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Ceuta, der marokkanische König und die Schatten der Geheimdienste: Brisante Vorwürfe gegen Rabat, CIA, Mossad und Frankreich
Der beispiellose Migrationsansturm auf die spanische Enklave Ceuta wirft immer größere Fragen auf. Während Madrid nach Erklärungen sucht, kursiert inzwischen eine geopolitische These, die weit über eine gewöhnliche Grenzkrise hinausgeht.
Demnach könnte der massive Zustrom illegaler Migranten Teil einer gezielten politischen Operation gewesen sein – möglicherweise als Reaktion auf Spaniens Position im Gaza-Konflikt und gegenüber dem Iran-Krieg. Öffentliche Beweise für eine Beteiligung der USA oder Israels liegen bislang nicht vor. Dennoch sorgt die These aufgrund der außergewöhnlichen Verbindungen des marokkanischen Machtapparates zu westlichen Geheimdiensten und Regierungen für erhebliche Aufmerksamkeit.
Denn eines gilt als unbestritten: Eine Operation dieser Größenordnung wäre ohne zumindest ein Mitwirken der marokkanischen Behörden kaum vorstellbar gewesen.
Im Mittelpunkt der Debatte steht König Mohammed VI.
Kritiker zeichnen das Bild eines Monarchen, dessen gesamtes politisches Umfeld seit Jahrzehnten eng mit Frankreich, den Vereinigten Staaten und Israel verflochten ist.
Mohammed VI. studierte an der Université Nice-Sophia-Antipolis – einer Hochschule, an der zahlreiche politische und wirtschaftliche Eliten des ehemaligen französischen Kolonialraums ausgebildet wurden. Zu den Absolventen zählen unter anderem hochrangige Diplomaten, Ministerpräsidenten und führende Vertreter afrikanischer Finanzinstitutionen.
Auch wirtschaftlich ist die königliche Familie eng mit westlichen Finanzstrukturen verbunden. Das Vermögen Mohammeds VI., das auf rund 8,2 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, umfasst bedeutende Beteiligungen an der Attijariwafa Bank. Deren Vorgänger, die Banque Commerciale du Maroc, entstand unter starkem französischem Einfluss. Historisch spielten dabei auch die Rothschilds eine bedeutende Rolle beim Aufbau des modernen marokkanischen Bankwesens. Ein direkter heutiger Einfluss der Familie Rothschild auf den König ist zwar nicht belegt, die historischen Verbindungen gelten jedoch als dokumentiert.
Auch privat pflegt die Königsfamilie enge Beziehungen nach Frankreich. Mohammed VI. besitzt unter anderem das 70 Hektar große Schloss Betz außerhalb von Paris sowie mehrere Luxusimmobilien in der französischen Hauptstadt, darunter ein Anwesen mit Blick auf den Eiffelturm. Weitere Mitglieder der Königsfamilie verfügen über umfangreiche Immobilien in Paris, London und Beverly Hills.
Besonders brisant sind die immer wieder diskutierten Berührungspunkte zum Netzwerk um Jeffrey Epstein.
Epstein hielt sich mehrfach in Marokko auf. In veröffentlichten Dokumenten wird auf Kontakte nach Rabat verwiesen, zudem versuchte er, den Palast Bin Ennakhil in Marrakesch zu erwerben – ein Anwesen im Wert von rund 21 Millionen US-Dollar. Nach seiner Verhaftung scheiterte der Kauf. Im Jahr 2010 wurde Epstein außerdem zu Gesprächen mit Tayeb Fassi Fihri eingeladen, einem langjährigen Berater des marokkanischen Königs.
Immer wieder wird zudem behauptet, Epstein und Ghislaine Maxwell hätten an der Hochzeit Mohammeds VI. im Jahr 2002 teilgenommen. Für diese Behauptung existieren bislang jedoch keine allgemein anerkannten öffentlichen Belege. Sollte sie sich bestätigen, wäre ihre politische Tragweite erheblich.
Unstrittig sind dagegen die engen Beziehungen Marokkos zu Israel.
Heute unterhalten Rabat und Tel Aviv eine intensive Zusammenarbeit in den Bereichen Militär, Geheimdienste, Cybersicherheit, Rüstung und Technologie. Zwischen beiden Staaten existiert ein gemeinsamer militärischer Aktionsplan, hinzu kommen umfangreiche Ausbildungsprogramme und ein regelmäßiger Informationsaustausch.
