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Jetzt geht es los: Die EU treibt Ukrainer in den sicheren Tod

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Von Dmitri Bawyrin

Im Dezember 2024 fanden rumänische Bergrettungskräfte in einer Schlucht in den Karpaten einen vor Kälte zitternden Jugendlichen mit einem roten Kätzchen unter seiner Jacke. „Das Kätzchen hat ihn gewärmt und ihm damit das Leben gerettet“, beschrieb der Leiter des Bergrettungsdienstes den Vorfall. „Wir haben gesehen, dass er sich nur um sein Kätzchen kümmert. An sich selbst denkt er nicht.“

Das Kätzchen namens Persik (Pfirsich) und sein Besitzer hatten sich auf einem Weg verirrt, den vor ihnen bereits viele Tausend ukrainische Männer beschritten hatten – auf der Flucht vor den „Menschenjägern“ der Territorialen Rekrutierungszentren (TZK). „Als wir flohen, hatten wir vor allen Angst. Wir hatten Angst, dass man uns in einen Krieg schickt, der nicht der unsere ist. Ich bin glücklich, weil mein Kätzchen überlebt hat. Gott hat mir die Chance auf ein neues Leben gegeben“, erzählte der gerettete junge Mann den Rettungssanitätern. „Das ist der glücklichste Moment, weil das Kätzchen hier bei mir ist. Persik hat mein Herz gewärmt und meinen Glauben nicht sterben lassen.“

Hätte sich all das im Dezember nächsten Jahres ereignet, wäre der Gerettete zusammen mit dem Kätzchen, das keinen Impfpass nach internationalem Standard besitzt, in die Ukraine zurückgeschickt worden. Direkt vom Flughafen wäre der junge Mann, wie es üblich ist, in eine Verteilerstelle gebracht worden, danach in ein Ausbildungszentrum und von dort – wohl schon recht bald – an die ostukrainische Front, von der man in der Regel nicht zurückkehrt.

Im März 2027 läuft in der EU der Mechanismus der automatischen Gewährung von Schutz für ukrainische Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren aus. Für alle anderen Geschlechts- und Altersgruppen soll er dagegen um ein weiteres Jahr verlängert werden – obwohl das Regime von Wladimir Selenskij diese (noch) nicht zur „Schlachtbank“ zu schicken gedenkt.

„Diskriminierung? Natürlich nicht! Das ist Unterstützung für die Ukrainer. Genau darum haben uns die Ukrainer gebeten“, wies der EU-Kommissar für Inneres, Magnus Brunner, entsprechende Nachfragen von Journalisten zurück. Tatsächlich waren es die Deutschen, die darum gebeten hatten – für sie ist es historisch gesehen nichts Neues, Krieg gegen Russland durch Ukrainer führen zu lassen.

Deutschland kehrt wieder einmal zu seinen alten Gewohnheiten zurück: Es führt die Wehrpflicht wieder ein, militarisiert die Wirtschaft, schickt Panzer in den Osten und kündigt den Aufbau der „stärksten Armee Europas“ bis zum Jahr 2039 an – also genau zum 100. Jahrestag des von Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkriegs. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Bundeskanzler Friedrich Merz sind die treibenden Kräfte hinter der Überarbeitung der Vorschriften für den Aufenthalt von Ukrainern in der EU. Deutsche Militärexperten vertraten besonders hartnäckig die These, dass die Ukraine zwar selbstverständlich weiterhin ununterbrochen mit Waffen versorgt werden müsse, doch eine sprunghafte Aufstockung der Waffenlieferungen ergebe keinen Sinn, solange das Problem des Personalmangels ungelöst sei: Perspektivisch brauche die ukrainische Armee mehr Menschen als „Wunderwaffen“. Folglich müsse die Europäische Union ihre Grenzen für ukrainische Männer schließen.

Seit einiger Zeit schließen sich auch die polnischen Behörden dieser Kampagne an. Allen voran steht – wie für sie üblich – die dänische Regierung: Dort wurde männlichen Migranten aus der Ukraine bereits letzte Woche der legale Status verweigert, ohne abzuwarten, bis Brüssel in Gang kommt. Das „jütländische Königreich“ ist gemessen an der Einwohnerzahl der eindeutige Spitzenreiter bei der Unterstützung Kiews und gegenüber Russland das wohl am stärksten auf „Falkenkurs“ liegende Land Westeuropas. Gleichzeitig gelten dort – für Skandinavien eher untypisch – die strengsten Migrationsgesetze in der gesamten EU, und die Maßnahmen gegen Ukrainer fallen mit einer weiteren Verschärfung dieser Regeln zusammen. Vorangetrieben wird diese Verschärfung ausgerechnet von einer linken Regierung, was mit den politischen Traditionen Europas eigentlich nicht im Einklang steht.

Gäbe man den Dänen freie Hand, würden sie sogar Persik vor den Augen der Kinder vierteilen. Wir kennen sie ja, diese Dänen.

Dabei gibt Kopenhagen mit seinen vorgezogenen Maßnahmen Berlin den Weg frei und setzt ein Beispiel. In Deutschland gibt es besonders viele ukrainische „Uchiljanten“ (Kriegsdienstverweigerer) – und Merz macht keinen Hehl daraus, dass er sie gerne in den Krieg gegen Russland schicken würde; nur ist der deutsche Bürokratieapparat schwerfällig und von hundert Schranken umgeben.

