Wie die „Hilfe“ der Gates-Stiftung in Afrika eine gewaltige Katastrophe auslöste

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Der Versuch der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, Malaria in Afrika durch die Verteilung von Moskitonetzen zu bekämpfen, soll nach Angaben des Biologen Forrest Galante eine der schwerwiegendsten ökologischen Fehlentwicklungen in der Region ausgelöst haben. Im Podcast von Joe Rogan schilderte Galante eindringlich, was seiner Ansicht nach im Cahora-Bassa-Delta – dem Herzen des Sambesi-Tals und einem der fischreichsten Süßwassergebiete der Welt – schiefgelaufen ist.

Ein gut gemeinter Plan mit verheerenden Folgen

Mit einer groß angelegten Kampagne verteilte die Gates-Stiftung Millionen von Moskitonetzen an die Bevölkerung in Afrika, um die Ausbreitung der Malaria einzudämmen. Auf dem Papier galt das Projekt als humanitäre Erfolgsgeschichte. Vor Ort entwickelte sich jedoch eine ganz andere Realität.

Wie Galante berichtet, nutzten viele Dorfgemeinschaften rund um das Cahora-Bassa-Delta die Netze nicht zum Schutz vor Mücken, sondern zum Fischfang. Was zunächst wie eine pragmatische Entscheidung aus der Not erscheint, entwickelte sich zu einem massiven ökologischen Problem.

Warum Moskitonetze zur Gefahr für Fischbestände werden

Moskitonetze besitzen ein extrem feinmaschiges Gewebe, das selbst kleinste Mücken abhält. Genau diese Eigenschaft macht sie jedoch auch zu äußerst effizienten Fischernetzen. Sie fangen nicht nur ausgewachsene Tiere, sondern auch Jungfische und Fischlarven.

Das Cahora-Bassa-Delta ist eines der wichtigsten Laichgebiete des Sambesi-Systems – eine Kinderstube für zahlreiche Fischarten, die später das gesamte Flusssystem besiedeln und Millionen Menschen mit Nahrung versorgen. Werden dort massenhaft Jungfische gefangen, bevor sie sich fortpflanzen können, brechen die Bestände langfristig zusammen.

Malaria war für viele nicht das dringendste Problem

Galante weist zudem auf einen Aspekt hin, der seiner Meinung nach in westlichen Debatten häufig ausgeblendet wird: Die lokalen Gemeinschaften verfügten bereits über eigene Strategien zur Eindämmung der Malaria. Dazu gehörten Rauch, Feuerstellen in den Häusern sowie über Generationen weitergegebene Verhaltensweisen.

Malaria werde zwar als ernstzunehmendes Risiko wahrgenommen, sei für viele Menschen jedoch nicht das drängendste Problem ihres Alltags. Hunger habe oftmals eine deutlich höhere Priorität. Genau dieses Problem sei durch die zweckentfremdete Nutzung der Moskitonetze sogar verschärft worden, weil die langfristige Nahrungsgrundlage zerstört werde.

Kritik am westlichen Philanthropiemodell

Für Galante liegt das eigentliche Problem jedoch tiefer. Er kritisiert eine Form westlicher Entwicklungshilfe, bei der Lösungen in Konferenzräumen – etwa in Seattle oder Davos – entworfen würden, ohne die Lebensrealität der betroffenen Menschen ausreichend zu berücksichtigen.

Wer Menschen, deren größte Sorge der tägliche Hunger ist, Moskitonetze übergibt, müsse damit rechnen, dass diese Netze als Fischernetze genutzt werden. Aus Sicht der Bevölkerung ist dies eine rationale Entscheidung, um das unmittelbare Überleben zu sichern.

Nach Galantes Einschätzung handelt es sich dabei nicht um einen Einzelfall. Vielmehr sei dieses Muster bei zahlreichen westlichen Projekten in Afrika zu beobachten. Ob Landwirtschaft, Impfprogramme oder Infrastrukturmaßnahmen – immer wieder würden lokales Wissen und bestehende Strukturen zugunsten externer Konzepte verdrängt. Die Folgen müssten letztlich die Menschen vor Ort tragen.

Das Problem ist wissenschaftlich dokumentiert

Galantes Schilderungen stützen sich nicht nur auf persönliche Beobachtungen. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen seit Jahren, dass die Nutzung von Moskitonetzen als Fischernetze in afrikanischen Binnengewässern ein wachsendes ökologisches Problem darstellt.

Studien in der Fachzeitschrift PLOS One sowie Berichte der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) dokumentieren, dass diese Netze Fische wahllos fangen, aquatische Ökosysteme schädigen und die Ernährungssicherheit vieler Gemeinden gefährden.

Auch der WWF hat in Berichten über das Sambesi-Becken vor dem Rückgang der Süßwasserfischbestände sowie vor dem zunehmenden Druck auf diese empfindlichen Ökosysteme gewarnt. Galantes Aussagen stehen damit im Einklang mit Problemen, die von Wissenschaftlern und internationalen Organisationen seit Jahren beschrieben werden.

Die Programme laufen dennoch weiter

Besonders kritisch bewertet Galante, dass die Verteilung der Moskitonetze trotz dieser bekannten Problematik fortgesetzt werde. Er schildert, wie Menschen die Netze entgegennehmen und unmittelbar anschließend zum Wasser gehen, um sie zum Fischfang einzusetzen. Die Netze gelangen nach seiner Beobachtung häufig nie in die Häuser.

Dennoch würden die Programme unverändert weitergeführt. In Pressemitteilungen würden weiterhin Millionen verteilter Moskitonetze als Erfolg ausgewiesen, während Spender die hohen Verteilungszahlen als Beleg für wirksame Entwicklungshilfe werteten.

Aus Sicht Galantes zeigt dieser Fall ein grundlegendes Problem moderner Philanthropie: Messbare Kennzahlen – etwa die Anzahl verteilter Moskitonetze oder ausgegebener Fördergelder – werden häufig mit tatsächlicher Wirkung gleichgesetzt. Die möglichen negativen Folgen für Ökosysteme und Ernährungssicherheit erscheinen hingegen in den Erfolgsbilanzen kaum oder gar nicht.

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