Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Noch hält der Bund 12 Prozent an der Commerzbank. Geht es nach Aufsichtsratschef Jens Weidmann bleibt das auch vorerst so. Er will den Staat als aktiven Aktionär in der Übernahmephase
Aus Sicht von Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann sollte der Bund vorerst Aktionär bei der Commerzbank bleiben. „Die Beteiligung war Teil einer Rettungsmaßnahme, deshalb sollte sich der Bund perspektivisch zurückziehen“, sagte Weidmann der „Süddeutschen Zeitung“. „In der aktuellen Phase macht es aber Sinn, dass der Bund weiter Aktionär bleibt, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten“, so Weidmann mit Blick auf das Übernahmeringen mit der italienischen Unicredit. Auch Unicredit-Chef Andrea Orcel hatte kürzlich erklärt, es könne hilfreich sein, wenn der Bund vorerst an Bord bleibe.
Der Bund ist seit der Finanzkrise an der Commerzbank beteiligt. Als er vor zwei Jahren einen Teil verkaufte, nutzte Unicredit dies zum Einstieg. Derzeit hält der Bund noch rund 12 Prozent an der Commerzbank und ist damit zweitgrößter Aktionär nach der italienischen Großbank. Die Unicredit, die im Mai ein Angebot für die Commerzbank vorgelegt hatte, hat sich den Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile gesichert. Der Bund hat bisher einen Verkauf seiner Anteile abgelehnt. Zuletzt gab es aber Spekulationen, wonach die Bundesregierung offen für einen Ausstieg sein könnte, sofern sich beide Banken im Übernahmeringen auf eine gemeinsame Strategie verständigen sollten.
Zugleich forderte Weidmann eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts. Der Einstieg der Unicredit bei der Commerzbank werfe Fragen auf. Von den rund 73 Prozent der Commerzbank-Aktien, die der Unicredit hätten angedient werden können, seien nur knapp 18 Prozent angedient worden. Groß- und Privatanleger hätten sich daran mit weniger als drei Prozent beteiligt, der Rest entfalle auf mit Unicredit verbundene Banken, sagte Weidmann. „So konnte Unicredit mit einem finanziell unattraktiven Angebot eine Mehrheit erreichen, ohne eine angemessene Kontrollprämie zu bezahlen. Das wirft Fragen zum Übernahmerecht in Deutschland auf, das sich der Gesetzgeber vielleicht anschauen sollte.“
Zugleich warnte der frühere Bundesbank-Präsident vor massiven Einschnitten bei der Commerzbank im Inland. Um nach den Plänen von Unicredit binnen zwölf Monaten 1,3 Mrd. Euro einzusparen, müsse auch in Deutschland stark gekürzt werden. Dennoch bot er Unicredit-Chef Orcel strategische Gespräche an. Nach der langen Übernahmeschlacht müsse zunächst wieder Vertrauen entstehen, so Weidmann. Zuletzt hatte es zwischen Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lediglich einen Austausch auf technischer Ebene gegeben.