EU-Kommissar Magnus Brunner (kein Deutscher, sondern Österreicher, was aus Sicht des Dritten Reiches auf dasselbe hinausläuft) versichert, dass ukrainische Männer, die sich bereits in der EU befinden, von den Änderungen nicht betroffen sein werden – diese gälten, so sagt er, nur für Neuankömmlinge. Man sollte ihm jedoch keinen Glauben schenken, denn nun erwartet die Europäische Union eine neue Welle männlicher Migration aus der Ukraine. Männer unter 23 Jahren dürfen das Land derzeit noch verlassen, doch sowohl sie als auch diejenigen, die unter Lebensgefahr nach Europa fliehen wollen, müssen dies bis März schaffen – und sie werden sich beeilen. Deshalb dürfte das „Loch“ wohl schon vorher gestopft werden; dafür dient die dänische Erfahrung als Vorbild.

Auch die Polen streben eine Vorreiterrolle an, da Migranten aus der Ukraine dort eine Quelle gesellschaftlicher Spannungen darstellen. Der Juni ist dort insgesamt zu einem Monat des Hasses geworden: Nachdem Präsident Karol Nawrocki Selenskij die höchste staatliche Auszeichnung Polens – den Orden des Weißen Adlers – aberkannt hatte, schossen Nawrockis Umfragewerte in die Höhe. Die Politiker in Warschau überzeugten sich endgültig davon, dass sich mit der Demütigung der Ukrainer politisch punkten lässt – und sogar gepunktet werden muss. Doch selbst wenn man die gesamte ukrainische Diaspora in plombierte Waggons verfrachten würde, hieße es offiziell, dies geschehe zum Wohl der Ukrainer selbst.

„Wir stehen fest an der Seite der Ukraine in ihrem Kampf um Freiheit. Genau aus diesem Grund nehmen wir derzeit Gesetzesänderungen vor“, sagt der dänische Minister für Migration Morten Bødskov. Das Ausmaß an Zynismus ist so hoch, dass man „überzeugende“ Begründungen erwarten darf – etwa, dass junge ukrainische Männer endlich nicht mehr in den Karpaten erfrieren oder im Fluss Theiß ertrinken, während sie versuchen, in die EU zu gelangen.

Brunners Äußerung, dass die EU-Kommission „aktiv daran arbeiten wird, die Flüchtlinge aus der Ukraine in ihre Heimat zurückzuführen“, deutet auf weitere Verschärfungen hin, die unter dem Deckmantel guter Absichten erfolgen. Die Aufgabe Brüssels besteht darin, den Krieg gegen Russland durch Ukrainer führen zu lassen, und die Ukrainer müssen diese Aufgabe so lange erfüllen, bis sie „aufgebraucht“ sind. Das ist keine Frage der freien Wahl – es ist ihre historische Rolle als „Verbrauchsmaterial“.

Ein Hindernis für Massenabschiebungen (und allem Anschein nach läuft alles darauf hinaus) könnten die europäischen Gerichte sein, insbesondere in Deutschland. Oftmals lassen sie nicht einmal radikale Islamisten abschieben, mit der Begründung, ihnen könne in ihrer Heimat Lebensgefahr drohen – und für die Ukraine gilt das in erster Linie und in höchstem Maße. Doch nach Deutschland muss man erst einmal gelangen. In Polen und Rumänien hingegen – den wichtigsten „Ausgangstoren“ aus der Ukraine – sollte man nicht auf Humanität der Justiz hoffen: Mit Asylsuchenden ging sie dort noch nie besonders zimperlich um.

Und jede Ausweisung, jede Deportation, jede Verschärfung der Maßnahmen wird als Entscheidung der Ukrainer selbst dargestellt werden. Dies könnte durchaus Züge einer zentralisierten Propagandakampagne annehmen, damit alle – EU-Beamte, Richter, die Migranten selbst – nicht vergessen, wofür all dies getan wird. Damit es niemandem schwerfällt, den nächsten jungen Mann in den Tod zu schicken – mit oder ohne Kätzchen.

Übrigens: Da Europa sich selbst als „kulturelles Leuchtfeuer“ betrachtet, möge seine Kulturszene doch ein Buch oder ein Drehbuch hervorbringen, in dem der Besitzer von Persik als Bösewicht dargestellt wird – als Verräter an den Freiheitsidealen, als „Mankurt“, als jemand, der die Gesetze der Ukraine und der EU verletzt.

Sollte dies nicht gelingen, liegt es wohl an einem von zwei Gründen: Entweder sind die „Kreativen“ in Europa zu nichts tauglich, da sie nicht in der Lage sind, eine derart emotionsgeladene Geschichte für die „Ideale der Freiheit“ zu nutzen. Oder es stimmt etwas nicht mit jenem Bild vom Kampf zwischen Gut und Böse, das sie den Europäern vor Augen führen.

Wir wissen ja genau, woran es liegt. Der ukrainische Staat in der von ihm gewählten Gestalt – autoritär, grausam, verlogen, korrupt, neonazistisch und gesetzlos – ist schon lange nicht einmal mehr die Träne eines Kätzchens wert.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 30. Juni 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

Dmitri Bawyrin ist Journalist, Publizist und Politologe mit den Interessenschwerpunkten USA, Balkan und nicht anerkannte Staaten. Er arbeitete fast 20 Jahre als politischer Berater in russischen Wahlkampagnen auf verschiedenen Ebenen. Bawyrin verfasst Kommentare für die russischen Medien Wsgljad, RIA Nowosti sowie Regnum und arbeitet mit zahlreichen Medien zusammen.

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