Militär-Haushalt: Der Kassensturz der Vernunft | Von Dirk Ellerbrock

Militär-Haushalt: Der Kassensturz der Vernunft | Von Dirk Ellerbrock

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Ein Meinungsbeitrag von Dirk Ellerbrock.

140 Milliarden Euro. Man muss diese Zahl langsam aussprechen, um ihr gerecht zu werden: einhundertvierzig Milliarden. Fast 110 davon aus dem regulären Haushalt, der Rest aus jenem bereits 2022 aus der Taufe gehobenen „Sondervermögen Bundeswehr“ – ein Name, der so tut, als handle es sich um eine Erbschaft von der Großtante, und nicht eine Hypothek auf die Kindheit kommender Generationen. Ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jeder fünfte Euro aus Berlin fließt jetzt in das, was hierzulande mit stoischer Höflichkeit „Verteidigung“ heißt, obwohl niemand recht sagen kann, wovor genau – außer vielleicht vor der eigenen Untätigkeit, die Wirtschaft anders als über Rüstungsaufträge zu beleben.

Der Sozialetat bleibt nominell die Nummer eins. Doch das Verteidigungsministerium hat sich mit Schwung auf Platz zwei katapultiert, weit vor dem Verkehrsetat, dessen Straßen und Brücken künftig offenbar aus Prinzip warten dürfen, während anderswo gekürzt wird, damit hier Rekorde fallen. Es ist Umverteilung nach oben – nur diesmal ohne die übliche Verlegenheit, sie zu kaschieren. Diesmal trägt sie Tarnfarbe und nennt sich Notwendigkeit.

Am unfreiwillig komischsten aber sind die Sorgenfalten der Experten. Moritz Schularick vom Kieler Institut für Weltwirtschaft beklagt, es fließe zu viel Geld in „Altmetall“ – Panzer, Fregatten – statt in Drohnen und Künstliche Intelligenz. Als sei das Problem dieses Wahnsinns seine mangelnde Modernität, nicht der Wahnsinn selbst. Man stelle sich den Netto-Fortschritt vor: dieselbe Summe, nur zielgenauer verpulvert.

Und dann Andreas Schwarz, SPD-Berichterstatter für den Wehretat, der freimütig einräumt, was jeder ahnt, der schon einmal eine Behördenausschreibung gesehen hat: „Es werden andere Preise aufgerufen, wenn der Auftraggeber Bundeswehr heißt.“ Ein Satz, der eine Schlagzeile verdient hätte. Stattdessen verhallt er als Randnotiz im Bundestag, gefolgt von der rituellen Beschwörung, man müsse jetzt eben „für Wirtschaftlichkeit, Wettbewerb und parlamentarische Kontrolle sorgen“ – gesprochen von einem Parlament, das gerade selbst den größten Blankoscheck seiner Geschichte unterschrieben hat.

Man könnte das alles empört kommentieren. Aber Empörung setzt voraus, dass hier etwas schiefgelaufen ist – ein Irrtum, eine Fehlsteuerung, die sich mit besserer Aufsicht korrigieren ließe. Tatsächlich funktioniert die Maschine exakt wie geplant: Sie verwandelt Angst in Umsatz und Umsatz in noch mehr Angst. Ein geschlossener Kreislauf, in dem die einzige verlässliche Rendite jenen zufließt, die die Rüstungsgüter liefern – während der Rest des Landes zusieht, wie der Wintereinbruch bei der Heizkostenzuschuss-Debatte ganz anders klingt als bei der 140-Milliarden-Debatte. Der Krieg, so hieß es einmal treffend, ernährt eine Klasse. 2027 bekommt sie offenbar Nachschlag.



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Bildquelle: Mahmoud Mahdi Photo / shutterstock

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Dirk Ellerbrock, Jahrgang 1946, ist Diplom-Sozialwissenschaftler. Nach Studien der Wirtschafts-, Politikwissenschaften und Sozialpsychologie arbeitete er viele Jahre in der Finanzwirtschaft, Unternehmensberatung und als Management-Coach.

Mitte der 1990er wandte er sich mystischen Traditionen zu – Advaita-Vedanta, Zen-Buddhismus, Taoismus, Tantra und christliche Mystik –, vertieft durch Stephen Wolinskys „Quantenpsychologie“ und die Unterweisungen Ramesh Balsekars in Bombay. Er leitete Meditationsgruppen und veröffentlichte 2010 unter dem Pseudonym Manaschu sein erstes Buch, „Das Geheimnis ewigen Glücks – Texte zur Menschwerdung“. 2026 entstand sein noch unveröffentlichtes zweites Buch, „Die Schlange der Moral – Gift und Gegengift“, das moralisches Urteilen als strukturelle Gewaltform durchleuchtet.

Heute schreibt er regelmäßig politische und gesellschaftliche Kommentare, u. a. für apolut und auf seinem Substack: https://substack.com/@dirkellerbrock

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