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Der Schweizer Verteidigungsminister Martin Pfister hat am Freitag die Leitlinien für eine tiefgreifende Neuausrichtung Armee vorgestellt. Sie soll künftig nicht mehr vorwiegend ausbilden, sondern einsatzfähig sein – und zwar gezielt gegen die wahrscheinlichsten Bedrohungen der Gegenwart.
Im Zentrum stehen ein neues Drohnen- und Robotik-Bataillon bis 2028, die Gliederung der Schweiz in drei militärische Einsatzräume sowie eine deutliche Verschlankung der Führungsstrukturen.
Pfister begründete den Kurswechsel mit der stark verschlechterten Sicherheitslage. Hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe, Sabotage und Desinformation sowie Angriffe aus der Distanz auf kritische Infrastrukturen seien heute realistischer als ein klassischer Großangriff. Die Armee müsse deshalb „konsequent“ auf diese Szenarien ausgerichtet werden.
Konkret plant der Bundesrat drei große Schritte. Erstens soll die Schweiz in drei Einsatzräume aufgeteilt werden, in denen je eine Einsatzdivision alle Aufträge – von der zivilen Unterstützung bis zum Verteidigungsfall – eigenverantwortlich führt.
Zweitens werden die Führungsstrukturen gestrafft. Dem Armeechef sollen künftig das Heer und die Luftwaffe direkt unterstellt sein, während die Zahl der höheren Stabsoffiziersfunktionen um rund 25 Prozent reduziert werden soll.
Pfister versicherte, dass es keine Entlassungen geben werde. Drittens soll bis 2028 ein erstes Drohnen- und Robotik-Bataillon aufgestellt werden, das eng mit Hochschulen, Industrie und Start-ups zusammenarbeiten soll.
Rund 80 Prozent der künftigen Rüstungsinvestitionen sollen bis 2038/39 in die Abwehr der wahrscheinlichsten Bedrohungen fließen – also in Luftverteidigung, Drohnenabwehr, Cyber-Schutz und den Schutz kritischer Infrastrukturen.
Die restlichen 20 Prozent bleiben für den Erhalt klassischer Fähigkeiten zur Abwehr eines umfassenden Angriffs reserviert. Finanziert werden soll der Ausbau durch einen befristeten Rüstungsfonds und eine zeitlich begrenzte Mehrwertsteuererhöhung.
Armeechef Benedikt Roos unterstrich die Dringlichkeit.
„Die Schweiz wird jeden Tag angegriffen – jeden Tag„, sagte er mit Blick auf Cyber- und Desinformationsangriffe.
Die Armee brauche wieder glaubwürdige Abschreckung. Gleichzeitig lobte er die Milizarmee als „Geheimwaffe“, die es nach seiner Meinung nirgends sonst auf der Welt gebe.
Trotz der ambitionierten Pläne bleibt die Bilanz der Schweizer Rüstungspolitik der letzten Jahre durchwachsen. Ein besonders deutliches Beispiel ist die Beschaffung der F-35-Kampfjets.
Die ursprünglich geplante Stückzahl von 36 Maschinen musste bereits nach unten korrigiert werden, weil die Kosten deutlich höher ausfielen als veranschlagt. Solche Fehleinschätzungen bei Großprojekten haben in der Vergangenheit immer wieder zu Verzögerungen, Mehrkosten und politischen Rückschlägen geführt – und das Vertrauen in die Planungsfähigkeit des Departements für Verteidigung (VBS) belastet.
Vor diesem Hintergrund wirkt die neue Öffnung gegenüber der Europäischen Union besonders bemerkenswert. Der Bundesrat hat bereits im Juni 2025 beschlossen, explorative Gespräche über eine formelle Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft mit der EU aufzunehmen.
Pfister unterstützt diesen Schritt aktiv und sieht darin Vorteile bei der Interoperabilität, beim Zugang zu europäischen Entwicklungen und bei der Einbindung der Schweizer Rüstungsindustrie. Die Schweiz ist bereits an zwei Pesco-Projekten beteiligt und hat die Zusammenarbeit mit der Europäischen Verteidigungsagentur vertieft.
Damit stellt die Schweiz ihre traditionelle Neutralitätspolitik zumindest teilweise zur Disposition. Während Pfister betont, dass eine solche Partnerschaft keine militärischen Bündnisverpflichtungen mit sich bringe, wird deutlich: Die Armee leidet nicht nur unter jahrelanger Fehlplanung bei Großbeschaffungen wie den F-35, sondern sucht nun auch verstärkt die Nähe zu europäischen Strukturen, um eigene Defizite zu kompensieren.
Ob die geplante Neuausrichtung die Schweiz sicherer macht oder die Neutralität langfristig untergräbt, wird die Praxis zeigen müssen.
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