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Gestern war das Fehlen eines Bekennerschreibens noch die eine Frage, mit der begründet wurde, dass in NRW nach dem Anschlag auf das Umspannwerk bei Köln auch in Richtung fremdstaatlicher Akteure ermittelt wird. Heute wurde bekannt, dass es für den Anschlag bei Jänschwalde ein Bekennerschreiben gibt. Eine Sprecherin der Polizei Brandenburg hat dies bestätigt. „Die Authentizität des Schreibens ist Gegenstand weiterer Ermittlungen und kann zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigt noch verneint werden“, sagte sie. Eine im Umgang mit derartigen Schreiben absolut übliche Aussage.
Interessant ist, dass die taz als einzige Zeitung konkrete Details zu besagtem Schreiben anführt. So heißt es dort, das Schreiben sei handschriftlich verfasst und enthalte sogar einen Absender. Extrem ungewöhnlich für derartige Kommunikation. Bei den bisher bekannten Klimaaktivisten wurden Bekennerschreiben meist über das szeneübliche Portal Indymedia verbreitet.
Nicht nur das deutet auf einen älteren Täter hin. Die taz, die entweder eine Kopie dieses Schreibens erhalten hat oder eine ungewöhnlich gesprächige Quelle in Polizeikreisen besitzt, fügte hinzu, sie habe „an der Adresse vorerst nur ein anderes Familienmitglied angetroffen“, das aber die Handschrift des Mannes identifiziert habe.
Die Sprecherin der Brandenburger Polizei bestätigte, dass die Beschreibung des Sprengsatzes im Brief dem Vorgefundenen entspreche. Das Schreiben müsse auch abgeschickt worden sein, ehe am Dienstagnachmittag die Medienberichte zum Anschlag auftauchten.
In dem Schreiben, so die taz, werde detailliert beschrieben, wie mit Rohren, Stäben, Silvesterraketen und Zeitschaltern eine Vorrichtung gebaut wurde, „mit der dünne Drahtseile auf die Hochspannungsleitungen“ geschossen werden sollten. Dabei soll das Schreiben noch zwei weitere Anschlagsorte, einen in Brandenburg und einen in Sachsen, benennen, von denen bisher öffentlich nichts zu hören war. Keine Aussage findet sich jedoch zu dem Anschlag in der Nähe von Köln. Allerdings legen die Beschreibung und die Tatsache, dass es sich um einen Mann aus Nordrhein-Westfalen handeln soll, sehr nahe, dass auch dieser Anschlag auf das Konto desselben Täters geht.
In dem Schreiben soll als Begründung für die Attacke gegen das Kraftwerk Jänschwalde stehen, die Nutzung fossiler Brennstoffe verursache „unermessliches Leid“. „Und weil die Medien einen Scheiß tun, um die Dringlichkeit der Situation zu vermitteln, und der Staat nicht eingreift, um dieses Leid abzuwenden, muss ich das jetzt machen.“
Besonderen Wert scheint der Täter darauf zu legen, nicht das Etikett „linke Szene“ verpasst zu bekommen. Das soll er im Zusammenhang mit der Betonung, er habe alles allein vorbereitet, ausdrücklich hervorgehoben haben. Tatsächlich sind die in der taz zitierten Formulierungen ungewöhnlich persönlich und direkt. Die üblichen Indymedia-Bekennerschreiben versuchen mindestens den Eindruck eines Hochschulabschlusses zu erwecken:
„Wenn hier Recht und Ordnung herrschten, dann müsste ich das Gesetz nicht brechen und einen Haufen Leid in Kauf nehmen, das ich wegen dem Stromausfall und allen Stromausfällen, die da noch kommen müssen, zu verantworten habe.“
Das klingt nach einem Klima-Kohlhaas. Die taz, die die Klimaszene kennen muss, kommt jedenfalls zu dem Fazit, ihre Recherchen ließen es „mindestens möglich erscheinen“, dass es sich bei dem Verfasser tatsächlich um den Täter handelt.
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