Eine Jugendbande hat in Wien-Döbling Schüler bedroht, verfolgt und ausgeraubt. Die Haupttäter sind Afghanen. 2015 kamen sie mit ihren Familien als Kleinkinder nach Österreich. Jetzt bezeichnete der Staatsanwalt sie als „Intensivtäter“. Am Ende gab es maximal 15 Monate Haft. 2015 suchten ihre Familien Schutz in Österreich. Damals waren die Buben noch Kleinkinder. Heute, gut zehn Jahre später, standen sie in Wien vor Gericht – als verurteilte Mitglieder einer Jugendbande, die Schüler in Wien-Döbling in Angst versetzte. Laut Krone sprach der Staatsanwalt im Wiener Landl von „Intensivtätern“. Auf der Anklagebank saßen acht Jugendliche: sieben Buben und ein Mädchen. Sie waren erst 14 bis 15 Jahre alt. Der Großteil hat demnach afghanische Staatsbürgerschaft. Einer der Angeklagten, Jahrgang 2011, hatte bereits drei Vorstrafen – darunter eine wegen Vergewaltigung. Heiligenstadt ist für viele Wiener vor allem ein Pendlerknoten. Jetzt rückt die Umgebung wegen Raubfällen mit sehr jungen Verdächtigen in den Fokus.APA/TERESA ZOETL Opfer hatten Angst vor der Gruppe Die Bande machte offenbar nicht vor Schulen halt. Kinder und Jugendliche wurden bedroht, verfolgt und ausgeraubt. Ein Opfer sagte bei der Polizei: „Viele Kinder haben Angst und melden Vorfälle erst gar nicht, obwohl täglich etwas passiert.“ Auch Waffen sollen eine Rolle gespielt haben. Unter Schülern sei bekannt gewesen, dass die Gruppe mit Messern und Schlagringen unterwegs ist, berichtete ein weiteres Opfer, laut Krone. Bis ins Lehrerzimmer verfolgt Besonders drastisch: Ein Opfer wurde bis zum Lehrerzimmer verfolgt. Pädagogen sperrten die Tür zu. Die Jugendlichen traten dagegen und verlangten die Herausgabe des Schülers. Auch bei der U-Bahn-Station Heiligenstadt kam es zu einem Raub. Dort trommelte ein Angeklagter laut Gerichtsbericht Mittäter mit den Worten zusammen: „Hier sind zwei Patienten.“ Der Richter fragte nach. Gemeint waren zwei Menschen, „die man abziehen kann“, sagte der Angeklagt. Und „abziehen“ heiße: „Na, ausrauben.“ Polizei meldete weitere Raubfälle in Döbling Dass Döbling zuletzt wiederholt Schauplatz von Raubfällen mit sehr jungen Verdächtigen war, zeigen auch offizielle Polizeimeldungen. Mitte Jänner wurde ein 14-jähriger Schüler nach dem Verlassen seiner Schule in Döbling von zwei Jugendlichen angesprochen, geschlagen, mit dem Umbringen bedroht und seiner Jacke beraubt. Die Verdächtigen waren 14 und 13 Jahre alt. Der strafmündige Jugendliche wurde festgenommen und in eine Justizanstalt gebracht. Ende März kam es im Bereich Bahnhof Heiligenstadt erneut zu einem Raubfall. Zwei Freunde, 13 und 15 Jahre alt, wurden von vier Jugendlichen angesprochen. Einer forderte Bargeld, ein anderer schlug dem 15-Jährigen laut Polizei mit der Faust ins Gesicht. Drei Verdächtige waren 14 oder 15 Jahre alt, ein weiterer war zum Tatzeitpunkt strafunmündig. Masche mit strafunmündigen Kindern Die Staatsanwaltschaft berichtete: Bei den Taten seien immer wieder Kinder unter 14 Jahren dabei gewesen. Sie sind noch strafunmündig. Die Masche sei dabei immer dieselbe gewesen: Die Älteren hätten den Jüngeren die Schuld zuschieben können. Polizei im Gerichtssaal Auch im Gericht war die Lage angespannt. Zwei Polizisten standen vor dem Saal, zwei weitere im Saal. Dazu kamen mehrere Justizwachebeamte. Am Freitagabend fielen die milden Urteile. Der Erstangeklagte erhielt ein Jahr teilbedingt. Ein 15-Jähriger wurde zu 15 Monaten unbedingter Haft verurteilt. Zusätzlich wurden bei ihm acht bedingt nachgesehene Monate aus einer früheren Strafe widerrufen. FPÖ fordert Sicherheitsgipfel Die Lage in Döbling ist längst ein politisches Thema. Die FPÖ Döbling warnte im April vor zunehmenden Übergriffen und Raubdelikten durch Jugendliche, besonders rund um den Bahnhof Heiligenstadt. Klubobmann Michel Eischer forderte einen Sicherheitsgipfel für den Bezirk. Für die Opfer ist der Fall damit nicht nur eine Gerichtsakte. Es geht um Schulwege und U-Bahn-Stationen. Vor allem: Warum müssen Kinder in Wien Angst vor anderen Kindern haben? Selbst nach den Urteilen bleibt die Sorge: Was passiert, wenn die Täter wieder zurück sind?