Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Gastronomie: Guide Michelin: Das sind Deutschlands beste Restaurants 2026

In Frankfurt wurde das neue Gastro-Ranking des Guide Michelin enthüllt. Der neue „Sternehimmel“, in dem die Bankenmetropole doppelt strahlt und auch die Pfalz hell leuchtet, verrät einiges über das deutsche Restaurant-Business

Share your love

In Frankfurt wurde das neue Gastro-Ranking des Guide Michelin enthüllt. Der neue „Sternehimmel“, in dem die Bankenmetropole doppelt strahlt und auch die Pfalz hell leuchtet, verrät einiges über das deutsche Restaurant-Business

Ein Weingut aus Deidesheim, zwei Frankfurter Newcomer auf dem zweithöchsten Bewertungsniveau und ein Restaurant im Europa Park, das die Juroren überzeugte: Der Guide Michelin hat am Dienstagabend im Gesellschaftshaus Palmengarten seine neue Selektion für Deutschland präsentiert. 339 Sternerestaurants stehen auf dieser Bestenliste für das Jahr 2026, etwas weniger als nach dem Rekord von 341 Top-Küchen im Vorjahr.

Deidesheim schlägt München und Berlin

Der neue Gourmettempel mit drei Sternen steht dabei nicht in einer Metropole. Daniel Schimkowitsch hat sich im „L.A. Jordan“ in Deidesheim an der Deutschen Weinstraße die höchste Michelin-Auszeichnung erkocht. Seine Wirkungsstätte steht auf dem Anwesen des historischen Weinguts Bassermann-Jordan, umgeben von Rebzeilen. Die Inspektoren des Guide Michelin lobten in ihrer Begründung seine „wunderbare Klarheit, die allerbeste Produkte perfekt in Szene setzt“, und hoben Schimkowitschs Fisch- und Meeresfrüchtegerichte hervor. Darunter etwa ein „unvergesslicher“ Kaisergranat mit Thai-Aromen und Huchen mit Shiso-Vinaigrette. Damit kommt zum zweiten Mal in Folge der Drei-Sterne-Neuzugang aus Rheinland-Pfalz.

Frankfurt räumt doppelt ab

In der Gastgeberstadt am Main erhielten gleich zwei neue Häuser ihre zwei Sterne: Niclas Nußbaumer erkochte diese Ehre im „The Dune“ (Hotel The Florentin) mit einem kosmopolitischen, technisch anspruchsvollen Menü, und Jochim Busch im „Rausch“. Busch wirkt übrigens in der gleichen Location, in der er zuvor das Restaurant „Gustav“ verantwortete. Nun komplett auf eigene Rechnung und auf weiterhin höchstem Niveau. Lange fehlte Frankfurt in den obersten Rängen der Michelin-Wertungen, der 2026er-Jahrgang korrigiert das.

BMW Welt trifft Haute Cuisine

Einen weiteren bemerkenswerten Zwei-Sterne-Aufsteiger bietet München: Das „The Cloud by Käfer“ in der architektonisch spektakulären BMW Welt erhielt auf Anhieb zwei Sterne. Küchenchef Jens Madsen widmet sein Menü jedes Jahr kulinarisch einer anderen Weltregion. Die Inspektoren des Guide Michelin würdigten das zusätzlich mit dem „Opening of the Year Award“. Das Signal: Originalität und kulinarische Haltung zählen ebenso wie handwerkliche Perfektion.

Senkrechtstarter im Ein-Sterne-Bereich

Auch unter den 20 neuen Ein-Sterne-Häusern stechen einige heraus. Nelson Müllers „Schote“, die im vergangenen Jahr komplett von Essen nach Bergisch Gladbach umgezogen ist, erhält dort ihren ersten Stern. Das „Eatrenalin“ im Europa-Park Rust ist derweil eine Kategorie für sich: Seine Gäste essen in schwebenden Kapseln, die Gerichte tauchen aus dem Boden auf. Küchenchef Peter Hagen-Wiest, der auch das Zwei-Sterne-Restaurant „Ammolite“ leitet, verantwortet die Küche. Und in Saarburg bekommt Axel Boesen für sein Restaurant „Dopamin“, wo er Einflüsse aus Nordeuropa mit Impulsen aus Asien verbindet, nicht nur den ersten Stern, sondern auch den „Young Chef Award“.

Lecker essen ohne Sterne-Preise

Neben den Sternhäusern hat der Guide Michelin auch seine „Bib Gourmand“-Liste aktualisiert. Der Name steht für Restaurants, in denen überdurchschnittlich gut gekocht wird, und das zu sehr fairen Preisen. Zehn neue Adressen wurden 2026 bisher aufgenommen, die Auswahl umfasst aktuell 147 Häuser. Auffällig: Hamburg stellt allein drei der Neuzugänge, darunter die asiatische Nudelbar „Cyn Cyn“ und das Österreich-Bistro „Gassenhauer“. Auch das Münchner „mokum“, erst seit wenigen Monaten im Guide präsent, steht auf dieser volksnahen Ehrenliste.

