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Ein Meinungsbeitrag von Thomas Fiedler.
In meinem letzten Artikel mit dem Titel „Die Wirklichkeit zu Ende denken“ beschrieb ich wesentliche Aspekte einer spirituellen Sicht auf die Wirklichkeit. Der Autor Dirk Ellerbrock verfasste daraufhin einen Artikel mit dem Titel „Die Falle der Spaltung“, welcher auf einige Punkte meines Artikels eingeht und eine Gegenargumentation aufbaut.
Bevor ich auf die Argumente des Autors eingehe, möchte ich etwas Grundsätzliches zur Methodik philosophischer Betrachtungen zu bedenken geben. Es ist müßig, Aussagen aus einem philosophischen Gebäude herauszulösen und in einem anderen zu bewerten, insbesondere wenn die Grundannahmen beider Philosophien unterschiedlich sind. Diese Herangehensweise führt immer zum Ergebnis der augenscheinlichen Falsifizierung der betrachteten Aussage, denn sie stammt ja nicht aus dem philosophischen Gebäude, innerhalb dessen sie bewertet wird. Sprich, eine Aussage aus dem Theismus im Gebäude des Atheismus zu bewerten, ist schlicht sinnlos. Genau so ist es auch umgekehrt. Leider durchzieht dieser Fehler den gesamten Artikel des Autors, was zu entsprechenden Fehleinschätzungen führt, die im Folgenden betrachtet werden sollen.
Möchte man die Plausibilität einer Philosophie erkunden, so kann dies sinnvollerweise nur innerhalb derselben erfolgen. Sieht man sich in der Lage, die Grundannahmen der zu betrachtenden Philosophie – zumindest theoretisch – annehmen zu können, so erörtert man dann die Plausibilität des philosophischen Gebäudes, welches auf diesen Grundannahmen errichtet ist.
I. Objektivität, Logik und das Subjektive
Im ersten Abschnitt des Artikels des Autors heißt es: „Aus der Subjektivität des Zugangs wird die Behauptung einer objektiven Struktur des Absoluten.“ Damit wird unterstellt, dass die Beschreibung der absoluten Wirklichkeit als etwas, das Individualität, einen freien Willen, Liebe und eine Beziehung zu uns hat, objektiver Natur sei. Obwohl diese Beschreibung in meinem Artikel in einer logisch formulierten Weise erfolgt, erhebt sie zu keinem Zeitpunkt den Anspruch auf Objektivität, also empirischer Nachweisbarkeit.
Dies wäre der Versuch einer Art von Gottesbeweis mittels Logik, welcher der Grundaussage, dass eine objektive Beweisbarkeit der absoluten Wirklichkeit unmöglich ist, widerspricht. In diesem Fall hätte der Autor recht, denn Logik ist eine Funktion im menschlichen Verstand, der selbst Teil der relativen Welt von Zeit, Raum, Ursache und Wirkung ist. Dies gilt sowohl für Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen, als auch gleichermaßen für Versuche, seine Nichtexistenz zu belegen. Als Nachweis für die Begrenztheit der Logik und ihrer Unfähigkeit zum Absoluten seien hier die beiden Unvollständigkeitssätze des Mathematikers Kurt Gödel erwähnt.
Dessen eingedenk ist die Beschreibung der Natur des Absoluten als Individuum mit freiem Willen, Liebe und einer Beziehung zu den Seelenfunken nicht als ein solcher Gottesbeweis zu verstehen, sondern als eine logisch aufgebaute Beschreibung der theistischen Sichtweise, die, entsprechend dieser Philosophie, der subjektiven Ebene entstammt. Eine Erörterung dieser subjektiven Ebene erfolgt im weiteren Verlauf dieses Artikels, indem die wesentlichen Kritikpunkte aus dem Artikel des Autors einzeln betrachtet werden.
II. Logische Fehler
Der Autor unterstellt der theistischen Beschreibung der absoluten Ebene logische Fehler, zeigt jedoch an keiner Stelle seines Artikels auf, worin genau diese bestehen würden. Ginge man in meinem Artikel von einer rein logischen Herleitung aus, kann man vorschnelle Sprünge in der Logik unterstellen, sprich unbewiesene Behauptungen, wie zum Beispiel die Aussage, dass auf der absoluten Ebene alle Eigenschaften in vollkommenem Maße anwesend sein müssen. Ein logischer Sprung ist jedoch nicht notwendigerweise ein Trugschluss, sondern in der Beschreibung eines subjektiven Themas zulässig, insofern dieser Sprung nicht zu einem klaren Widerspruch mit den Annahmen führt, auf denen er basiert.
