication Series. ISBN 1-57906-019-6. PDF über CCRP Publications
24. US-Verteidigungsministerium: JADC2 Implementation Plan, 17. März 2022; datenbasierte Verbindung von Sensorik, KI, Analyse, Führung und Wirkung über alle militärischen Bereiche: https://www.defense.gov/News/Releases/Release/article/2970094/dod-announces-release-of-jadc2-implementation-plan/
25. DARPA, Mosaic Warfare: Beschreibung modularer, vernetzter Sensor- und Wirkungssysteme: https://www.darpa.mil/news/mosaic-warfare
26. Defense Innovation Unit, beschleunigte Übernahme kommerzieller und Dual-Use-Technologie in militärische Anwendungen: https://www.diu.mil/about
27. Defense Innovation Unit, Zusammenarbeit mit kommerziellen Unternehmen, verkürzte Wege von der Problembeschreibung über Prototypen bis zur militärischen Nutzung: https://www.diu.mil/how-to-work-with-diu
28. CSIS: „Software-Defined Warfare“, 2022: https://www.csis.org/analysis/software-defined-warfare-architecting-dods-transition-digital-age
29. CSIS: „Does Ukraine Already Have Functional CJADC2 Technology?“, 11. Dezember 2024.Vergleicht DELTA ausdrücklich mit dem amerikanischen CJADC2-Konzept und beschreibt DELTA als praktische Bottom-up-Umsetzung: https://www.csis.org/analysis/does-ukraine-already-have-functional-cjadc2-technology
30. CSIS: Lehren aus dem ukrainischen Drohnenökosystem, 18. Juli 2025, analysiert die dezentrale, kommerziell geprägte ukrainische Verteidigungsinnovation: https://www.csis.org/analysis/unleashing-us-military-drone-dominance-what-united-states-can-learn-ukraine
31. CSIS: Russische Verteidigungsunternehmen und Produktionsausbau, 14. Juli 2026, belegt die zentrale Rolle großer staatlich geprägter Unternehmen und den Ausbau der Produktion seit 2022: https://www.csis.org/index.php/analysis/rebuilding-reconquer-can-russias-defense-firms-deliver
32. CSIS: Zentrales russisches und dezentrales ukrainisches Produktionsmodell, Januar 2026, direkter Vergleich der unterschiedlichen Organisationsformen: https://www.csis.org/events/its-more-just-drones-industrial-base-lessons-conflict-ukraine-all-about-base
33. CSIS: Russlands souveränes Drohnen- und KI-Ökosystem, 13. April 2026, staatlich koordinierte Entwicklung, Skalierung und taktische Anpassung: https://www.csis.org/analysis/how-russia-building-sovereign-drone-ecosystem-ai-driven-autonomy
34. IISS: Russland steigert und verändert die Shahed-Produktion, wachsende Stückzahlen, lokale Fertigung und taktische Weiterentwicklung: https://www.iiss.org/online-analysis/military-balance/2025/04/russia-doubles-down-on-the-shahed/
35. US Army Military Review, Russische Anpassungen bei Drohnen, elektronischer Kampfführung und Streitkräftestrukturen; dokumentiert die Aufnahme taktischer Erfahrungen in Produktion und Doktrin.https://www.armyupress.army.mil/Journals/Military-Review/English-Edition-Archives/September-October-2025/Lessons-from-Ukraine/
36. RUSI: Anpassung russischer und ukrainischer Gefechtsführung, fortlaufende Wechselwirkung zwischen Drohnen, elektronischer Kampfführung und konventionellem Feuer: https://www.rusi.org/explore-our-research/publications/insights-papers/emergent-approaches-combined-arms-manoeuvre-ukraine
37. IKRK: Grundregeln des humanitären Völkerrechts, Unterscheidungsgebot, Verhältnismäßigkeit und Vorsichtsmaßnahmen: https://www.icrc.org/en/document/ihl-rules-of-war-FAQ-Geneva-Conventions
38. Zusatzprotokoll I zu den Genfer Abkommen, Artikel 48, 51 und 57, Rechtsgrundlage für Unterscheidung, Schutz der Zivilbevölkerung und Vorsorgepflichten: https://ihl-databases.icrc.org/en/ihl-treaties/api-1977
39. Präsident der Ukraine: Plan der „Long-Range Sanctions“, 10. Juni 2026, offizielle ukrainische Darstellung der Strategie weitreichender Angriffe: https://www.president.gov.ua/en/news/plan-nashih-ukrayinskih-dalekobijnih-sankcij-vikonuyetsya-ab-104869
