Neue „Islamische NATO“ verändert den Nahen Osten – Das Ende der amerikanischen Ordnung rückt näher

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Während sich die Aufmerksamkeit der Welt auf die Kämpfe im Gazastreifen, den Krieg um die Straße von Hormus und die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran richtet, könnte im Hintergrund gerade eine geopolitische Entwicklung stattfinden, deren Auswirkungen den gesamten Nahen Osten verändern.

Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben ein gemeinsames Verteidigungsabkommen unterzeichnet, das sich ausdrücklich am NATO-Modell orientiert. Der Kern des Pakts ist eine Beistandsklausel: Ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Staaten gilt als Angriff auf alle. Damit entsteht erstmals ein militärisches Bündnis dieser Größenordnung unter führenden sunnitischen Regionalmächten. Berichte über die Vereinbarung wurden unter anderem von der Associated Press veröffentlicht.

Auf den ersten Blick wirkt das wie ein weiteres Sicherheitsabkommen. Tatsächlich könnte es jedoch den Beginn einer völlig neuen Machtordnung markieren.

Der Nahe Osten ordnet sich neu

Über Jahrzehnte beruhte die Sicherheitsarchitektur der Region auf den Vereinigten Staaten. Washington garantierte den Schutz der Golfstaaten, stationierte Truppen, kontrollierte Seewege und fungierte als militärischer Schiedsrichter.

Doch dieses Modell gerät zunehmend ins Wanken.

Die jüngsten Entwicklungen deuten darauf hin, dass regionale Mächte beginnen, ihre Sicherheit selbst zu organisieren – unabhängig davon, ob die USA dauerhaft als Schutzmacht präsent bleiben oder nicht.

Pakistan bringt eine Atommacht und eines der größten Militärs der islamischen Welt in das Bündnis ein. Die Türkei verfügt über die zweitgrößte Armee der NATO und eine schnell wachsende Rüstungsindustrie. Saudi-Arabien steuert die wirtschaftliche und finanzielle Stärke des Bündnisses bei. Gemeinsam entsteht damit ein Machtblock, der militärisch, wirtschaftlich und politisch erheblich mehr Gewicht besitzt als viele frühere regionale Allianzen.

Der amerikanische Einfluss schwindet

Parallel dazu mehren sich die Hinweise, dass Washington seine Position im Nahen Osten neu bewertet.

Nach Angaben des ehemaligen CIA-Analysten Larry Johnson wurde innerhalb des US-Zentralkommandos (CENTCOM) ein zentraler Krisenstab deaktiviert – ein ungewöhnlicher Schritt, den er als Hinweis wertet, dass derzeit keine größeren Militärschläge gegen Iran vorbereitet werden. Hinzu kommen Berichte über knapper werdende Präzisionswaffen, Probleme bei der Versorgung mit Seltenen Erden, steigenden Druck auf die Energieversorgung sowie intensive Vermittlungsbemühungen Pakistans zwischen Washington und Teheran.

Ob diese Einschätzung zutrifft oder nicht – sie zeigt, wie stark sich die strategische Diskussion inzwischen verändert hat.

Nicht mehr Washington bestimmt die Spielregeln

Bemerkenswert ist vor allem die Rolle Pakistans. Noch vor wenigen Jahren galt Islamabad vor allem als regionaler Akteur. Heute vermittelt Pakistan zwischen den USA und Iran, koordiniert Gespräche mit Saudi-Arabien und der Türkei und entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen sicherheitspolitischen Akteur im Nahen Osten. Sollte gleichzeitig eine Einigung über die Straße von Hormus zustande kommen, könnte die Region künftig deutlich stärker von regionalen Bündnissen geprägt werden als von amerikanischen Militärinterventionen.

