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Iran-Deal: Frieden oder Falle? | Von Hermann Ploppa

Iran-Deal: Frieden oder Falle? | Von Hermann Ploppa

Die USA würden bei Annahme der jetzigen Vertragsentwürfe eine schmerzhafte Niederlage eingestehen müssen – ein kaum zu reparierender Prestigeverlust. Kann das ein?

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Apolut 20260618 SP Donnerstag
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Iran-Deal: Frieden oder Falle? | Von Hermann Ploppa

Die Absichtserklärung zwischen USA und Iran – Ernst gemeint oder lediglich Atempause?

Die USA würden bei Annahme der jetzigen Vertragsentwürfe eine schmerzhafte Niederlage eingestehen müssen – ein kaum zu reparierender Prestigeverlust. Kann das ein?

Ein Standpunkt von Hermann Ploppa.

Wir halten mal wieder den Atem an. Dass wir das noch erleben. Da sickert in der Presse ein Vertragsentwurf zwischen den USA und Iran durch, der einem Kotau der USA gleichkäme. Wir wissen nichts bestimmtes. Aber aus diversen Informationsfetzen sickern Details einer Waffenstillstandsvereinbarung durch. Wir müssen die Puzzleteile einstweilen sorgfältig zusammenfügen.

Zunächst einmal ist klar, dass es hier nicht um einen Friedensvertrag geht. Die offiziell verkündete Feuerpause soll um zwei Monate verlängert werden. In der Zeit soll eventuell ein Friedensvertrag ausgearbeitet werden (1). Wenn jene 60 Tage „Waffenruhe“ in etwa so beschaulich ablaufen wie die Wochen zuvor, dann können wir uns auf allerlei Scharmützel einstellen. Es ist also alles ziemlich unverbindlich und die Waffenruhe löchrig wie ein Schweizer Käse. Trotzdem sind die durchgestochenen Details alles andere als schmeichelhaft für die USA. Da ist die Rede davon, die in den USA eingefrorenen iranischen Guthaben freizugeben (2). Dabei ist von etwa 24 Milliarden US-Dollar die Rede, die die USA widerrechtlich für sich als Zinsen bringendes Kapital einsetzen können. Die USA lockern zudem die Sanktionen iranischer Ölexporte, was den finanziellen Spielraum des Irans erheblich erweitern würde.

Außerdem sollen nun tatsächlich irgendwoher sage und schreibe 300 Milliarden Dollar aufgetrieben werden, um den Wiederaufbau des Iran zu finanzieren (3). Klugerweise haben die USA gleich klargestellt, dass das Geld keinesfalls aus ihrem Staatssäckel kommen soll. Vielmehr sollen dafür private Investoren, vornehmlich aus der Golfregion nebst milliardenschweren Scheichs herangezogen werden. Man reibt sich die Augen. Die USA als Schirmherren eines Wirtschaftswunders im Iran? Eines Iran, in dem doch Leute die Herrschaft ausüben, die die US-Strategen zuvor noch durch einen bombensicheren Regime Change ausradieren wollten?

Nun, in den nächsten Tagen wird sich der Nebel um diese Fakten auflösen. Der Zorn im pro-israelischen Zirkel von Washington wird so langsam größer. Die israelische Regierung hat schon klar gemacht, dass sie sich nicht an die US-iranischen Vereinbarungen halten wird. Der Völkermord soll unvermindert weitergehen – ungeachtet der Gerüchte, dass ein USA-Iran-Paket auch eine Beendigung der Bombardierungen des wehrlosen Südlibanon umfassen soll.

Und zu was verpflichtet das Memorandum den Iran? Genau genommen zu gar nichts. Der Iran soll keine Atombomben bauen – was er sowieso nicht vorhat. Auch Urananreicherung soll der Iran herunterfahren (4). Geschenkt. Der Iran hat sich dem Reglement der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA schon seit Jahrzehnten unterworfen und lässt regelmäßige Visiten der internationalen Atomwächter zu. Ganz im Gegensatz zu Israel. Das ist der IAEA niemals beigetreten und besitzt schätzungsweise 200 Atombomben. Seltsamerweise nimmt die internationale Gemeinschaft daran keinerlei Anstoß. Warum nur?

Der Iran wird die Meerenge von Hormus wieder freigeben. Dafür lassen die USA iranische Schiffe wieder passieren. Der Iran wird für die Durchfahrt von Transportschiffen durch seine territorialen Gewässer keinen Zoll erheben. Das darf er nach internationalem Seerecht auch gar nicht. Aber das Memorandum akzeptiert, dass der Iran „Gebühren“ für die freie Passage erhebt. Nennt es Zoll oder Gebühren – es strömt jedenfalls jetzt neues Geld in die iranischen Staatskassen, die vor dem Krieg nicht als Einnahmequellen zur Verfügung standen.

Wie nennt man so etwas? Das kann man eigentlich nur als Eingeständnis einer US-amerikanischen Niederlage in diesem Krieg verstehen. Ich weiß nicht, wie Trump mit so einem Waterloo bei den Midterm Elections im November bestehen will.

