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Pepe Escobar
Iran und die USA befinden sich weiterhin in einer Pattsituation über die Reihenfolge diplomatischer Verhandlungen. Iran besteht über pakistanische Vermittler darauf, zunächst die Krise um die Straße von Hormus zu lösen, die Seeblockade aufzuheben und eingefrorene Gelder freizugeben, bevor über das Atomprogramm gesprochen wird. Die Trump-Regierung verlangt dagegen sofortige Zugeständnisse beim Atomprogramm. Nach intensiven diplomatischen Bemühungen wurde eine vorübergehende Pause der US-Bombardierungen erreicht, doch eine Lösung bleibt in weiter Ferne. Pakistan, Katar und Oman vermitteln, doch Iran macht deutlich, dass es nur zu seinen eigenen Bedingungen zum MoU von Islamabad zurückkehren wird. Der Finanzstreit, insbesondere um die in Katar eingefrorenen 6 Milliarden Dollar, bleibt ein zentrales Hindernis.
Cocoon AI-Zusammenfassung
Auch wenn der lange und verschlungene Weg zu einer möglichen Wiederaufnahme der Diplomatie in einem Meer des Skeptizismus feststeckt, eröffnet sich ein kleines Zeitfenster der Hoffnung: Der US-Krieg gegen den Iran könnte wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Allerdings nach Irans Reihenfolge – nicht nach der Washingtons.
Laut pakistanischen Vermittlern und Insidern traf sich am vergangenen Montag eine amerikanische Delegation mit Feldmarschall Asim Munir im Armeehauptquartier in Rawalpindi.
Eine hochrangige Insiderquelle beschreibt den Vorstoß als Initiative aus dem Büro von US-Vizepräsident J.D. Vance. Washingtons Angebot lautete demnach: Die von Trump angeordneten Bombardierungen – die möglicherweise zu den von ihm beschworenen „Toren der Hölle“ geführt hätten – auszusetzen und die Verhandlungen wieder aufzunehmen, allerdings mit dem Atomdossier als erstem Punkt auf der Tagesordnung.
Unmittelbar nach dem Besuch schloss ein Verhandlungstrio – Asim Munir, Außenminister Ishaq Dar und Innenminister Mohsin Naqvi – den diplomatischen Kreis mit Teheran.
Dies geschah direkt nach Naqvis drittem Besuch in Folge in Teheran innerhalb weniger Wochen. Er überbrachte Ayatollah Mojtaba Khamenei eine persönliche Botschaft von Asim Munir sowie eine separate Nachricht von Premierminister Shehbaz Sharif.
Naqvi traf außerdem Außenminister Abbas Araghchi und Innenminister Eskandar Momeni. In umgekehrter Richtung überbrachte Momeni eine vertrauliche Botschaft der iranischen Führung direkt an Munir.
Übersetzt bedeutet das: Iran und Pakistan stehen auf höchster Regierungsebene in ständigem Austausch.
Was nun folgt, ist entscheidend. Zwar gibt es keine offizielle Bestätigung aus Teheran, doch Araghchi betont öffentlich immer wieder, dass diplomatische Fenster offen bleiben – solange gegenseitiger Respekt herrscht. Der entscheidende Punkt ist, dass die pakistanischen Vermittler darauf bestehen, Iran sei bereit, zum MoU von Islamabad zurückzukehren – allerdings niemals unter den für die Trump-Regierung typischen Drohungen.
Die Reihenfolge Teherans ist eindeutig: Zuerst Gespräche über die Straße von Hormus. Danach muss die amerikanische Blockade aufgehoben werden. Anschließend sollen eingefrorene Gelder freigegeben und Sanktionen tatsächlich gelockert werden. Erst dann würde über das Atomdossier gesprochen.
Die Trump-Regierung will genau das Gegenteil. Zuerst Zugeständnisse beim Atomprogramm. Danach die amerikanische Version einer „freien“ Straße von Hormus. Und finanzielle Erleichterungen erst nach iranischer „Einhaltung“ der amerikanischen Bedingungen.
Genau darin liegt nun der Kern des Konflikts. Es geht nicht mehr darum, ob die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, sondern darum, wer die Tagesordnung festlegt, die Reihenfolge bestimmt und damit die weitreichenden politischen Folgen der Verhandlungen kontrolliert.
Eines scheint jedoch sicher: Trumps lautstarke Drohungen, ein „Atomprogramm zuerst“-Modell durchzusetzen, sind bereits tot, bevor sie beginnen konnten.
Washington setzte die Bombardierung des Iran – einschließlich ziviler Infrastruktur – nach 13 aufeinanderfolgenden Nächten aus. Die Pause trat am Freitag, dem 24. Juli, in Kraft.
