Konjunktur: Die deutsche Wirtschaft hält sich im Schatten des Irankriegs stabil

Die Konjunktur in Deutschland zeigt sich angesichts der vielen Krisen robuster als befürchtet. Gleichzeitig warnen Ökonomen vor neuen Risiken durch Energiepreise, Zölle und das Niedrigwasser am Rhein

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Die Konjunktur in Deutschland zeigt sich angesichts der vielen Krisen robuster als befürchtet. Gleichzeitig warnen Ökonomen vor neuen Risiken durch Energiepreise, Zölle und das Niedrigwasser am Rhein

Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr trotz der Belastungen durch den Irankrieg das dritte Quartal in Folge gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von April bis Juni dank höherer Exporte um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet. Im Schlussquartal 2025 reichte es zu einem Wachstum von 0,3 Prozent, in den ersten drei Monaten 2026 zu einem Plus von 0,4 Prozent: Beide Werte wurden leicht nach oben korrigiert.

Die Ende Februar begonnenen Angriffe der USA und Israels auf den Iran haben die Ölpreise in die Höhe getrieben und Unternehmen wie Verbraucher viel Geld gekostet. „Die Konsumausgaben entwickelten sich den vorläufigen Erkenntnissen nach verhalten, die Investitionen gingen zurück“, betonten die Statistiker. Dafür nahmen die Exporte im Frühjahr zu. Der Bundesbank zufolge könnten die deutschen Exporteure davon profitiert haben, dass ihre internationalen Wettbewerber – vor allem in Asien – stärker von kriegsbedingten Engpässen bei Vorprodukten betroffen waren.

Rezession ist unwahrscheinlich

„Im Schatten des Irankriegs hat sich die deutsche Wirtschaft gut gehalten“, kommentierte der Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, Alexander Krüger, die Entwicklung. „Der seit Ende der Coronapandemie aufgelaufene Wachstumsrückstand zu anderen Ländern bleibt aber hoch.“ Wie es in der zweiten Jahreshälfte weitergeht, hängt vor allem vom Irankrieg ab. „Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten beruhigen, dürfte Deutschland im Jahresverlauf solide wachsen“, erwartet Ökonom Michael Herzum vom Fondsanbieter Union Investment. „Kommt es hingegen erneut zu dauerhaft höheren Energie- und Rohstoffkosten, fällt der Aufschwung schwächer aus.“ Eine Rezession sei aber selbst in diesem Risikoszenario unwahrscheinlich.

Die jüngsten Konjunkturdaten wiesen zuletzt alle nach oben. Industrieaufträge, Produktion, Exporte, Baugenehmigungen und Einzelhandelsumsatz zogen jeweils an. In der Industrie sind die Auftragsbücher mittlerweile so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn der Statistik 2015. Auch die Reichweite des Auftragsbestands liegt mit 8,9 Monaten auf Rekordniveau. „Im Schatten des Krieges im Nahen Osten zeichnet sich endlich eine Trendwende in der deutschen Industrie ab“, sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

Gestützt wird die Konjunktur auch von der Politik. Sie steckt Milliarden in Infrastruktur und Rüstung. Auch deshalb hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft im Juli bereits den dritten Monat in Folge aufgehellt, wie das Ifo-Institut bei seiner Umfrage unter 9000 Managern aller Branchen herausfand. Allerdings: Das Barometer liegt mit 86,6 Zählern immer noch deutlich unter dem unmittelbar vor Ausbruch des Irankriegs im Februar erreichten Wert von 88,5 Punkten. „Die deutsche Wirtschaft ist bereit, Schwung aufzunehmen“, sagt Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe. „Für die Gesamtwirtschaft zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend ab.“

Die Konjunkturrisiken nehmen zu

Große Risiken bleiben allerdings. So ist der Iran-Konflikt in den vergangenen Tagen wieder aufgeflammt und hat den Ölpreis zeitweise über die Marke von 100 Dollar je Fass getrieben. Die Konjunktur dürfte deshalb auch im zweiten Halbjahr unter den hohen Energiepreisen leiden. Hinzu kommen hohe US-Zölle und die zunehmende Konkurrenz durch China, etwa bei Autos und Maschinen. „Mit Blick auf das zweite Halbjahr nehmen die Konjunkturrisiken zu“, betonte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Auch das Niedrigwasser am Rhein kann Experten zufolge die deutsche Wirtschaftsleistung drücken. „Insgesamt könnten die Effekte stark genug sein, um das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent zu dämpfen“, sagte Ökonom Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Für das Gesamtjahr sieht es deshalb mau aus: Die meisten Experten rechnen nur mit einem Wachstum von etwa einem halben Prozent. Erst für 2027 sind die Prognosen optimistischer: Dann soll ein Plus von deutlich mehr als einem Prozent drin sein. 

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