Oder ist das alles doch ganz anders gemeint?

Bislang jedenfalls ist es noch nie vorgekommen, dass Großbritannien oder die USA sich an bilaterale Vereinbarungen gehalten haben. Vielmehr ist es so, dass für diese Fraktion Verträge ausdrücklich nur dazu da sind, um gebrochen zu werden. Wir brauchen uns hier nur an den vorletzten Krieg zwischen USA und Israel gegen den Iran im Sommer 2025 zu erinnern. Da waren die iranischen Unterhändler zu einer Verhandlungspause mit den USA zur Erholung ins Wochenende nach hause geflogen. Kaum befanden sie sich in ihren Wohnungen im Iran, wurden die iranischen Unterhändler mit amerikanischen Präzisionsschlägen mitsamt ihrer Familie mal eben so ausgelöscht. Eine militärische Glanzleistung. Und eine Bestleistung an menschlicher Niedertracht und Wortbrüchigkeit. Jetzt, in diesem Krieg, hatten die verbliebenen iranischen Regierungsmitglieder hochrangige Psychiater zu Rate gezogen, die den mentalen Zustand des regierenden US-Präsidenten analysieren sollten (5). Anscheinend hat diese psychiatrische Expertise geholfen, bei den Verhandlungen mit dem diplomatischen Amateur Trump größere Landgewinne zu erzielen.

Nun ja. Nehmen wir einmal an, das Memorandum of Understanding zwischen den USA und dem Iran wäre ernst gemeint. Dann kämen zwei plausible Motive in Frage:

  1. Die Unterbrechung der Lieferketten hat schon jetzt schwerwiegende Folgen für Täter und Opfer. Die Ölreserven in den USA gehen zur Neige. Die Ölpreise haben eine Inflation angeheizt. Gleichzeitig könnte der geschmälerte Geldbeutel der einfachen Leute zu einer Wirtschaftsdepression führen, vielleicht sogar wie 2008 oder gar wie 1929. Dabei bleibt oft unerwähnt, dass die Unterbrechung der Lieferketten gerade in asiatischen Ländern besonders schmerzhaft ist (6). Aber wenn Trump bei seiner Klientel in den USA nicht liefert, ist sein politisches Ende nicht fern. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass Argumente ökonomischer Vernunft Trump und seiner Sippe unbekannt sind – außer wenn es um den eigenen Vorteil geht – könnte doch mal ein Lichtblick im Hirn dieser Kleptokraten erschienen sein.
  2. Die Scheichs in der Golfregion sind da schon etwas aufgeklärter, so paradox das auch klingen mag. Sie haben US-amerikanische Militärbasen auf ihrem Territorium geduldet, damit ihre eigene Herrschaft mit harter Macht dauerhaft erhalten bleiben möge. Nun haben die Iraner von 18 US-Militärbasen mindestens 13 Basen pulverisiert und die amerikanische Besatzung zur Flucht in Hotels gezwungen. Dabei gingen dann auch arabische Besitztümer in Flammen auf. Sicherheitsarchitektur haben sich die Wüstensöhne gewiss anders vorgestellt. Sie müssen sich jetzt nolens volens mit dem Iran arrangieren. Und zwar mit einem stabilisierten Iran, von wo keine Aufstände und Ähnliches ausgehen.

Und nun die vertragsbrüchige Variante

Dass die USA und ihre Verbündeten lediglich eine Verschnaufpause bis zum nächsten Waffengang erschleichen wollen.