Diese Kooperation begann allerdings nicht erst mit den Abraham-Abkommen von 2020.
Bereits seit den 1960er Jahren unterhielt der Mossad nach zahlreichen historischen Darstellungen geheime Netzwerke in Marokko. Als besonders folgenreich gilt die Zusammenarbeit beim Arabischen Gipfel von Casablanca 1965. Damals soll der marokkanische Geheimdienst Israel ermöglicht haben, die Gespräche der arabischen Staatschefs abzuhören. Mehrere ehemalige Mossad-Offiziere bestätigten diese Operation später öffentlich. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Israel erhebliche strategische Vorteile vor dem Sechstagekrieg verschafft haben.
Auch Operation Yachin, bei der zwischen 1961 und 1964 zehntausende marokkanische Juden nach Israel auswanderten, wurde unter enger Zusammenarbeit zwischen dem Mossad und marokkanischen Behörden durchgeführt. In den folgenden Jahrzehnten fungierte Marokko zudem wiederholt als geheimer Vermittler zwischen Israel und arabischen Staaten – unter anderem bei den Kontakten zwischen Israel und dem damaligen ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat vor dessen historischem Besuch in Jerusalem.
Vor diesem Hintergrund erscheint zumindest nachvollziehbar, weshalb manche Analysten vermuten, dass Marokko auch heute eine weit größere geopolitische Rolle spielt, als öffentlich sichtbar ist.
Hinzu kommt der Einsatz israelischer Überwachungstechnologie. Mehrfach wurde berichtet, dass marokkanische Sicherheitsbehörden israelische Spionagesoftware gegen Journalisten, Oppositionelle und andere Kritiker eingesetzt haben.
Besonders kontrovers ist deshalb die These, die aktuelle Migrationskrise in Ceuta könne Teil einer abgestimmten geopolitischen Druckstrategie gewesen sein.
Beweise für eine Beteiligung von CIA, Mossad oder westlichen Geheimdiensten liegen bislang nicht vor. Die Behauptung bleibt daher spekulativ. Brisant ist sie dennoch, weil die engen historischen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen Rabat, Washington, Paris und Tel Aviv unbestritten sind und Marokko in der Vergangenheit mehrfach als strategischer Partner westlicher und israelischer Interessen fungierte.
Ein weiterer Widerspruch prägt die aktuelle Entwicklung.
Während die Regierung ihre Beziehungen zu Israel kontinuierlich ausbaut, lehnt ein großer Teil der marokkanischen Bevölkerung eine Normalisierung mit Tel Aviv weiterhin ab. Verschiedene Umfragen zeigen seit Jahren eine überwiegend ablehnende Haltung gegenüber den diplomatischen Beziehungen.
Gerade deshalb werfen Kritiker die Frage auf, ob die außen- und sicherheitspolitische Ausrichtung des Landes tatsächlich den Mehrheitswillen der Bevölkerung widerspiegelt oder ob geopolitische Interessen des Königshauses und seiner internationalen Partner den entscheidenden Einfluss ausüben.
Die schwerwiegendste Behauptung lautet schließlich, die heutige Machtstruktur Marokkos sei über Jahrzehnte eng von westlichen Geheimdiensten geprägt oder beeinflusst worden. Ein öffentlicher Beweis dafür, dass die Monarchie von CIA, DGSE oder Mossad „geschaffen“ wurde, existiert bislang nicht. Die These bleibt daher unbewiesen. Angesichts der Vielzahl historisch dokumentierter Geheimdienstkontakte, der außergewöhnlich engen Sicherheitskooperationen und der strategischen Rolle Marokkos im Mittelmeerraum wird sie jedoch von einigen geopolitischen Beobachtern weiterhin als diskussionswürdig eingestuft.
Ob sich diese Vermutungen eines Tages belegen lassen oder nicht – fest steht, dass Marokko heute zu den wichtigsten sicherheitspolitischen Partnern des Westens und Israels in Nordafrika gehört. Die Ereignisse von Ceuta haben deshalb eine Debatte neu entfacht, die weit über Migration hinausgeht und grundlegende Fragen über Macht, Einfluss und geopolitische Interessen aufwirft.