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Die hohen Umfragewerte für die Partei AfD verschrecken Investoren, sagt Kapitalmarktstratege Martin Lück von Franklin Templeton. Das liege insbesondere an deren Ideen zur Migration
Wahlerfolge der AfD könnten nach Ansicht eines renommierten Kapitalmarktexperten schwerwiegende wirtschaftliche Folgen haben: „Die AfD ist eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagte am Mittwoch während eines Pressegesprächs in Frankfurt Martin Lück, Chef-Kapitalmarktstratege für Deutschland und Österreich bei der Fondsgesellschaft Franklin Templeton. Lück gilt als einer der erfahrensten Kapitalmarktexperten in Frankfurt und hat zuvor unter anderem für Blackrock gearbeitet.
Lück machte die Aussage vor dem Hintergrund der aktuellen Umfragewerte, die eine Alleinregierung oder Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen-Anhalt ab Herbst möglich erscheinen lasse. Der dortige Landesverband wird vom Verfassungsschutz des Bundeslandes als „gesichert rechtsextreme Bestrebung“ gewertet.
Lück zufolge erwägen Unternehmen bereits jetzt angesichts der Stärke der AfD, Investitionen in ostdeutschen Bundesländern zu kürzen oder zu streichen. Ein Hauptgrund dafür sei „das von der AfD geschürte Maß an Ausländerfeindlichkeit“. Dies lasse Investoren aus Asien oder auch den USA davor zurückschrecken, Mitarbeiter an ostdeutsche Standorte zu entsenden. Es gehe aber nicht nur um Entsendungen, sondern auch um den Fach- und Arbeitskräftemangel vor Ort. „Wir sind in Deutschland auf Migration angewiesen“, betonte Lück.
Dazu kommt laut Lück ein „unausgegorenes“ Wirtschaftsprogramm der Partei. Sie mache ihren Wählern viele Versprechungen, lasse aber vollkommen unklar, wie diese überhaupt finanziert werden sollen.
Lück beobachtet mit Sorge, dass auch in anderen europäischen Ländern rechtspopulistische Bewegungen an die Macht drängen. Allerdings gebe einen großen Unterschied etwa zu Reform UK in Großbritannien oder dem Rassemblement National (RN) in Frankreich. Die AfD sei nicht nur wie diese rechtsnational ausgerichtet, sondern viel radikaler. Sie setze sich nicht „differenziert mit der Vergangenheit“ auseinander und erlaube „zu viele Bezüge zum Nationalsozialismus“. Dass sich sogar der RN von der AfD distanziere, „spricht Bände“.
Den Start zu einer großen Rentenreform in Deutschland begrüßte Lück unterdessen. Diese werde die AfD bei den Wahlen im Herbst zunächst nicht aufhalten, aber es sei gut, „dass die Regierung ins Handeln kommt“.
Wichtig sei jetzt, dass die Reformen „nicht zerlegt oder verwässert“ werden. „Wenn die Regierung diese Reform schafft, wäre das ein gutes Zeichen“, sagte Lück. „Das würde zeigen: Wir sind mit diesem Land noch nicht am Ende.“
Beim Altersvorsorgedepot will Franklin Templeton mit einem eigenen Angebot starten. Wie alle anderen Anbieter werde man wohl erst zum 1. Januar live gehen können, sagte Deutschland- und Österreich-Geschäftsführer Christian Machts. Zwischen Parlamentsbeschluss und Start liege verhältnismäßig wenig Zeit, und die Materie sei im Detail recht kompliziert zu programmieren.
Für Anleger rechnet Machts dann aber mit vielen günstigen Angeboten. Er erwarte „den brutalsten Wettbewerb in der Finanzbranche seit Langem“, auch weil schon jetzt riesige Marketingbudgets bereitstünden. „Wir werden ein hochaggressives Pricing sehen“, betonte Machts. Es würden Produkte mit Kosten von weniger als 20 Basispunkten auf den Markt kommen, während das Gesetz eine Obergrenze von 100 Basispunkten für Standardprodukte vorschreibe.
Entscheidend seien für die Branche die ersten 18 Monate, in denen sich die Gewinner herausbildeten. Diese seien dann auch im Vorteil, wenn etwa das Altersvorsorgedepot mit der betrieblichen Altersvorsorge verknüpft würde.