40. Präsident der Ukraine: Langstreckenplan für Juni, 19. Mai 2026, längerfristig vorbereitete Ausweitung weitreichender Schläge: https://www.president.gov.ua/en/news/zatverdiv-plani-nashoyi-dalekobijnosti-na-cherven-i-mayemo-t-104481
41. Ukrainische Berichterstattung zum Programm „Logistics Lockdown“, 27. Mai 2026, Verwendung von ePoints und zentralisierten Ausschreibungen für Mittelstreckensysteme: https://www.pravda.com.ua/eng/news/2026/05/27/8036641/
42. Ukrainisches Verteidigungsministerium: Ausschreibung von 155-mm-Munition; sechs Anbieter, Einsparung von 16 Prozent gegenüber dem Ausgangswert: https://mod.gov.ua/en/news/expanding-artillery-range-largest-procurement-of-long-range-artillery-rounds-completed
43. Fedorov zur ersten Reformphase, Juni 2026, belegt Einsparungen von 16 bis 20 Prozent und die Reduktion eines Angebots um 1.000 Dollar je Geschoss: https://mod.gov.ua/en/news/first-phase-of-the-defence-forces-of-ukraine-transformation-mykhailo-fedorov-on-new-contracts-recruiting-foreign-volunteers-and-ukrainian-ballistic-missiles
44. Reuters: Fedorov führt seine Entlassung auf Beschaffungsreformen zurück, 29. Juli 2026, Ausschreibungen, organisatorischem Widerstand und Konflikt mit der militärischen Führung: https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/ukraines-ex-defence-minister-says-changes-military-procurements-behind-his-2026-07-29/
45. Ukrainska Pravda: Interview mit Fedorov, 29. Juli 2026, Aussagen zu Unternehmensinteressen, politischen Netzwerken, Ministerialstrukturen, Strafverfolgungsbehörden und dem möglichen Verlust von rund 100 Millionen Dollar: https://www.pravda.com.ua/eng/articles/2026/07/29/8046455/
46. Ukrainska Pravda: Hintergrund zur Entlassung, 16. Juli 2026, rekonstruiert offene Ausschreibungen, Vertragsprüfungen, Personalwechsel und den Konflikt mit Generalstab und Präsidialamt: https://www.pravda.com.ua/eng/articles/2026/07/16/8044300/
47. Reuters: Proteste für Fedorovs Wiedereinsetzung, 31. Juli 2026, politische Reaktion auf die Entlassung:https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/thousands-rally-kyiv-demanding-ousted-defence-ministers-reinstatement-2026-07-31/
48. Ukrainisches Verteidigungsministerium: neue Leitung nach der Umbildung, 22. Juli 2026.Offizielle Quelle zu Nachfolgeregelungen und neuen militärischen Führungspositionen.https://mod.gov.ua/en/news/president-of-ukraine-outlines-personnel-changes-and-development-priorities-for-the-defence-forces
49. Brave Germany, 11. Mai 2026, gemeinsame Förderung ukrainischer und deutscher Verteidigungs-Start-ups: https://mod.gov.ua/en/news/ukraine-and-germany-launch-brave-germany-a-joint-programme-for-defence-technology-development
50. Quantum Systems und Frontline: Beteiligungsvereinbarung, 16. Juli 2025, Quantum Systems übernimmt zunächst zehn Prozent, mit Option auf bis zu 25 Prozent: https://quantum-systems.com/us/news/quantum-systems-and-frontline-strategic-investment/
51. Quantum Frontline Industries, Unternehmensdarstellung der deutsch-ukrainischen Koproduktion und industriellen Fertigung in Deutschland: https://career.quantum-systems.com/o/uav-test-pilot-mfd-quantum-frontline-industries?lang=en
52. Quantum Systems: Übernahme von Hacker Motor, 4. Februar 2026, vertikale Integration und Bedeutung der Joint-Venture-Produktion: https://quantum-systems.com/news/quantum-systems-acquires-hacker-motor/
53. Quantum Systems: Finanzierungsrunde über 1,2 Milliarden Dollar, 2. Juli 2026, Kapitalzufluss, Investoren und industrielle Skalierung: https://quantum-systems.com/us/news/quantum-systems-raises-1-2bn-series-d-to-accelerate-growth-and-scale-software-defined-autonomous-systems-across-air-land-and-sea/
54. BMWE zu Quantum Systems und „State as First Customer“, 2. Juli 2026; Zusammenhang staatlicher Nachfrage, Risikoreduktion und privater Finanzierung: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/07/20260702-zitat-reiche-quantum-systems.html