  1. Also: Donald Trump kann jetzt eigentlich gerade keinen Stress gebrauchen. Und schon gar keine Fernsehbilder von Zinksärgen, gefüllt mit US-amerikanischen Soldaten, die in Nahost gefallen sind. Denn jetzt hatte Trump gerade seine Geburtstagsfeier zu seinem Achtzigsten. Diese Feier fiel sozusagen altrömisch aus, mit Gladiatorenkämpfen. Zwar wurde kein Kämpfer mit dem Schwert seines Lebens entkleidet, aber das Ultimate Fighting Championship enthält alle Variationen, wie sich brutale Kerle gegenseitig kaputt hauen können. Und auch wieder ging es nur ums Geldverdienen: Trumps großzügige Sponsorin, die Box-Unternehmerin Dana White lobte zusammen mit dem World Liberty Fund einen Siegespreis von 250.000 Dollar für den brutalsten Totschläger aus. Ein Werbeblock für den Kryptowährungskonzern World Liberty Fund. Der gehört – ganz nebenbei bemerkt – der Trump-Sippe (7). Zinksärge kann Trump auch bei der Fußballweltmeisterschaft nicht gebrauchen, die gerade in den USA vor sich hin dümpelt. Eine Weltmeisterschaft nur für die Schönen und Reichen. Ball paradox (8). Und schon gar nicht kann sich Trump Zinksärge bei dem 250-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung der USA am 4. Juli dieses Jahres leisten.
  2. Eine Auszeit für die USA im Iran-Krieg. Vielleicht machen ja dann die Vasallen der USA stattdessen die Drecksarbeit? Das ist bereits im Vollzug. Denn die Marineeinheiten von Großbritannien, Frankreich und Deutschland wollen sich so bald wie möglich auf den Weg machen an die iranische Küste, um den freien Schiffsverkehr in der Meerenge von Hormus zu gewährleisten. Da hat Trump auf dem gerade beendeten Wirtschaftsgipfel der G7-Staaten etwas vollkommen Richtiges gesagt: vielen Dank, aber das machen wir doch schon selber durch die Regelungen des Vertrags, den wir gerade mit Iran aushandeln (9). In der Tat: dem Memorandum of Understanding ist zu entnehmen, dass die freie Fahrt durch die Meerenge von Hormus von den Anrainern selber garantiert wird. Was also wollen die Europäer dort, außer die gerade mühsam gestiftete Beruhigung zu stören? Da spricht unsere Bundesregierung davon, man wolle mit der deutschen Marine doch bloß ein paar Minen aus dem Wasser holen. Na na, ob das wohl so ganz stimmt? Nicht nur, dass deutsche Soldaten mit scharfer Munition kampfbereit an der Reling von zivilen Frachtern stehen sollen und jeden Bösewicht über den Haufen schießen (10). Zudem sind vorgesehen Flugzeugträger, schwere Kriegsschiffe neben allerlei Fregatten. Und zudem noch Flugzeuge und Drohnen, die den Luftraum überwachen sollen. Wessen Luftraum?! (11) Hinter Großbritannien stünden laut Eigenaussage weitere 40 Staaten, die sich allerdings nicht outen wollen (12). So so. Entstanden war diese famose Allianz bereits im April dieses Jahres, als sich Israel und USA noch im offenen Krieg mit dem Iran befanden (13). Könnte das sein, dass jener kriegerische Geist des letzten April die jetzigen Ambitionen an Irans Küste auch noch beflügeln? Sollen die Vasallen, diese Koalition der Billigen, etwa die Drecksarbeit für die USA machen? Ist hier ein Volkssturm der westlichen Wertegemeinschaft unterwegs, der die Vorherrschaft Israels und der weißen Herrenvölker noch einmal zementieren will?
  3. Schließlich und endlich hat Israel unmissverständlich klar gemacht, dass es gar nicht daran denkt, mit dem Krieg aufzuhören. Das kann sich „Bibi“ Netanyahu ja auch gar nicht leisten (14). Ohne Krieg keine Rechtfertigung des Notstandsregimes in Israel. Etwas Schlimmeres als Frieden kann Netanyahu nicht passieren. Dann müsste er nämlich wegen der Anklagen aufgrund von Korruption vor Gericht erscheinen.

Nun, lassen wir uns überraschen. Eine Nachkriegsordnung liegt so oder so nicht mehr in den Händen der westlichen Wertegemeinschaft. Die alten Herren dieser Welt werden teilen müssen mit dem Rest der Welt. Drauf können wir anstoßen.

Quellen und Anmerkungen

(1) https://www.reuters.com/world/asia-pacific/us-iran-reach-peace-deal-signing-set-friday-pakistan-says-2026-06-14/?utm_source=chatgpt.com

(2) https://www.aljazeera.com/news/2026/6/15/how-pakistan-mediated-a-us-iran-agreement-after-more-than-100-days-of-war?utm_source=chatgpt.com

(3) https://www.reuters.com/world/middle-east/us-iran-deal-promises-end-war-how-it-will-work-remains-unclear-2026-06-16/?utm_source=chatgpt.com

(4) https://www.reuters.com/business/energy/iran-says-draft-us-deal-includes-oil-sanctions-waiver-nuclear-limits-asset-2026-06-14/?utm_source=chatgpt.com

(5) https://www.youtube.com/watch?v=twdD-SQP2bU

(6) https://www.gtai.de/de/trade/vereinigte-arabische-emirate/branchen/krieg-in-nahost-lieferketten-1984946

(7) https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/trump-geburtstag-kampfsportveranstaltung-100.html

(8) htmlttps://apolut.net/fussballweltmeisterschaft-nur-fur-die-reichen-von-hermann-ploppa/

(9) https://www.zdfheute.de/politik/ausland/iran-usa-abkommen-hormus-einsatz-marine-bundeswehr-100.html

(10) https://augengeradeaus.net/2026/06/marine-verlegt-schiffe-fuer-einsatz-in-strasse-von-hormus-nach-djibouti/

(11) https://de.euronews.com/2026/06/16/kriegsschiffe-hormus-wadephul-hilfe-deutschland-schutzmission

(12) https://www.youtube.com/watch?v=Xk16zCXAAOs

(13) https://www.berliner-zeitung.de/article/krisengespraech-mit-40-staaten-zu-strasse-von-hormus-kaja-kallas-will-eu-marinemission-ausweiten-10028479

(14) https://www.sueddeutsche.de/meinung/israel-friedensplan-krieg-waffenruhe-nahost-li.3499451?reduced=true

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Krieg zwischen USA und dem Iran 
Bildquelle: Sunshine Seeds / shutterstock 

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