Berlin nach der Amokfahrt: „Nun sind sie halt da“ – die tickenden Zeitbomben

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Von Bernhard Loyen

Der mutmaßlich islamistische Anschlag am spätabendlichen Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin „versetzt Deutschland in Schockstarre“, behauptet ein Redakteur des SPD-nahen RedaktionsNetzwerk Deutschland an Tag zwei nach der Amokfahrt eines in Berlin geborenen Deutsch-Libanesen. 

Mit den nachweislich landesweiten tödlichen Ereignissen der vergangenen Tage, Wochen und Monate müssten sich demnach allein für das laufende Jahr 2026 die Bürger in einer Art Dauerschockstarre befinden (?).

„Jetzt aber bitte nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen“, mag sich manch Leser innerlich echauffieren, denn die finale Tötungsabsicht eines psychisch labilen, traumatisierten Neubürgers – Täters – mit Migrationshintergrund darf nun mal überhaupt nicht derselben Statistik und damit derselben Realität zugerechnet werden wie der mutwillig verübte „islamistische Anschlag“ des in der Hauptstadt geborenen Abdul B.

Ist dem so? Es wird aber auch immer komplizierter mit den Zuordnungen, Rechtfertigungen, Belehrungen und Darlegungen zu deutschen Alltagsrealitäten. Es folgt daher die hohe offizielle Einschätzung und Zusammenfassung von Bundeskanzler Friedrich Merz, aus seiner Rede anlässlich des Gedenkgottesdienstes am 26. Juli in Berlin nach dem CSD-Anschlag mit einer Toten und 29 Verletzten:

„Ich möchte aber auch ein sehr persönliches Wort an die queere Community richten. Meine Damen und Herren, nicht erst ein solcher Anschlag wie gestern Abend gefährdet unsere Freiheit. Intoleranz, Ausgrenzung, Diskriminierung, dumme Redensarten, schlechte Witze sind bereits Teil einer solchen Gewalt ‒ nicht erst das, was wir gestern Abend erlebt haben, und das, was Sie erleben mussten.“

Laut Videoaufzeichnung erfolgte bestätigender Applaus der Anwesenden.

Der Kanzler verspricht weiter wörtlich:

„Ich möchte Ihnen etwas zurufen: Wir, die Vertreter der staatlichen Institutionen, werden alles tun, um die Freiheit unseres Landes und unserer Gesellschaft zu schützen ‒ alles.“ 

„Weiterhin schützen“ wäre auch anmaßend formuliert gewesen, daher ab jetzt der Schutz der Bürger also unverzüglich? Es erfolgten diverse erwartbare, gewohnt unglaubwürdige, teils erkenntnisreiche politische Erklärungen und Kommentare am Tag nach der Todesfahrt. „Die queere Community hat Angst“, gaben die CSD-Organisatoren am Tag vor dem bunten Treiben in Berlin zu Protokoll, dies jedoch rein bezogen auf die „Umfragewerte der AfD“. 

Diese Wahrnehmung wollte die ntv-Reporterin Doro Steitz unmittelbar auch nach der Amokfahrt den Zuschauern noch einmal nachdrücklich in Erinnerung rufen:

„Die queere Community fühlt sich natürlich vor allen Dingen von rechten Kräften bedroht.“

Noch-Bürgermeister Wegner gab berechenbar inhaltsleer zu Protokoll:

„Berlin ist die Stadt der Freiheit ‒ und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden.“

Berlin, exemplarisch für die Gegenwart, eine Stadt zunehmend radikalerer Wahrnehmungen diverser religiös-politischer Gruppierungen ‒ von A wie Antifa über I wie Islamisten zu L, der LGBTQ+was auch immer-Fraktion, bis Z wie Zionisten. Seit an Seit im aggressiveren Bemühen, sich irgendwie nebeneinander ‒ wie auch immer, zur Not eben mit Gewalt ‒ zu arrangieren.

Dabei mittendrin die Normalbürger, die Restberliner, die dann in der regelmäßigen optischen Nötigung im Alltag seitens Senatsunternehmen auch noch zusätzlich herausgefordert werden sollen.

Der Berliner SPD-Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (Bruder von Luigi Pantisano, dem neuen Co-Chef der Linken) erklärte dann noch abschließend krönend und betriebsblind im RBB-Interview rundum totalitäre Islamisten zu einer Untergruppe der „Konservativen“. Auf die Frage, ob auch weiterhin „vor allem von konservativen Kräften, von Rechtsextremen, von Neonazis“ die größte Gefahr für queere Mitbürger ausgehe, lautete die Antwort:

„Ja, weil unter konservativen Kräften ich auch alle religiösen Gruppen mit dazu zähle, die alle ein Problem mit uns haben. Und Islamisten gehören da dazu. Wir haben ein Problem mit einigen [sic!] Menschen im Islam, die all das, was wir leben, verteufeln. Das haben wir an ganz vielen anderen Religionen leider halt eben auch.“ 

„Man kann Nachahmer nicht ausschließen“, warnte daher auch CSU-Innenminister Dobrindt nach dem Anschlag des konservativen Islamisten. Die Bild-Redaktion schickte Mitarbeiter Ufuk Uçta in den Ortsteil Berlin-Tiergarten, um ihn dort Nachbarn des Amokfahrers aufsuchen zu lassen und erhoffte Aussagen herauszukitzeln. Die Schlagzeile lautete wie bestellt:

„Nachbarin von CSD-Terrorist: In diesem Viertel sind alle radikal.“

Da könnte ich ergänzend als Bewohner im selben Bezirk mit Anekdoten anderer Radikaler aufwarten (Grüne 2025: 25,3 Prozent), ist aber nicht das heutige Thema. Eine dringlichere Frage lautet daher: War der mittlerweile erschossene Abdul Ballout überhaupt der Täter? Laut ARDTagesschau wurde nämlich zuvor „noch in diesem Monat, am 3. Juli 2026, die Wohnung von Abdul B. in Berlin-Schöneberg durchsucht„, so die Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Berlin.

Ein SpiegelArtikel bestätigt wiederum die Arbeit der Bild-Redaktion, da Ballout demnach laut dem Vater ‒ der mal eben im Libanon unkompliziert telefonisch erreichbar war ‒ „mit seiner Mutter und zwei seiner drei Schwestern unweit des Landwehrkanals in einem grauen Mehrfamilienhaus lebte“. Der Kanal verläuft durch mehrere Berliner Bezirke, darunter auch durch den Ortsteil Tiergarten im Bezirk Berlin-Mitte.

Bei der Berliner Anis Amri-Amokfahrt wurde nach dem Anschlag am 19. Dezember 2016 im Tat-Lkw eine Geldbörse samt Duldungsbescheinigung als belastendes Ausweisdokument sowie ein Handy förderlich entdeckt. Zehn Jahre später lautet nun die (Geheimdienst-)Variante:

„Die Spur zu Ballout war schnell heiß: Ermittler fanden sein Handy im Wrack.“

Die Parzelle des Kleingartenvereins Burgwallschanze in Spandau, wo der frisch Ermittelte final erschossen wurde, soll zudem vom Vater angemietet worden sein. Dazu heißt es jedoch aktuell bei T-Online:

„Der Vereinsvorsitzende dementiert im Gespräch mit t-online zudem Medienberichte, wonach die Parzelle dem Vater des mutmaßlichen Attentäters gehören soll. ‚Das ist falsch‘, so der 56-Jährige. Er kenne die Pächterin, diese habe nach seinem Wissen nichts mit der Familie B. zu tun. Es gebe in der gesamten Anlage keinen Pächter mit dem Namen B., betont Barthel.“

Die Welt-Redaktion kontert demgegenüber mit der Information, dass „nach Angaben des Nachbarn in der Parzelle gegenüber Abdul B. in der Anlage kein Unbekannter war“. Man habe ihn dort „immer wieder gesehen, allerdings nicht regelmäßig“. 

Es heißt also wieder einmal zum Thema eines islamistischen Terroranschlags, samt widersprüchlichen Medienberichten: „Amoktäter tot, Klappe zu“, oder kritisch vorahnend zu möglichen ähnlichen Dynamiken, wie zuvor im Jahr 2017:

„Schwere Mängel bei Anis Amri Ermittlung: Schlamperei, Vertuschung, Manipulation. Der Terroranschlag mit zwölf Toten am Berliner Breitscheidplatz hätte verhindert werden können. Zu diesem Ergebnis kommt der Sonderermittler in seinem Bericht: Behördenversagen, Schlampereien und grobe Fehler bei den Sicherheitsbehörden seien dafür verantwortlich.“

Die Zeit titelte daher am Sonntag bereits wenig überraschend zusammenfassend: „Alle wussten, dass er ein Extremist ist“, aber erneut wurde demnach „nicht konsequent“ verhindert, was laut Status quo der Behörden hätte verhindert werden müssen.

Ex-Kanzlerin Merkel wird die lapidare Belehrung aus einer Fraktionssitzung der Union im Jahr 2015 zugeschrieben:

„Ist mir egal, ob ich schuld am Zustrom der Flüchtlinge bin, nun sind sie halt da.“

Die Correctiv-Redaktion recherchierte dazu, dass das Zitat laut Journalisten „von Teilnehmern der Fraktionssitzung so wiedergegeben wurde, ob es stimmt, lässt sich aber nicht verifizieren“. Sie wird es genauso gesagt haben.

„Nun sind sie halt da“, die tickenden islamistischen Zeitbomben in Deutschland. Ob illegal eingewandert oder legal mit Regierungshilfe aus dem fernen Afghanistan eingeflogen, ob zu remigrierender Neubürger oder zu erduldender Migrationsdeutscher samt therapeutischen „Deradikalisierungsgesprächen“ ‒ „sie“ sind da, verteilt auf das Land, samt individuellem, unbekanntem Zeitzünder.

Die Bürger können sich den Realitäten im Land mittlerweile so weit nur noch fügen, also abwarten, was hoffentlich nicht passiert. Adaptiert könnte jedoch auch manch Bürger mit letzter Hoffnung denken, dabei mit Blick auf die kommenden Landtagswahlen:

„Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich darauf.“

Mehr zum Thema ‒ Das Verfassungsgericht und die Aufnahmeerklärung: Die seltsamen Pfade des zweiten Senats

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