Anstelle des Nachweises eines solchen Widerspruchs besteht der ganze zweite Abschnitt des Artikels des Autors aus einer Aneinanderreihung von losen Behauptungen. Es wird zum Beispiel die unpersönliche Natur eines mathematischen Satzes oder eines physikalischen Gesetzes genannt, wobei jedoch offensichtlich unter den Tisch fällt, dass beide nicht zur Charakterisierung der absoluten Ebene geeignet sind, da sie selbst zum Bereich der Objektivität gehören. Mathematische Sätze werden mittels Logik formuliert, welche ohnehin den von Gödel formulierten Begrenzungen unterliegt und die Unterstellung von Zeitlosigkeit ist aufgrund der existenziellen Substanzlosigkeit von Information willkürlich, da die Mathematik keine Naturwissenschaft ist, sondern abstrakt. Und abgesehen von Objektivität und Empirik, ist die Unveränderlichkeit eines
physikalischen Gesetzes schon immer ein großer Streitpunkt in der Wissenschaft gewesen. Selbst die Urknalltheorie beschreibt einen Zustand „vor“ der Entstehung von Zeit und Naturgesetzen, eine Idee, die alle Phänomene der Welt automatisch in die Domäne des Relativen platziert.
III. Anthropomorphe Projektion
Die Aussage, dass die theistische Sicht auf die absolute Wirklichkeit eine anthropomorphe Projektion auf einen „leeren Himmel des Absoluten“ sei, ist ebenfalls eine bloße Behauptung. Die Grundannahme, auf der diese Aussage basiert, ist, dass die absolute Wahrheit eben keine Eigenschaften, wie Individualität, Liebe etc. aufweist. Dies ist aber genau der methodische Fehler in dieser philosophischen Betrachtung, da hier eine theistische Aussage mittels einer atheistischen Grundannahme bewertet wird.
Betrachtet man die philosophische Sicht des Theismus auf das einzelne Individuum als ewigen Bewusstseinsfunken, der zur absoluten Ebene gehört, dann muss man feststellen, dass die Identifikation als Mensch damit schon ausgeschlossen ist. Die Seele, also der Bewusstseinsfunken, bewohnt den menschlichen Körper und identifiziert sich fälschlicherweise mit ihm und zum Zeitpunkt des Todes legt der Bewusstseinsfunke die menschliche Hülle ab. Diese grundlegende theistische Sichtweise macht eine anthropomorphische Projektion unplausibel, da die wirkliche Identität des Selbst gar nicht als Mensch gesehen wird.
Zugegeben, es gibt die Tendenz im Menschen, sein eigenes Ego überallhin zu projizieren, also auch auf die absolute Ebene. Dies ist aber auch aus theistischer ein fundamentaler Irrtum. Dieser basiert auf der fälschlichen Identifikation des Selbst mit seiner menschlichen Hülle. Fällt diese irrtümliche Identifikation weg, gibt es keine anthropomorphe Projektion.
IV. Weiterführende Aussagen über das Absolute
Die Aussage des Autors, dass der rein subjektive Zugang zur absoluten Ebene keine
allgemeingültigen Aussagen über diese Ebene zuließe, da sie uns nicht als Objekt gegeben ist, beruht auf der Annahme, dass allgemeingültige Aussagen nur auf der objektiven Ebene formuliert werden dürften. Dies ist aber ein fundamentaler Irrtum, denn die objektive Ebene ist die relative Ebene, die Ebene der Empirik, auf der allgemeingültige Aussagen ohnehin kategorisch ausgeschlossen sind. Die absolute Ebene ist die einzige Ebene, über die allgemeingültige Aussagen überhaupt zulässig sind, denn die absolute Ebene ist ja ihrer Natur nach allgemeingültig.
