Crash-Risiko enorm: Tech-Konzern Oracle ist hochverschuldet

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Diese Woche beherrschten an den Börsen vor allem zwei Themen die Schlagzeilen: die Eskalation im Iran-Konflikt und die wachsende Sorge um Oracle.

Während die Eskalation im Iran-Konflikt den Ölpreis nach oben und die Aktienkurse zeitweise nach unten trieb, stand bei vielen Anlegern ein ganz anderes Problem im Vordergrund, nämlich die Finanzlage von Oracle. Das Unternehmen hat unter den großen KI-Konzernen derzeit das höchste Finanzierungsrisiko, eine Insolvenz droht aber nicht, zumindest nicht in diesem Jahr.

Oracle hat hohe Schulden, gibt deutlich mehr Geld aus als es einnimmt und hängt stark von wenigen Großkunden ab, vor allem von OpenAI. Gleichzeitig wächst das Unternehmen weiter kräftig und sitzt auf einem rekordhohen Auftragsbestand. Trotzdem steht es unter den großen Anbietern von KI-Rechenzentren am stärksten unter Druck.

Oracle baut Rechenzentren so schnell wie noch nie. Die Investitionen in neue Anlagen und Server lagen im Geschäftsjahr 2026 bei rund 55,7 Milliarden Dollar und damit deutlich über den geplanten 50 Milliarden. Für das laufende Jahr 2027 rechnet das Unternehmen mit eigenen Ausgaben von etwa 70 Milliarden Dollar. Brutto könnten es sogar 90 bis 95 Milliarden werden, wobei ein Teil davon durch Vorauszahlungen von Kunden gedeckt wird.

Um das zu bezahlen, hat Oracle bereits 2026 rund 43 Milliarden Dollar an neuen Schulden und 5 Milliarden Dollar über Aktienverkäufe aufgenommen. Für 2027 plant das Unternehmen weitere rund 40 Milliarden Dollar an frischem Geld, wieder über Schulden und Aktien. Der Free Cashflow, also das Geld, das nach allen Ausgaben übrig bleibt, lag 2026 bei minus 23,7 Milliarden Dollar. Die Ratingagentur S&P erwartet für 2027 sogar ein Defizit von fast 42 Milliarden Dollar.

S&P hat Oracle am 9. Juli 2026 herabgestuft. Die Bonität fiel von BBB auf BBB-. Das ist die letzte Stufe der guten Kreditwürdigkeit. Eine weitere Herabstufung würde Oracle in den Ramschbereich bringen.

Dann würden neue Kredite deutlich teurer. S&P begründet den Schritt mit den riesigen KI-Investitionen, die das bisher solide Risikoprofil belasten. Die Verschuldung im Verhältnis zum Gewinn dürfte in den nächsten zwei Jahren hoch bleiben. Zusätzliche langfristige Mietverträge über rund 260 Milliarden Dollar drücken weiter auf die Bilanz.

S&P sieht ein großes Risiko in der Abhängigkeit von OpenAI. Rund die Hälfte des gesamten Auftragsbestands von 638 Milliarden Dollar entfällt auf den ChatGPT-Entwickler. Oracle baut eigens große Rechenzentren für OpenAI.

Wenn OpenAI Projekte verschiebt, weniger Leistung abruft oder Schwierigkeiten hat, zu zahlen, könnte Oracle auf teuren und nur schwer weiterzuvermietenden Rechenzentren sitzen bleiben. OpenAI selbst macht weiterhin Verluste und braucht ständig neues Geld von Investoren.

Die Stimmung an den Märkten hat sich verändert. Vor einem Jahr fragten Anleger vor allem, wer das KI-Rennen gewinnt. Heute geht es eher darum, ob überhaupt jemand genug verdient, um diese gewaltigen Investitionen zu rechtfertigen. Die fünf großen Anbieter Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle geben für neue Rechenzentren deutlich mehr aus, als sie aktuell an operativem Cashflow verdienen. Auf jeden zusätzlichen Dollar Gewinn kommen inzwischen mehr als 1,5 Dollar neue Investitionen. Auch bei den stärkeren Konzernen wird der Geldüberschuss knapper oder rutscht teilweise ins Minus.

Microsoft hat die beste Bonität, AAA, große Geldreserven und kaum Netto-Schulden. Auch Alphabet und Amazon stehen finanziell deutlich robuster da.

Oracle hat eine höhere relative Verschuldung, finanziert den Ausbau aggressiv über Kredite und Aktienverkäufe und besitzt ein im Vergleich kleineres Cloud-Geschäft. S&P geht davon aus, dass Oracle bei einem Rückgang der KI-Nachfrage stärker getroffen würde als die anderen, weil es stärker von externen Kunden abhängt und weniger Spielraum hat, einfach mehr Geld auszugeben.

Viele vergleichen die Lage mit früheren Technologiebooms, etwa dem Eisenbahnboom im 19. Jahrhundert oder dem Internetboom der späten 1990er-Jahre. Hunderte Milliarden Dollar fließen in neue Rechenzentren. Niemand weiß sicher, ob die Nachfrage dauerhaft so hoch bleibt. Günstigere KI-Modelle, auch aus China, könnten die Preise drücken. Wenn sich die Erträge verzögern, könnten sich viele Projekte als weniger rentabel erweisen als erhofft. Konzerne wie Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta bleiben hochprofitabel und haben starke Bilanzen. Das eigentliche Risiko liegt nicht darin, dass KI scheitert, sondern darin, dass vorübergehend zu viel Kapazität aufgebaut wird.

Es ist also nicht so, dass Oracle in einer akuten Finanzkrise stecken würde. Das Unternehmen wächst weiter, der Auftragsbestand ist so hoch wie nie und die Nachfrage nach KI-Rechenleistung ist real. Allerdings gehört Oracle derzeit eben zu den am stärksten fremdfinanzierten KI-Unternehmen. Die Mischung aus hohen Schulden, negativem Free Cashflow, einer Bonität nur knapp über dem Ramsch-Niveau und der starken Abhängigkeit von OpenAI macht es deutlich anfälliger als Microsoft, Amazon oder Alphabet.

Sollte der KI-Boom also schwächer ausfallen oder die Erträge später kommen als erwartet, dürfte Oracle unter den großen Anbietern am stärksten betroffen sein.

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