55. Rheinmetall: Joint Venture zur Munitionsproduktion in der Ukraine, 19. Februar 2024, 51 Prozent Rheinmetall, 49 Prozent ukrainischer Partner; geplante sechsstellige Jahresproduktion von 155-mm-Geschossen: https://www.rheinmetall.com/de/media/news-watch/news/2024/02/2024-02-19-joint-venture-in-der-ukraine
56. Rheinmetall: ukrainischer Auftrag für weitreichende 155-mm-Munition, 30. Juni 2026, hoher zweistelliger Millionenbetrag: https://www.rheinmetall.com/de/media/news-watch/news/2026/06/2026-06-30-grossauftrag-rheinmetall-liefert-artilleriemunition-an-ukraine
57. Rheinmetall: Lieferung im Auftrag eines NATO-Staates, 7. Juli 2026, Modell, bei dem ein Partnerstaat den Hersteller auswählt und die Lieferung für die Ukraine finanziert: https://www.rheinmetall.com/de/media/news-watch/news/2026/07/2026-07-07-rheinmetall-liefert-artilleriemunition-in-die-ukraine-finanzierung-durch-einen-nato-staat
58. Helsing: HX-2, entwickelt und getestet auf Grundlage von Erfahrungen in der Ukraine; Verwendung ukrainischer Einsatzerfahrung für KI, Störresistenz und Serienproduktion: https://helsing.ai/de/newsroom/helsing-unveils-intelligent-strike-drone-for-mass-and-precision
59. Helsing: Produktion weiterer 6.000 HX-2 für die Ukraine, Produktionsvolumen, Resilience Factory in Süddeutschland und Zusammenarbeit mit ukrainischer Industrie: https://helsing.ai/de/newsroom/helsing-produziert-weitere-6000-kampfdrohnen-fuer-die-ukraine
60. Helsing: Ausbau des Engagements in der Ukraine, 15. Juli 2026, tausende eingesetzte Systeme, eigene Ukraine-Leitung und direkte Arbeit mit ukrainischen Streitkräften: https://helsing.ai/de/newsroom/andriy-shevchenko-wird-managing-director-ukraine-bei-helsing
61. Helsing und ARX Robotics: KI-basierter Aufklärungs- und Wirkverbund, Übertragung ukrainischer Gefechtserfahrung auf europäische Vernetzung: https://helsing.ai/de/newsroom/helsing-und-arx-robotics-schliessen-strategische-partnerschaft
62. Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung, 22. Juli 2026, mehr als 150 Maßnahmen, erstmals systematische Einbeziehung von Sicherheits- und Verteidigungs-Start-ups: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Publikationen/Wirtschaft/startup-scaleup-strategie-bundesregierung.html
63. Kabinettsbeschluss zur Startup- und Scaleup-Strategie, Zusammenfassung der Ziele, des Kapitalzugangs und der Aufnahme der Verteidigungsindustrie: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/07/20260722-start-up-scale-up-strategie-beschluss.html
64. Zukunftsfonds des Bundes, zehn Milliarden Euro staatliches Ausgangsvolumen; Mobilisierung weiterer öffentlicher und privater Mittel: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Wirtschaft/zukunftsfonds.html
65. Deutschlandfonds und Zukunftsfonds II, zusätzliche Mittel für Deep Tech, Biotechnologie sowie Sicherheit und Verteidigung: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2025/12/20251218-deutschlandfonds-startet-bundesregierung-und-kfw-setzen-deutlichen-impuls.html
66. Bundestagsunterrichtung 21/7450, parlamentarisches Dokument zur Startup- und Scaleup-Strategie:https://dserver.bundestag.de/btd/21/074/2107450.pdf
67. Europäische Kommission: Unterstützung der ukrainischen Verteidigungsindustrie, EDIP-Ukraine-Instrument mit 300 Millionen Euro; Einbindung in die europäische verteidigungstechnologische und industrielle Basis: https://defence-industry-space.ec.europa.eu/support-ukraine_en
68. European Defence Fund, Übersicht zu gemeinsamer Forschung und Entwicklung: https://defence-industry-space.ec.europa.eu/eu-defence-industry/european-defence-fund-edf-official-webpage-european-commission_en
69. European Defence Industry Programme, Rechts- und Programminformationen zu gemeinsamer Beschaffung, Produktionskapazitäten und Ukraine-Instrument: https://defence-industry-space.ec.europa.eu/eu-defence-industry/edip-future-eu-defence-industry-programme_en
