Verbot macht soziale Medien nur noch attraktiver – Australiens Experiment geht nach hinten los

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Als Australien Ende 2025 das weltweit erste landesweite Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige einführte, galt das Gesetz vielen Politikern als historischer Schritt zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Wenige Monate später fällt die erste Zwischenbilanz jedoch ernüchternd aus: Das Verbot hat die Nutzung sozialer Netzwerke bislang kaum verändert.

Eine von der australischen eSafety-Kommission in Auftrag gegebene Untersuchung zeigt, dass zwar die Zahl der Jugendlichen mit einem eigenen Social-Media-Konto zurückging, die tatsächliche Nutzung der Plattformen jedoch nahezu unverändert blieb. Vor Inkrafttreten des Gesetzes nutzten rund 86 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen soziale Medien, drei Monate später waren es immer noch mehr als 81 Prozent. Damit blieb der überwiegende Teil der jungen Nutzer weiterhin auf den Plattformen aktiv.

Der Grund ist ebenso einfach wie ernüchternd: Die Alterskontrollen funktionieren nur eingeschränkt. Mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen gab an, beim Erstellen oder Nutzen eines Kontos überhaupt keinen Altersnachweis erbringen zu müssen. Andere erklärten, sie hätten lediglich ein falsches Geburtsdatum angegeben oder seien von den Systemen fälschlicherweise als volljährig eingestuft worden. Die größte Schwachstelle liegt damit offenbar nicht bei den Jugendlichen, sondern bei der technischen Umsetzung durch die Plattformen.

Das australische Experiment wirft noch eine weitere Frage auf: Wird ein Verbot für Kinder und Jugendliche nicht gerade deshalb interessant, weil es ein Verbot ist? Gerade in dieser Altersgruppe gehört das Austesten von Grenzen häufig zur Entwicklung. Statt soziale Medien unattraktiver zu machen, könnte das Verbot bei manchen sogar den Ehrgeiz wecken, technische Hürden zu umgehen. Die bislang hohe Nutzung trotz gesetzlicher Sperren zeigt zumindest, dass Verbote allein das Interesse offenbar nicht verschwinden lassen.

Besonders bemerkenswert ist ein weiterer Befund der Studie: Viele Eltern verloren nach Einführung des Verbots sogar den Überblick darüber, ob ihre Kinder soziale Medien weiterhin nutzen. Statt die Nutzung zu beenden, scheint das Gesetz sie teilweise lediglich weniger sichtbar gemacht zu haben.

Auch die erhofften „positiven Auswirkungen auf das Wohlbefinden“ der Jugendlichen blieben bislang aus. Weder bei familiären Konflikten noch beim allgemeinen psychischen Befinden konnten die Forscher nach den ersten drei Monaten deutliche Verbesserungen feststellen. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass es sich um eine frühe Zwischenanalyse handelt und langfristige Effekte noch nicht beurteilt werden können.

Die australische Regierung hält dennoch an ihrem Kurs fest. Anstatt das Gesetz infrage zu stellen, sollen die Befugnisse der eSafety-Kommission ausgeweitet und die Strafen für Plattformen deutlich verschärft werden. Canberra argumentiert, vollständige Einhaltung sei kurzfristig ebenso wenig realistisch wie bei anderen Altersgrenzen, etwa für Alkohol. Entscheidend sei, dass das Gesetz langfristig das Verhalten der Plattformen und der Gesellschaft verändere.

Die Entwicklung wird inzwischen weit über Australien hinaus aufmerksam verfolgt. Mehrere europäische Staaten diskutieren ähnliche Altersbeschränkungen für soziale Netzwerke. Die ersten Erfahrungen aus Australien werfen jedoch eine grundsätzliche Frage auf: Reicht ein gesetzliches Verbot aus, wenn die technische Durchsetzung lückenhaft bleibt und sich die Nutzung kaum verändert?

Die ersten Monate deuten darauf hin, dass Gesetze allein das Nutzungsverhalten nicht grundlegend verändern. Solange Alterskontrollen leicht umgangen werden können oder Plattformen ihre Systeme nicht konsequent umsetzen, besteht die Gefahr, dass politische Symbolik und tatsächliche Wirkung weit auseinanderliegen. Die australische Zwischenbilanz liefert damit nicht nur ein Urteil über ein nationales Gesetz, sondern könnte auch zur Bewährungsprobe für ähnliche Vorhaben in Europa werden

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