Diese Unterbrechung war keineswegs ein einseitiger Akt der Zurückhaltung. Sie war das Ergebnis ununterbrochener diplomatischer Bemühungen der Vermittler Pakistan und Katar. Islamabad und Doha warnten Washington wiederholt, dass eine Fortsetzung der Bombardierungen den letzten verbliebenen diplomatischen Kanal vollständig zerstören und eine immer verheerendere iranische Reaktion provozieren würde.
Derzeit befinden wir uns daher lediglich in einer ausgehandelten Pause – weit entfernt von einer tatsächlichen Einigung.
Im Kern geht es um einen Wettstreit um Verhandlungsmacht. Die Trump-Regierung will, dass Iran seine wichtigste strategische Karte aufgibt, bevor Washington überhaupt irgendeine greifbare Gegenleistung erbringt.
Teheran verlangt dagegen messbare amerikanische Schritte – Sanktionslockerungen und die Freigabe eingefrorener Gelder –, bevor das Atomprogramm überhaupt zur Sprache kommt.
Wer die Reihenfolge kontrolliert, kontrolliert die Verhandlungen. Und damit auch das gesamte geopolitische Narrativ rund um diesen Krieg.
Die Straße von Hormus bleibt faktisch weiterhin für den regulären kommerziellen Schiffsverkehr geschlossen. Hunderte Schiffe und Tausende Seeleute sitzen fest.
Teherans Position war von Anfang an eindeutig: ein ausgehandelter Mechanismus, durchsetzbare Garantien sowie entsprechende Fortschritte bei Blockade und Finanzfragen.
Parallel dazu setzt das US-Zentralkommando (CENTCOM) eine Seeblockade gegen den Iran durch, indem Tanker umgeleitet oder gestoppt werden, wenn sie den amerikanischen Vorgaben nicht folgen.
Teheran verlangt im Wesentlichen lediglich die Einhaltung des von beiden Seiten unterzeichneten MoU. Die Forderung, Washington müsse die Seeblockade aufheben, ist daher keine neue Konzession, sondern die Umsetzung einer bereits bestehenden Verpflichtung der USA.
Die Finanzfrage könnte sich sogar als noch schwieriger erweisen als die Straße von Hormus.
Im Mittelpunkt stehen dabei rund 6 Milliarden Dollar iranischer Gelder, die in Katar eingefroren sind.
Die Trump-Regierung hatte zuvor angedeutet, dass diese Gelder im Rahmen einer Vereinbarung freigegeben werden könnten. Die derzeitige US-Position bevorzugt jedoch streng kontrollierte Treuhandlösungen, die Teheran die Verwendung seines eigenen Geldes erheblich einschränken würden. Kein Wunder, dass Iran dies niemals akzeptieren will.
Im günstigsten Fall könnte das Dossier um die Straße von Hormus durch umfassend ausgehandelte gegenseitige Vereinbarungen über den Schiffsverkehr gelöst werden. Der Streit um die eingefrorenen Gelder dürfte jedoch noch schwieriger werden, da er unmittelbar Fragen der Souveränität, der Sanktionen und der politischen Demütigung berührt.
So stellt sich die Lage derzeit dar: Teherans Reihenfolge lautet Straße von Hormus, Ende der Seeblockade, Freigabe der Gelder und Sanktionslockerungen – erst danach das Atomdossier. Oman übernimmt dabei einen Großteil der technischen Arbeiten zur Wiederöffnung der Straße von Hormus.
Als Ort für ein mögliches Treffen zur Rückkehr zum MoU werden Islamabad, Doha und die Schweiz diskutiert. Teheran bevorzugt Islamabad. Die Amerikaner bevorzugen die Schweiz. Doha versucht sich als Kompromisslösung zu positionieren.
Nichts davon bedeutet, dass Teheran das amerikanische Angebot angenommen hätte – im Gegenteil: Die iranische Führung hat die Bedingungen Washingtons klar zurückgewiesen.
Was Teheran akzeptiert hat, ist lediglich das Prinzip einer Rückkehr zu Verhandlungen im Rahmen des MoU von Islamabad – allerdings nach der von Iran vorgeschlagenen Reihenfolge.
Dies könnte die Ruhe vor dem Sturm sein. Die militärischen Auseinandersetzungen befinden sich derzeit in einer ausgehandelten Pause – während sich der eigentliche, erbitterte Machtkampf möglicherweise vom Schlachtfeld auf die Verhandlungstagesordnung verlagert.
Wer hält die besseren Karten?
Nach derzeitigem Stand scheint Iran bei der Frage der Reihenfolge die stärkere Position zu besitzen.
Doch letztlich bleibt alles offen.