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Nach der teilweisen Blockade der Straße von Hormus könnte nun auch die zweite große Energie-Schlagader des Nahen Ostens zum Krisengebiet werden: die Straße von Bab al-Mandab.
Die Huthi-Bewegung im Jemen hat zunächst eine Seeblockade gegen saudische Schiffe angekündigt. Als Begründung nennt sie die seit Jahren bestehende saudische Luft- und Seeblockade gegen den Jemen. Sollte diese Maßnahme ausgeweitet werden, könnte daraus eine Krise mit weltweiten wirtschaftlichen Folgen entstehen.
Seit der Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus hat Saudi-Arabien einen Großteil seiner Ölexporte auf den Hafen Yanbu am Roten Meer verlagert. Dort werden inzwischen rund 4 Millionen Barrel Rohöl pro Tag verladen. Etwa 3 Millionen Barrel täglich sind für asiatische Abnehmer bestimmt und müssen dafür die Straße von Bab al-Mandab passieren.
Die Alternative – die Umrundung Afrikas über das Kap der Guten Hoffnung – verlängert die Strecke um rund 6.000 Kilometer und bedeutet je nach Zielhafen 10 bis 14 zusätzliche Tage, teilweise sogar deutlich längere Lieferzeiten. Dadurch steigen Treibstoff-, Charter- und Betriebskosten erheblich. Gleichzeitig sind die Kriegsversicherungsprämien für Schiffe im Roten Meer stark gestiegen und verursachen pro Fahrt zusätzliche Kosten in Höhe von mehreren hunderttausend US-Dollar.
Das eigentliche Risiko liegt jedoch in einem deutlich weitergehenden Szenario: Sollten die Huthis die Passage nicht nur für saudische Schiffe, sondern für den gesamten internationalen Schiffsverkehr sperren, wären die Folgen weitaus gravierender.
Durch die Straße von Bab al-Mandab passieren jedes Jahr Tausende Handelsschiffe. Sie verbindet den Indischen Ozean mit dem Roten Meer und dem Suezkanal – einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Eine vollständige Sperrung würde große Teile des Schiffsverkehrs zwingen, Afrika zu umrunden. Lieferzeiten würden sich erheblich verlängern, Frachtraten und Versicherungsprämien weiter steigen und globale Lieferketten erneut unter Druck geraten.
Steigende Transportkosten würden sich voraussichtlich auf zahlreiche Bereiche auswirken. Neben höheren Preisen für Benzin, Diesel und Heizöl könnten auch Flugtickets, Lebensmittel, Konsumgüter und viele importierte Waren teurer werden. Unternehmen müssten höhere Logistik- und Energiekosten tragen, die häufig an Endkunden weitergegeben werden.
Die Europäische Union beteiligt sich mit der Marineoperation Aspides, deren Mandat auf den Schutz des zivilen Schiffsverkehrs beschränkt ist. Die USA und Großbritannien führen hingegen eigene militärische Operationen gegen Ziele im Jemen durch.
Bereits in früheren Jahren gelang es einer internationalen Flotte mit Dutzenden Kriegsschiffen nicht, die Huthis dauerhaft einzudämmen. Heute verfügen sie über deutlich modernere Drohnen- und Raketensysteme.
Sollte sich aus der derzeit gegen Saudi-Arabien gerichteten Blockade eine vollständige Sperrung der Straße von Bab al-Mandab entwickeln, während gleichzeitig die Lage in der Straße von Hormus angespannt bleibt, wären die beiden wichtigsten Energie- und Handelskorridore des Nahen Osten gleichzeitig betroffen. Ein solches Szenario könnte die Weltwirtschaft erneut massiv belasten und einen starken Anstieg der Energie-, Transport- und Verbraucherpreise auslösen.