Die Fragen, die sich hier stellen, sind, woher solche allgemeingültigen Aussagen über die absolute Ebene bezogen werden könnten und wie man deren Wahrheitsgehalt erkennen kann. Ausgehend davon, dass die absolute Ebene subjektiv ist, können diese Fragen nur auf der subjektiven Ebene zu ihrer Beantwortung finden.
Ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, diese Fragen zu beantworten, hängt davon ab, ob auf der subjektiven Ebene substanzielle Erfahrungen der absoluten Wirklichkeit gemacht werden können, sprich, ob es diese Wirklichkeit überhaupt gibt und wir einen Zugang dazu erhalten können. Da diese Fragen auf der objektiven Ebene nicht beantwortet werden können, muss jeder Suchende selbst nach der Beantwortung dieser Fragen in seinem Inneren streben, was naturgemäß einen Glauben an die Möglichkeit dieser Beantwortung voraussetzt.
In diesem Sinne ist der Glaube die anleitende Instanz auf unserer Suche nach dem Absoluten.
Und hier liegt eigentlich der Knackpunkt in Bezug auf die unterschiedlichen Argumentationen in beiden Artikeln. Die theistische Sicht geht von der Existenz Gottes aus, wodurch der Glaube an ihn, der Zugang zu ihm, spirituelle Praxis und spirituelles Denken überhaupt erst Sinn ergeben. Im Gegensatz dazu ist entsprechend der atheistischen Sichtweise all das natürlich nur Phantasie.
In unserer heutigen Welt ist der Glaube als eine Form der Phantasterei verpönt, da man dem irrigen Glauben aufgesessen ist, dass nur die Ratio ein valides Instrument zur Erforschung der Wirklichkeit sei. Deshalb sind die meisten Menschen mehr oder weniger blockiert, wenn es um das Thema Glauben geht. Auch besteht die Angst vor blindem Glauben, also ein Vertrauen in etwas, das nicht ist. Ebenso gibt es eine Menge Menschen, die irrigerweise glauben, dass sie gar nicht glauben, sondern wissen würden, was besonders den blinden Glauben an „die Wissenschaft ®“ und den Atheismus charakterisiert.
Dabei ist der Glaube gar kein Manko, sondern eine Fähigkeit, ein untrennbarer Bestandteil unseres Inneren und notwendig für psychische Gesundheit. Ohne Glauben und Vertrauen lebten wir in ständiger Angst. Erst durch die Akzeptanz der eigenen Glaubensfähigkeit, die die eigenen Wissenslücken zu füllen sucht, kann man sich seines vollen Potenzials bedienen und eine natürliche Demut und Offenheit gegenüber anderen Personen, Glaubensrichtungen, gegenüber der Welt und allen Lebewesen entwickeln.
Lebt man nun im Glauben, dass es keine absolute Ebene gibt oder dass keine weiteren absoluten Aussagen darüber getroffen werden könnten, gibt es auch keinen überzeugenden Grund, eine aktive Suche in dieser Richtung zu unternehmen. Erst wenn man es zumindest für möglich hält, dass es diese absolute Wirklichkeit und ein Zugang dazu existiert, ergibt eine Suche danach Sinn.
An diesem Punkt kommen die schon im letzten Artikel erwähnten fortgeschrittenen Seelen ins Spiel. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welch vehementer Ablehnung dieser Idee begegnet wird, wo doch jegliche Bildung immer über das Lehrer-Schüler-Prinzip funktioniert, egal in welchem Bereich. Wir brauchen Lehrer, damit wir lesen, schreiben, rechnen lernen, ja uns muss sogar das Sitzen, Laufen und Essen von anderen beigebracht werden. Und jetzt existiert in weiten Bereichen der Gesellschaft der irrige Glaube, dass man niemanden braucht, der schon einen gewissen Erfahrungsschatz in Bezug auf den subjektiven Zugang zur absoluten Wirklichkeit hat, um selbst effektiv Fortschritt in diesem Bereich zu machen.
Damit ein Schüler etwas von einem Lehrer lernen kann, muss er darauf vertrauen, dass in dem, was der Lehrer vermittelt, Wahrheit enthalten ist, solange, bis er selbst den Wahrheitsgehalt des Vermittelten nachzuvollziehen vermag. Dies gilt natürlich auch für die Vermittlung von Informationen über die Natur der absoluten Wirklichkeit. Es bedarf also einer gewissen Offenheit des Suchenden gegenüber der Möglichkeit der Existenz spirituell fortgeschrittener Personen. Besteht diese Offenheit, kann nach solchen Personen gesucht werden.
