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Dell, Nokia und Co.: Warum die Aktien-Stars der 90er-Jahre sich zurückmelden

Lange fristeten die Aktien von Dell, Nokia und Cisco ein Schattendasein, nun kehren die einstigen Börsenchampions zurück – und verblüffen selbst Star-Analysten

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Lange fristeten die Aktien von Dell, Nokia und Cisco ein Schattendasein, nun kehren die einstigen Börsenchampions zurück – und verblüffen selbst Star-Analysten

Baggy Jeans, Crop-Tops, Slip-Dresses – modisch sind die 90er-Jahre wieder da. Aber nicht nur auf den Straßen feiert das Jahrzehnt ein Comeback. Auch am Börsenparkett erleben Werte aus der Dotcom-Zeit einen plötzlichen Höhenflug. Die Aktien von Nokia, Dell, Lenovo und Cisco legten in den vergangenen Wochen eine regelrechte Rally hin – mit Kursanstiegen von bis zu 240 Prozent seit Jahresbeginn.

Die Rally könnte noch einige Zeit weitergehen, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privatkunden Deutschland bei der Deutschen Bank. „In den Neunzigern hatten wir eine Kursblase, jetzt steigen die Gewinne. Teilweise sogar stärker als die Kurse. Diese Gewinne treiben die Börsen, nicht mehr nur die Versprechen der KI-Unternehmen.“ Der Unterschied zu den Neunzigern im Moment: Die Blase geht auf harte Zahlen zurück.

Dabei schienen die großen Zeiten von Firmen wie Dell oder Cisco schon vorbei. Gemeinsam mit Microsoft und Intel galten Cisco und Dell in den späten 1990er-Jahren als „Four Horsemen“, als Treiber der Dotcom-Blase. Als die im März 2000 platzte, stürzten auch deren Kurse massiv ab – nur Microsoft schaffte den Wandel zum modernen Techkonzern und ist heute Teil der inoffiziellen Nachfolger, der „Magnificent Seven“. Die anderen „Horsemen“ dagegen fristeten ein Schattendasein, Dell zog sich zwischen 2013 und 2018 gar von der Börse zurück.

Dell: Analyst muss Fehler eingestehen

Doch seit einigen Wochen erleben die Werte ein Comeback. Insbesondere die Aktie von Dell beeindruckt Analysten – so sehr, dass manch einer sogar Fehler eingestehen muss. „Unsere bisherige These war falsch“, schreibt Erik Woodring, Analyst bei Morgan Stanley, in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung. Das Kursziel für Dell hob die US-Investmentbank von 170 auf 448 US-Dollar an. Laut Woodring erhält Dell „besseren Zugang zu Speicherchips (und besseren Preisen) als viele Wettbewerber im Unternehmenssektor“. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um mehr als 245 Prozent zugelegt, bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) basierend auf den letzten zwölf Monaten von 34,70.

Dell selbst äußerte sich bei der Vorlage seiner Quartalszahlen sehr optimistisch für die Zukunft: Die Konzernerlöse sollen 2026/2027 voraussichtlich zwischen 165 und 169 statt 138 und 142 Mrd. Dollar liegen, teilte der Konzern vergangene Woche mit. Der bereinigte Gesamtjahresgewinn werde auf 17,90 Dollar je Aktie statt auf 12,90 Dollar steigen. Wichtigster Treiber der Zahlen: die steigende Nachfrage nach Hochleistungsrechnern für Künstliche Intelligenz. Die Prognosen für den Umsatz in diesem Geschäft hob Dell um 20 Prozent auf 60 Mrd. Dollar an.

Nokia: Milliardeneinstieg von Nvidia

Dell ist nicht der einzige Altstar, der vom KI-Boom profitiert. Auch die Aktie von Nokia stieg zuletzt kräftig, seit Jahresbeginn um mehr als 160 Prozent. Das finnische Unternehmen hat sich vom Telekomausrüster zu einem wichtigen Teil der KI-Infrastruktur gewandelt. Zuletzt sorgte der Milliardeneinstieg des Chipherstellers Nvidia für Schlagzeilen, der zum zweitgrößten Nokia-Aktionär aufsteigt. 

Schon jetzt baut Nokia weltweit Serverfarmen, um den steigenden Bedarf an Rechenkapazitäten für KI zu decken. Die Umsatzziele im Geschäft mit Cloud-Anbietern und KI-Entwicklern hob Nokia-Chef Justin Hotard vergangene Woche auf ein jährliches Wachstum von 27 Prozent bis 2028 an – zuvor waren es 16 Prozent gewesen. Für Anleger ist die Nokia-Aktie mit einem KGV von 106,18 allerdings teuer.

„Werte im KI-Umfeld steigen im Moment sehr stark“, sagt Ulrich Stephan von der Deutschen Bank. „Das sind nicht nur Chips, sondern auch KI-Infrastrukturwerte wie Kabel, Strom und Stromspeicher. Die KI-Unternehmen investieren, auch weil niemand im internationalen Wettbewerb zurückfallen will.“ Außerdem berichteten die Unternehmen inzwischen über echte Profitabilität und Produktivitätsvorschritte durch KI, die Nutzung von Tokens sei stark gestiegen. „Es geht nicht mehr darum, mit Large Language Models zu spielen, KI geht in echte Produktivität über.“

Cisco: Auf dem Weg zum Spitzenwert

Und das zieht ehemalige Tech-Börsenstars wie Cisco oder Lenovo mit. Im Jahr 2000 galt der Netzwerktechnologiehersteller kurz als das weltweit wertvollste Unternehmen. Heute ist Cisco auf einem guten Weg, seinen bisherigen Spitzenwert aus dem Jahr 2000 zu überbieten. Seit Jahresbeginn stieg der Kurs um mehr als 66 Prozent, die Marktkapitalisierung beträgt rund 505 Mrd. Dollar. Die Dividende liegt bei 1,31 Prozent, das KGV für die letzten zwölf Monate bei 42,67. Cisco hob im Mai die Jahresprognose für Aufträge im Bereich KI-Infrastruktur an. Zudem will das Unternehmen rund 4000 Stellen streichen.

Der chinesische Computerhersteller Lenovo legte im Mai die beste Monatsperformance seit mehr als einem Vierteljahrhundert hin, seit Jahresbeginn stieg der Wert um mehr als 182 Prozent. Zwar geht das klassische PC-Geschäft zurück, doch schon jetzt stammen rund 40 Prozent des Umsatzes aus dem Geschäft mit KI-Produkten und -Dienstleistungen. Zuletzt hob Goldman Sachs das Kursziel an. Zu Wochenanfang sorgte die Ankündigung von Nvidia-Chef Jensen Huang für Rückenwind, in den Markt für PC-Prozessoren einzusteigen. 

Auch andere Unternehmen wie Micron Technology und dem früheren Chip-Primus Intel berichten seit Jahresbeginn über starke Kursanstiege. So bald dürfte der Höhenflug nicht enden – auch wenn es Risikofaktoren gibt, wie die sich verkürzenden Innovationszyklen oder internationale Handelskonflikte. 

„Die Welt wird sich sehr stark ändern“, sagt Ulrich Stephan. „Im Moment ist KI-Infrastruktur gefragt. Allerdings geht die Entwicklung ja bereits in Richtung Automatisierung und Robotik. Durch wen und wann es nicht nur hier zur Disruption kommt, ist noch nicht entschieden.“

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