Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Ein Upgrade in die First Class, ein Helikopterflug ins Delta und eine Lodge, die Naturschutz zum Erlebnis macht: Diese Reise ins Okavangodelta ist alles außer gewöhnlich
Meinen Flug nach Johannesburg hatte ich lange im Voraus gebucht – mit Fensterplatz, damit ich bereits beim Anflug auf die Stadt Erinnerungen an meine Zeit in Südafrika wachrufen könnte. Am Gate dann die Durchsage, die kein Reisender hören will: „Herr Rath, bitte kontaktieren Sie den Counter.“ War die Maschine überbucht? Müsste ich mit einem Sitz am Gang vorlieb nehmen? Am Schalter lächelte mich die Mitarbeiterin an: „Sie bekommen ein Upgrade, auf 3K“. In die First Class, samt handgeschriebener Abschiedskarte der Crew. Das ist mir in 40 Jahren Fliegerei noch nie passiert. Von Johannesburg flog ich weiter nach Botswana und landete auf dem Maun International Airport. Passkontrolle, Gepäckabholung und Zoll dauern dort insgesamt nur 25 Minuten.
Statt der klassischen Pirschfahrt erwartet mich in Afrika diesmal eine andere, fast schon meditative Form des Tourismus. Ich reise mit Great Plains Conservation, einer Organisation für Umweltschutz und Ökotourismus. Die Idee dazu hatten die Naturschützer und preisgekrönten „National Geographic“-Filmemacher Dereck und Beverly Joubert, deren ausgezeichneter Ruf die Glaubwürdigkeit und den Erfolg von Great Plains ausmacht.
Die Jouberts wollten verhindern, dass Gebiete ohne wirtschaftliche Perspektive anderen Zwecken, oftmals dem Raubbau, weichen müssten. Also entwickelten sie eigene Safari-Lodges, so klein wie luxuriös. Nicht auf Basis einer NGO, sondern nach den Prinzipien eines „Conservation Tourism“: sehr wenige Gäste, hohe Preise, minimale ökologische Belastung und maximale Finanzierung von Schutzgebieten. Heute verwaltet das Unternehmen rund 650.000 Hektar in Afrika – eine Fläche zweieinhalbmal so groß wie das Saarland.
Das persönlichste Projekt des Ehepaars Joubert ist die 2023 eröffnete Lodge Relais & Châteaux Sitatunga Private Island, eingebettet in die Wildnis des Okavangodeltas. Dereck Joubert entwickelte das Konzept, seine Frau verantwortete die Inneneinrichtung. Schon die Anreise ist ein Höhepunkt. Im Helikopter fliegen wir über glitzernde Wasserlandschaften hinweg ins Camp. Hätte ich mehr Zeit und wäre der Wasserstand günstig, dann wäre auch eine Fahrt im Motorboot auf dem Okavango möglich.
Dass ihre Lodges für die Jouberts Teil einer größeren, sinnstiftenden Mission sind, ist im Sitatunga deutlich spürbar. Die Privatinsel erweckt den Eindruck, als hätte Robinson Crusoe einen Stararchitekten engagiert. Maximal acht Gäste finden Platz in den zwei großzügigen, zeltartigen Suiten und der separaten Familiensuite.
Inspiriert von den traditionellen, trichterförmigen Fischkörben der einheimischen Bayei-Fischer thronen die Wohnstätten wie edle Kokons in den Baumkronen – auf erhöhten Holzterrassen aus alten Eisenbahnschwellen. Bei ihrem Bau wurde kein frisches Holz geschlagen, nirgends kamen Kunststoffe zum Einsatz. Stattdessen erzählen die Interieurs von der Natur: Neblige Grüntöne mischen sich mit von der Sonne ausgebleichten Hölzern und edlem Leder. Dazu gibt es eine prachtvolle Kupferbadewanne – ohne Löwenfüße.
Fantastisch für alle (Hobby-)Fotografen: Jede Suite ist mit einer Canon-Profikamera nebst hochwertiger Objektive und Ferngläsern von Leica ausgestattet, die kostenlos genutzt werden können. Die Aufnahmen werden bei Abreise in die Cloud geladen als Souvenir zum Download.
Ein Alleinstellungsmerkmal des Relais & Châteaux Sitatunga Private Island: Es gibt keine klassischen „Game Drives“ im Geländewagen. Das Camp ist auf Safaris zu Fuß und auf dem Wasser spezialisiert. Das maßgefertigte Fotoboot ist mit bequemen Drehstühlen ausgestattet. Darin gleiten wir lautlos vorbei an Papyrusstauden und Seerosenteppichen. Wieder habe ich Glück: Eine der seltenen Sitatunga-Antilopen, Namensgeberin der Lodge, taucht vor meinem Objektiv auf.
Der Okavango gibt den Rhythmus meines Aufenthalts vor, und ich gebe mich seiner langsamen Beständigkeit hin. Die Tage sind bestimmt von Ausflügen im Einbaum-Kanu, Fuß-Safaris auf einsamen Inseln und Catch-and-Release-Angeln.
Die kulinarische Seite des Sitatunga wird auf höchstem Niveau zelebriert, so wie es für ein Mitglied der Vereinigung Relais & Châteaux, zu der auch Gourmetrestaurants gehören, typisch ist. Die Spitzenköche servieren maßgeschneiderte, teils pflanzenbasierte Menüs wahlweise auf dem privaten Deck, an der offenen Feuerstelle oder auf dem Boot.
Fazit: Die Lodge der Jouberts ragt heraus, weil sie Naturschutz, nachhaltige Architektur und Gastfreundschaft erlebbar macht – im Herzen des Okavangodeltas.
Lassen Sie sich von einem Guide im Einbaum-Kanu (Mokoro) zu den Dörfern am Rande des Flussdeltas begleiten. Hier erhält man spannende Einblicke in die Flechtkunst der Bayei-Fischer, deren Körbe auch die Lodge schmücken.