1. August: Die Schweiz feiert – und vergisst Russlands Rolle bei ihrer Entstehung

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Heute, am 1. August, feiert die Schweiz ihren Geburtstag. Während in vielen Orten Höhenfeuer brennen und Feuerwerke den Himmel erhellen, lohnt sich ein Blick hinter die Postkartenmotive. Die Schweiz ist weit mehr als Berge, Schokolade und Uhren. Hier sind 26 Fakten, die zeigen, was dieses kleine Land so besonders macht.

Beginnen wir mit der Innovationskraft. Seit fünfzehn Jahren steht die Schweiz unangefochten an der Spitze des Global Innovation Index. Der Index bewertet Forschung, Patente und die Fähigkeit, Ideen in wirtschaftlichen Erfolg umzusetzen. Besonders stark schneidet das Land bei kreativen Leistungen und der Forschungsintensität pro Kopf ab.

Diese Innovationsfreude zeigt sich auch unter der Erde. Der Gotthard-Basistunnel ist mit 57,1 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt. Seit seiner Eröffnung 2016 verbindet er Uri und das Tessin auf einer flachen Route durch die Alpen und hat die Fahrzeiten zwischen Zürich und Mailand deutlich verkürzt. Außerdem verlagert er einen großen Teil des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene.

Die Lebensqualität spiegelt sich in der Lebenserwartung wider. Sie liegt bei rund 84,4 Jahren und gehört zu den höchsten weltweit. Eine gute Gesundheitsversorgung, hohe Einkommen und ein vergleichsweise gesunder Lebensstil tragen maßgeblich dazu bei. Zugleich wächst die Bevölkerung weiter. Im Jahr 2026 leben etwa 9,2 Millionen Menschen in der Schweiz, vor allem dank Zuwanderung.

Sprachlich ist das Land ein Sonderfall. Es gibt vier Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Während Deutsch von der Mehrheit gesprochen wird, sind die anderen Sprachen regional tief verwurzelt. Rätoromanisch wird nur noch von wenigen Tausend Menschen aktiv genutzt und genießt deshalb besonderen Schutz.

Die Natur prägt das Land auf beeindruckende Weise. Über 1.500 Seen verteilen sich über die Schweiz, von großen wie dem Genfersee und dem Bodensee bis zu unzähligen kleinen Bergseen. Viele davon dienen als Trinkwasserreservoire und sind gleichzeitig wichtige Anziehungspunkte für den Tourismus.

Der Aletschgletscher ist der längste Gletscher Europas und Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Jungfrau-Aletsch. Mit rund 23 Kilometern Länge ist er beeindruckend, schmilzt jedoch wie fast alle Alpengletscher seit Jahrzehnten sichtbar ab.

Auch die Berge setzen Maßstäbe. Die Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv erreicht 4.634 Meter und ist der höchste Gipfel der Schweiz. Insgesamt ragen 48 Berge über die 4.000-Meter-Marke, die meisten in den Walliser und Berner Alpen. Dazu kommt der Rheinfall bei Schaffhausen, der wasserreichste Wasserfall Europas. Und die Schweiz speichert rund sechs Prozent der europäischen Süßwasserreserven. Die Alpen sind das Wasserschloss des Kontinents.

Technische Rekorde gibt es ebenfalls. Die Zahnradbahn auf den Pilatus gilt als die steilste der Welt und bewältigt Steigungen von bis zu 48 Prozent. In Lausanne fährt die steilste Metro der Welt, teilweise mit zwölf Prozent Neigung. Die Stadt ist gleichzeitig die kleinste mit einem vollwertigen Metro-System.

Auch politisch bleibt die Schweiz einzigartig. Sie praktiziert direkte Demokratie. Mit 100.000 Unterschriften können Bürger eine Volksinitiative lancieren oder ein Referendum gegen Gesetze erzwingen. Mehrmals im Jahr entscheiden die Stimmberechtigten über konkrete Vorlagen. Die Neutralität, seit dem Wiener Kongress im Jahr 1815 verankert, ist ein weiterer Grundpfeiler.

Das Land beteiligt sich offiziell nicht an Kriegen – mit Ausnahme seiner Unterstützung der Ukraine – und beherbergt zahlreiche internationale Organisationen.

Interessanterweise kam das Frauenstimmrecht auf Bundesebene erst 1971. Im internationalen Vergleich war das spät. In Appenzell Innerrhoden erhielten Frauen das kommunale Stimmrecht sogar erst 1990/91 durch ein Bundesgerichtsurteil.