V. Die politische Dimension
Der Autor unterstellt dem Konzept des Zugangs zur absoluten Ebene durch spirituell fortgeschrittene Seelen, es käme einem Besitzanspruch auf das Absolute gleich, ohne jedoch eine plausible Erklärung dafür zu liefern. Ein Zugang zur absoluten Ebene über fortgeschrittene Seelen bedeutet ja gerade, dass der Sucher, der sich solchen Seelen zuwendet, selbst spirituellen Fortschritt macht, welcher letztlich befreit, anstatt zu versklaven. Im zu Ende gedachten Theismus ist es unmöglich, eine persönliche absolute Wirklichkeit, die voller Liebe ist, durch irgendwelche Ausbeutung oder Aneignung zu erreichen. Einzig sich dieser Liebe zur Verfügung zu stellen und damit allen Lebewesen zu dienen, wäre ein Ausdruck spirituellen Fortschritts.
Es besteht natürlich der berechtigte Einwand, dass die Welt voll von Betrügern ist, die von sich behaupten, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, oder gar die Einzigen zu sein, die über eine Verbindung zur absoluten Wirklichkeit verfügten. Dies macht die Suche nach echten fortgeschrittenen Seelen zwar nicht leichter, aber auch nicht weniger notwendig, wollte man sich ernsthaft dieser Sache annehmen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ein aufrichtiger Sucher einen Betrüger früher oder später erkennen wird – und ebenso eine aufrichtige Seele.
Jeder Versuch, den Zugang anderer zur absoluten Ebene zu kontrollieren, ist gleichzeitig ein Versuch, die absolute Ebene selbst und ihre Möglichkeit der Verbindung mit anderen zu beherrschen. Es ist der Versuch, sich selbst in die Rolle Gottes zu erheben, was fundamental der natürlichen Rolle Gottes im Theismus oder der prinzipiellen Gleichheit aller Seelen widerspricht. Zu den Symptomen spirituell fortgeschrittener Seelen gehört somit nicht die Behauptung, man hätte die Wahrheit gepachtet und nur durch einen selbst könnten andere dorthin gelangen. Deshalb findet man unter echten spirituell fortgeschrittenen Seelen auch nicht die Bestrebung, die Spiritualität zu institutionalisieren.
Dies bedeutet, dass alle institutionalisierten Religionen ihrer Natur nach atheistisch und materialistisch sind, auch wenn sie behaupten, Gott zu vertreten. Die Motivation hinter diesem Betrug durch Institutionalisierung ist immer Macht. Diese Macht wird dadurch erlangt, dass es genügend Leute gibt, die die Diskrepanz zwischen der theistischen Fassade und der atheistischen Handlungsweise zugunsten des sozialen Angebots der Institution in Kauf nehmen und sich ihr unterwerfen. Diese Identifikation mit der Institution erzeugt die eigentliche Spaltung, vor der uns der Autor warnen möchte. Divide et impera, teile und herrsche, wurde zurecht genannt, wenn es um die Ausübung von Macht geht.
Diese Spaltung geht aber nicht, wie irrigerweise angenommen, von der philosophischen Unterscheidung zwischen relativer, illusorischer Ebene und absoluter Wirklichkeit aus, sondern vom oben genannten sozialen Mechanismus, den die institutionalisierten Religionen virtuos beherrschen. Und wenn man den Blick mal etwas weiter schweifen lässt, dann kann man erkennen, dass das gleiche Spiel auch in nichtreligiösen Kreisen auf genau die gleiche Weise gespielt wird. Ob es sich nun um die politische Teilung in rechtes und linkes Lager handelt, ob die Nationalität, die Rasse, der Impfstatus oder was auch immer zum Anlass der Spaltung genommen wird, es ist immer der gleiche psychosoziale Mechanismus. Und die Motivation der Betrüger und der Betrogenen ist ebenfalls immer die gleiche.