Gerade Pakistan nimmt dabei eine bemerkenswerte Doppelrolle ein. Einerseits ist Islamabad Mitunterzeichner des neuen Verteidigungspakts mit Saudi-Arabien und der Türkei. Andererseits gilt Pakistan derzeit als einer der wichtigsten Vermittler zwischen Washington und Teheran und ist gemeinsam mit anderen regionalen Akteuren in diplomatische Bemühungen um eine Entspannung des Konflikts eingebunden. Das macht die Lage deutlich komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheint. Einerseits erhöht die Beistandsklausel des Pakts das Risiko, dass ein größerer Angriff auf Saudi-Arabien – etwa durch die Huthi-Bewegung oder im Fall einer direkten militärischen Eskalation zwischen Saudi-Arabien und Iran – weitere Staaten politisch oder militärisch in den Konflikt hineinziehen könnte. Andererseits hat Pakistan ein erhebliches Interesse daran, genau ein solches Szenario zu verhindern. Als Nachbar Irans, Vermittler zwischen den Konfliktparteien und Mitglied des neuen Bündnisses versucht Islamabad offenbar, gleichzeitig abzuschrecken und zu deeskalieren – ein diplomatischer Balanceakt, der über den weiteren Verlauf der Krise mitentscheiden könnte.

China steht im Hintergrund bereit

Während westliche Medien vor allem auf Washington blicken, entwickelt sich im Hintergrund ein anderes Machtzentrum.

China vertieft seine Beziehungen zu Iran, Saudi-Arabien und Pakistan kontinuierlich. Peking vermittelt, investiert und baut wirtschaftliche Netzwerke aus, ohne selbst militärisch als Hegemon aufzutreten. Gerade diese Strategie verschafft China wachsenden Einfluss. Statt Militärbasen entstehen Handelskorridore, Energiepartnerschaften und politische Vermittlungsrollen.

Der Petrodollar gerät erneut unter Druck

Sollte sich diese neue Sicherheitsarchitektur verfestigen, hätte dies weit über den Nahen Osten hinausreichende Folgen.

Die Region kontrolliert einen erheblichen Teil der weltweiten Öl- und Gasexporte. Wenn sich ihre Sicherheitsordnung von Washington löst und sich wirtschaftlich stärker nach Asien orientiert, gerät zwangsläufig auch das bisherige Finanz- und Handelssystem unter Druck. Schon heute wird ein wachsender Teil des Energiehandels außerhalb des Dollars abgewickelt. Ein eigenständiger regionaler Machtblock könnte diese Entwicklung weiter beschleunigen.

Eine tektonische Verschiebung

Noch ist unklar, welche praktische Bedeutung das neue Verteidigungsabkommen entfalten wird. Doch bereits seine Unterzeichnung sendet eine klare Botschaft:

Der Nahe Osten beginnt, sich sicherheitspolitisch neu zu organisieren.

Während die USA mit militärischen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen kämpfen, entstehen neue regionale Bündnisse, neue Vermittler und neue Machtzentren.

Ob daraus tatsächlich eine neue Ordnung entsteht, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Fest steht jedoch: Der Nahe Osten verändert sich derzeit schneller als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Ende des Kalten Krieges – und möglicherweise erlebt die Welt gerade den Beginn einer geopolitischen Verschiebung, deren Folgen weit über die Region hinausreichen.

Quellen:

The Guardian: Saudi Arabia, Turkey and Pakistan sign NATO-style defense pact
https://www.theguardian.com/world/2026/aug/07/houthi-strikes-yemen-saudi-arabia-attacks-iran-war-middle-east-crisisDawn (Pakistan): Saudi Arabia, Pakistan and Türkiye sign landmark defence pact
https://www.dawn.com/news/2021248Arab News: Saudi Arabia, Pakistan and Türkiye deepen strategic defense cooperation
https://www.arabnews.com/i24NEWS: Turkey, Saudi Arabia and Pakistan finalize joint defense pact
https://www.i24news.tv/en/news/international/artc-turkey-saudi-arabia-and-pakistan-to-finalize-joint-defense-pact-in-jeddah-report

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