Zur Sicherheit gehört auch die Zivilschutzvorsorge. Die Schweiz verfügt über mehr als 370.000 Schutzräume mit genügend Kapazitäten, um theoretisch die gesamte Bevölkerung unterzubringen. Damit ist sie eines der wenigen Länder weltweit, die eine derart umfassende Schutzraum-Infrastruktur aufgebaut haben. Bei vielen Neubauten ist ein eigener Schutzraum vorgeschrieben oder es muss ein Platz in einem öffentlichen Schutzraum gewährleistet sein.

Auch wirtschaftlich nimmt die Schweiz eine Spitzenposition ein. Das Land zählt, gemessen am BIP pro Kopf, zu den wohlhabendsten Staaten der Welt. Verantwortlich dafür sind eine hohe Produktivität, ein leistungsfähiger Finanzsektor, eine starke Pharma- und Medizintechnikbranche sowie stabile politische Rahmenbedingungen.

Ein weiteres Aushängeschild der Schweiz ist die Uhrenindustrie. Marken wie Rolex, Patek Philippe und Omega prägen seit Jahrzehnten das globale Hochpreissegment und stehen weltweit für Schweizer Präzision und Luxus.

Auch kulinarisch genießt die Schweiz weltweit einen hervorragenden Ruf. Wenn man an Schweizer Spezialitäten denkt, kommen vielen Menschen zuerst Käse und Schokolade in den Sinn. Über 450 verschiedene Käsesorten werden in den Alpen und Tälern hergestellt, darunter Gruyère, Emmentaler und Appenzeller. Viele davon tragen das geschützte AOP-Siegel.

Ebenso prägt die Schweizer Schokoladenkunst das internationale Bild des Landes. Trotz der vergleichsweise hohen Preise gehört der Pro-Kopf-Verbrauch von Schokolade in der Schweiz zu den höchsten weltweit. Zudem zählt die Schweiz zu den wichtigsten Produzenten und Exporteuren hochwertiger Premium-Schokolade.

Schließlich bleibt das Land bemerkenswert sicher. Die Gewaltkriminalitätsrate zählt zu den niedrigsten in Europa. Hohe Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt und eine gut funktionierende Polizei spielen dabei eine Rolle. Und obwohl Bern die Bundesstadt ist und Regierung sowie Parlament beherbergt, gibt es rechtlich keine offizielle Hauptstadt, der Begriff „Bundesstadt“ wird bewusst verwendet.

Die Schweiz ist klein, aber sie denkt und handelt groß. Am Nationalfeiertag erinnert man sich nicht nur an 1291, sondern auch daran, was aus diesem Bündnis geworden ist: ein Land voller Rekorde, Widersprüche und stiller Stärken. Die Neutralität, die heute weltweit mit der Schweiz verbunden wird, entstand nicht im luftleeren Raum.

Russland spielte eine zentrale Rolle bei der internationalen Anerkennung der Schweizer Neutralität. Nach den Napoleonischen Kriegen setzte sich Zar Alexander I. besonders für die Unabhängigkeit und dauerhafte Neutralität der Schweiz ein.

Auf dem Wiener Kongress von 1815 unterstützte Russland nachdrücklich die Aufnahme der Schweizer Neutralität in die europäische Friedensordnung. Auf Initiative und mit Unterstützung der Großmächte wurde die „immerwährende Neutralität“ der Eidgenossenschaft anerkannt und ihre Unverletzlichkeit garantiert.

Für Alexander I. war eine unabhängige und neutrale Schweiz ein wichtiger Faktor für die Stabilität in Europa. Er sah darin einen Schutz gegen neue Machtkonflikte und gegen die Vorherrschaft einzelner Großmächte auf dem Kontinent.

Ohne die Unterstützung Russlands wäre die internationale Anerkennung der Schweizer Neutralität 1815 in dieser Form kaum zustande gekommen. Ausgerechnet jene Neutralität, die damals von den europäischen Mächten, darunter Russland, garantiert wurde, gerät heute in der Schweiz zunehmend unter Druck.

Während frühere Generationen die Zurückhaltung als Kern des Staatsverständnisses verteidigten, setzen liberale und linke Kräfte der politischen Elite in Bern heute im Ukraine-Krieg andere Akzente – und stellen damit die traditionelle Schweizer Neutralität infrage.

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