Die Philosophie, dass wir alle ewige Bewusstseinsfunken und mit der persönlichen absoluten Ebene verbunden sind, ist das exakte Gegenteil von Spaltung. Sie ist eine Beschreibung von Gleichheit auf der absoluten Ebene, die bei ehrlicher Betrachtung jegliche weltliche Hackordnungen verbietet, zu denen auch die institutionalisierten Religionen gehören. Zu Ende gedachter Theismus führt also zur Auflösung des Glaubens an menschengemachte Institutionen gleich welcher Art und beendet damit ihre Macht über das Denken.
Im vierten Abschnitt seines Artikels stellt der Autor in diesem Zusammenhang eine weitere Behauptung auf, die er auch hier aus dem Theismus herausgelöst und in seiner eigenen Weltsicht bewertet hat, was grundsätzlich zu einem Irrtum führen muss.
Er behauptet, dass die Beschreibung der Welt als illusorisch automatisch zum Ignorieren des Leids in dieser Welt, wie Hunger, Krieg und Umweltzerstörung führe und der Schmerz anderer als nebensächlich abgetan würde. Der Autor hat aufgrund seines methodischen Fehlers nur leider eine andere wesentliche Aussage des Theismus ignoriert, die an der Stelle Licht ins Dunkel bringen kann: Alle Lebewesen sind ewige Bewusstseinsfunken, die zur absoluten Ebene gehören und sich in die Illusionen dieser Welt verstrickt haben und dadurch leiden. Wir haben also echte Lebewesen, die echte Leiden aufgrund von Illusion erleben. Daraus kann Mitleidlosigkeit nie abgeleitet werden.
Und man kann das Ganze auch durch folgende kleine Geschichte verdeutlichen. Ein älterer Herr kommt zum Arzt und klagt über Brustschmerzen und Bluthusten. Der Arzt untersucht ihn und diagnostiziert Lungenkrebs. Es stellt sich beim Arztgespräch auch heraus, dass der Patient Kettenraucher ist. Der Arzt spricht also ein ernstes Wörtchen mit dem Patienten und klärt ihn über das Rauchen als Ursache für seinen Krebs auf. Der Logik des Autors zufolge wäre der Arzt jetzt jemand, der völlig mitleidlos dem Patienten gegenüber ist, was natürlich völlig aus der Luft gegriffen ist. Der Patient hat doch jetzt durch die Aufklärung des Arztes die Möglichkeit, die Ursache seines Leidens zu beenden.
VI. Synthese
Im fünften Abschnitt versucht der Autor, eine Lösung für die vormals unterstellte Spaltung anzubieten, eine Spaltung, die er aber nur selbst postuliert hat und die sich nicht aus den Aussagen meines Artikels ableiten lässt. Wenn von absoluter Ebene und relativer Ebene die Rede ist, dann müssen beide untrennbar miteinander verbunden sein. Wäre die relative Ebene tatsächlich von der absoluten Ebene getrennt, würde sie selbst zu einer absoluten Ebene, da sie von nichts anderem abhinge. Die relative Ebene existiert also nur in Verbindung mit der absoluten Ebene, sie bilden eine differenzierte Einheit. Die illusorische Natur der relativen Ebene besteht auch nicht in einer behaupteten Nichtexistenz der selben, sondern in der von ihr verursachten Illusion der Nichtexistenz der absoluten Ebene. Die relative Ebene ist der „Mechanismus“, durch den die der absoluten Ebene zugehörige Bewusstseinsfunke seine eigene absolute Natur vergisst und sich mit den Phänomenen der relativen Ebene identifiziert.
In diesem Artikel ist des Öfteren der Begriff Theismus als Bezeichnung für das philosophische Gebäude gefallen, dessen Argumente hier dargelegt wurden. Damit ist ein wirklich ausgereifter und zu Ende gedachter Theismus gemeint, keine halben oder verzerrten Versionen, wie man sie in institutionalisierten Religionen vorfindet. Damit eine wirklich philosophische Debatte über dieses Thema erfolgen kann, ist es ratsam, die Verfehlungen der institutionalisierten Religionen beiseite zu lassen und sich auf die reine Philosophie selbst zu konzentrieren. Den Wert einer Philosophie kann man an seinen Idealen, an seiner idealen Version, erkennen, nicht an menschlichen Verfehlungen diesbezüglich, die man immer antreffen wird.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Riss in Zementwand
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