70. Ukraine Support Loan 2026–2027, 90 Milliarden Euro, davon indikativ 60 Milliarden für verteidigungsbezogene Beschaffung und 30 Milliarden Budgethilfe: https://defence-industry-space.ec.europa.eu/eu-defence-industry/ukraine-support-loan_en; EDIP – Forging Europe’s Defence (Europäische Kommission): https://defence-industry-space.ec.europa.eu/eu-defence-industry/edip-forging-europes-defence_en
71. Verordnung (EU) 2026/467, Rechtsgrundlage für das Ukraine Support Loan: https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2026/467/oj
72. Europäische Kommission: Finanzierungspaket 2026–2027, 14. Januar 2026, Aufteilung und Ziel der engeren Integration ukrainischer Industrie: https://enlargement.ec.europa.eu/news/commission-presents-financial-support-package-ukraine-2026-2027-2026-01-14_en
73. Europäische Kommission: erste Auszahlung von 3,9 Milliarden Euro für Drohnen, 30. Juni 2026, Vertragsprüfung durch die Kommission und weitere Beschaffungsfelder: https://defence-industry-space.ec.europa.eu/commission-disburses-eur39-billion-drones-under-eur90-billion-ukraine-support-loan-2026-06-30_en
74. Deutsche Fassung zur Drohnenauszahlung, Angabe von bis zu 28,3 Milliarden Euro für ukrainische Verteidigungsindustriekapazitäten im Jahr 2026: https://germany.representation.ec.europa.eu/nachrichten-und-veranstaltungen/pressemitteilungen/ukraine-kommission-stellt-fur-drohnen-39-milliarden-euro-aus-dem-unterstutzungsdarlehn-bereit-2026-06-30_de
75. Ukraine Facility: Dual-Use- und verteidigungsbezogene Investitionen, 15. Juli 2026, Öffnung des Ukraine Investment Framework für entsprechende Projekte: https://enlargement.ec.europa.eu/news/ukraine-facility-unlocks-investment-opportunities-dual-use-and-defence-related-industries-2026-07-15_en
76. NATO: Beziehungen zur Ukraine, Gesamtübersicht zu NSATU, JATEC, Interoperabilität und Beitrittsperspektive: https://www.nato.int/en/what-we-do/partnerships-and-cooperation/relations-with-ukraine
77. NATO Security Assistance and Training for Ukraine, NSATU, Wiesbaden als Hauptquartier, rund 300 Mitarbeiter, Logistikknoten und langfristige Koordination: https://www.nato.int/en/what-we-do/partnerships-and-cooperation/relations-with-ukraine
78. NATO: Unterstützung für die Ukraine, Angaben zu Ausbildung, PURL, Logistik und Beschaffungskoordination: https://www.nato.int/en/what-we-do/partnerships-and-cooperation/natos-support-for-ukraine
79. JATEC – offizielle Darstellung, erste gemeinsame NATO-Ukraine-Organisation innerhalb der NATO-Kommandostruktur; Auswertung ukrainischer Kriegserfahrung: https://www.jatec.nato.int/about/about-jatec/
80. NATO ACT: ein Jahr JATEC, Februar 2026; Einbindung ukrainischer Einsatzerfahrung in die Transformation der NATO: https://www.act.nato.int/article/jatec-one-year/
81. NATO ACT: Eröffnung von JATEC, 17. Februar 2025, Gründungs- und Aufgabenbeschreibung: https://www.act.nato.int/article/nato-ukraine-open-jatec/
82. NATO ACT: DELTA bei CWIX 2024, Prüfung der Interoperabilität, Datenaustausch über mehrere militärische Bereiche und NATO-Standards: https://www.act.nato.int/article/delta-system-cwix/
83. Ukrainisches Verteidigungsministerium: Gründung von CORPUS, 30. April 2026, beteiligte Staaten, Lieferantenprüfung, Compliance und resilienter Einkauf: https://mod.gov.ua/en/news/ukraine-and-partner-countries-establish-corpus-coalition-for-defence-procurement
84. Kleine Anfrage Bundestagsdrucksache 21/7361, EU-Beitritt, assoziierte Mitgliedschaft, Haushaltsfolgen und Artikel 42 Absatz 7 EUV: https://dserver.bundestag.de/btd/21/073/2107361.pdf
85. NATO: Bucharest Summit Declaration, 3. April 2008, Paragraph 23 enthält die Erklärung, Ukraine und Georgien würden Mitglieder der NATO werden: https://www.nato.int/en/about-us/official-texts-and-resources/official-texts/2008/04/03/bucharest-summit-declaration