Die stille Verschiebung

Insgesamt verzeichnet der neue Guide Michelin 339 Sternerestaurants, und damit zwei weniger als im Vorjahr. Im Ein-Sterne-Bereich kamen 20 neue Häuser hinzu, es gab jedoch auch Aberkennungen und Schließungen, sodass die Gesamtzahl dennoch von 282 auf 279 sank. Das ist keine Krise, sondern eine Normalisierung nach einem Rekordjahr. Ablesbar ist darin allenfalls der große Druck auf die gehobene Gastronomie. 

Anhaltender Personalmangel, gestiegene Betriebskosten und ein verändertes Ausgehverhalten der Gäste machen den Betrieb auf Sterneniveau schwerer als je zuvor. Kein Wunder, dass sich in den vergangenen Jahren bereits einige namhafte Küchenchefs dagegen entschieden haben, mit Feuereifer auf einen Stern hinzukochen. Und auch das jüngere Publikum der „Foodies“ dürfte bei den teils sehr innovativen, trendgerechten Bistros und Restaurants des „Bib Gourmand“-Verzeichnisses eher fündig werden.

Die deutschen Drei-Sterne-Restaurants:

# Restaurant Ort Küchenchef Küche
1 L.A. Jordan(NEU 2026) Deidesheim, Rheinland-Pfalz Daniel Schimkowitsch Reduziert-kreative Küche mit Fokus auf Fisch und Meeresfrüchte; klare Aromenbilder und makelloses Handwerk auf dem Anwesen des historischen Weinguts Bassermann-Jordan
2 Restaurant Bareiss Baiersbronn, Baden-Württemberg Claus-Peter Lumpp Klassisch-französische Hochküche, ergänzt durch regionale Schwarzwälder und mediterrane Einflüsse; präzise, konzentriert auf reinen Geschmack und Natürlichkeit der Aromen
3 Schwarzwaldstube Baiersbronn, Baden-Württemberg Torsten Michel Produkt- und geschmacksorientierte Küche auf klassisch-französischer Basis; modern gedacht, reduziert im Fett- und Eiweißgehalt, von meditativer Präzision und eleganter Leichtigkeit
4 Rutz Berlin Marco Müller Konsequent regional und saisonal; Pionier der deutschen Regionalküche mit intensivem Bezug zu Berliner und Brandenburger Produzenten, geprägt von Kontrasten, Reduktion und ausdrucksstarken Fonds
5 Waldhotel Sonnora Dreis, Rheinland-Pfalz Clemens Rambichler Klassisch-französische Haute Cuisine von schwebender Leichtigkeit; beste Produkte aus Frankreich, Luxemburg und der Eifel, umgesetzt mit winziger, stetiger Optimierung nach dem Vorbild seines Mentors Helmut Thieltges
6 ES:SENZ Grassau, Bayern Edip Sigl Kreative Küche aus dem Chiemgau; zwei Menülinien (streng regional und global), komplex aber nie verspielt, mit großer Saucenkunst und bayerischem Charme
7 Restaurant Haerlin Hamburg Christoph Rüffer Klassisch-moderne Haute Cuisine; harmonische Kompositionen aus Topprodukten in makelloser Balance, nach über zwei Jahrzehnten der Perfektion 2025 mit dem dritten Stern gekrönt
8 The Table Kevin Fehling Hamburg Kevin Fehling Kreativ-avantgardistisch; theatralische Präsentation, überraschende Geschmackskontraste und eines der experimentierfreudigsten Menükonzepte Deutschlands
9 JAN München Jan Hartwig Deutsche Autorenküche im besten Sinne: klassisch grundiert, präzise, sublimiert — saisonal und regional, ohne Trends blind zu folgen; konzentriert auf Geschmack statt Showeffekte
10 Tohru in der Schreiberei München Tohru Nakamura Französische Küche mit japanischem Einschlag; Produkte und Techniken beider Kulturen verbinden sich zu feinfühligen, tiefgründig konzipierten Menüs im ältesten Bürgerhaus Münchens
11 Victor’s Fine Dining by christian bau Perl, Saarland Christian Bau „Paris–Tokio“: Französische Klassik und japanische Produktwelt vereint zu einem unverwechselbaren „bau.stil“ — seit 2005 einer der konstantesten Drei-Sterne-Tische Deutschlands
12 schanz. restaurant. Piesport, Rheinland-Pfalz Thomas Schanz Modern-französische Küche mit eigenem Ausdruck; präzise und filigran, mit ausgeprägtem Bezug zur Moselregion — hervorgegangen aus einem Familienbetrieb in Piesport

Auch strukturell verändert der Guide Michelin sein System. Der „Grüne Stern“, seit 2020 das Erkennungszeichen für besonders nachhaltig wirtschaftende Restaurants, wird abgeschafft und durch das Konzept „Mindful Voices“ ersetzt. Statt einer Auszeichnung auf dem Türschild gibt es künftig Porträts von Persönlichkeiten aus Gastronomie, Weinbau und Hotellerie, die auf den digitalen Plattformen des Guides veröffentlicht werden. Ob das dieselbe Sichtbarkeit erzeugt wie die vorherige symbolträchtige Auszeichnung, bleibt abzuwarten.

Der gedruckte „Michelin Guide Deutschland 2026“ ist ab 27. Juli erhältlich

Beitrag teilen

Neue Beiträge und
Informationen direkt
per E-Mail erhalten.