86. NATO: Ukraine ist Partner, nicht durch Artikel 5 geschützt, Darstellung der geltenden Rechtslage: https://www.nato.int/en/what-we-do/partnerships-and-cooperation/natos-support-for-ukraine
87. Reuters: Saluschnyj sieht keine realistische NATO-Perspektive, 3. August 2026, Absage an einen Beitritt und zur Kritik an NATO-Doktrinen: https://www.reuters.com/world/former-ukrainian-top-commander-sees-no-prospect-kyiv-joining-nato-2026-08-03/
88. The Times: Saluschnyj über den militärischen Rückstand der NATO, ausführlichere Wiedergabe, einschließlich des Vergleichs mit dem Niveau Russlands: https://www.thetimes.com/world/russia-ukraine-war/article/valerii-zaluzhny-ukraine-nato-russia-gv2ts6qgq
90. Zwei-plus-Vier-Vertrag – Bundesregierung, historischer und rechtlicher Rahmen der abschließenden Regelung in Bezug auf Deutschland: https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/deutsche-einheit/unterzeichnung-des-2-4-vertrags-432842
91. Zwei-plus-Vier-Verhandlungen – Bundesregierung, Inhalt, territoriale Reichweite und Übergangsregelungen für das Gebiet der DDR: https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/zwei-plus-vier-verhandlungen-2338426
92. Vertragstext im Bulletin der Bundesregierung: juristische Prüfung von Truppenstationierung, Streitkräftegröße und deutscher Souveränität: https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/vertrag-ueber-die-abschliessende-regelung-in-bezug-auf-deutschland-783966
93. NATO-Russland-Grundakte, 27. Mai 1997, Grundsätze von Kooperation, Zurückhaltung und gegenseitiger Sicherheitsberücksichtigung: https://www.nato.int/en/about-us/official-texts-and-resources/official-texts/1997/05/27/founding-act
94. Vereinte Nationen: zivile Opfer des Konflikts 2014–2021, der bewaffnete Konflikt und zivile Opfer bestanden lange vor Februar 2022: https://ukraine.un.org/en/168060-conflict-related-civilian-casualties-ukraine
95. OSZE: Minsk-Protokoll und Maßnahmenpaket, vorgesehene politische und militärische Konfliktregelung: https://www.osce.org/home/123257; https://www.osce.org/cio/140156
96. Angela Merkel im Zeit-Interview, Dezember 2022, Aussage, das Minsker Abkommen habe der Ukraine Zeit verschafft:https://www.zeit.de/2022/51/angela-merkel-russland-fluechtlingskrise-bundeskanzler
97. François Hollande zur Wirkung der Minsker Vereinbarungen, Abkommen Zeit für den militärischen Aufbau der Ukraine geschaffen hätten: https://www.kyivpost.com/post/824; https://digitallibrary.un.org/record/788380
98. NATO: Entwicklung der Zusammenarbeit mit der Ukraine seit 2014, Ausbildung, Reformprogramme und die schrittweise Annäherung an Bündnisstandards: https://www.nato.int/en/what-we-do/partnerships-and-cooperation/relations-with-ukraine
99. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Vorbereitung eines möglichen modernen Zivildienstes und Abfrage bei 23 Verbänden, August 2026: https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/Politik__Inland_/article6a71df6dcc46967c04cae8bd/rueckkehr-zum-zivildienst-warum-sozialverbaende-nicht-jubeln.html
100. dpa, 4. August 2026: „Bundesregierung trifft Vorkehrungen für möglichen neuen Zivildienst.“: https://www.bmfsfj.de/; https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/Politik__Inland_/article6a71df6dcc46967c04cae8bd/rueckkehr-zum-zivildienst-warum-sozialverbaende-nicht-jubeln.html
101. Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben: Statistik zu den Anträgen auf Kriegsdienstverweigerung 2024 bis 2026 beziehungsweise entsprechende Angaben der Bundesregierung: https://www.bafza.de/rat-und-hilfe/kriegsdienstverweigerung-kdv; https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/kriegsdienstverweigerung-anstieg-100.html
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Dieser Beitrag erschien zuerst am 5. August 2026 auf globalbridge.ch.
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