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Der VW-Konzern verkauft 51 Prozent an seiner Schiffsmotorentochter Everllence an Bain Capital. Der Deal spült Milliarden in die Kasse – und soll den Konzernumbau beschleunigen
Der wochenlange Bieterwettstreit um die Volkswagen-Dieselmotorentochter Everllence hat ein Ende. Der US-Finanzinvestor Bain Capital setzte sich letztlich im Rennen um die Mehrheit an dem Augsburger Unternehmen durch, wie Europas größter Autobauer in der Nacht zum Donnerstag mitteilte. VW-Chef Oliver Blume sagte, Everllence habe sich in den vergangenen Jahren zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Mit dem Verkauf könne sich Volkswagen nun noch stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren.
Die beiden anderen Bieter haben damit das Nachsehen. Neben Bain hat sich auch der Finanzinvestor CVC sowie ein Konsortium um die schwedische EQT um Everllence bemüht, zu dem Insidern zufolge neben dem VW-Aktionär Katar auch die Holding der Volkswagen-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch gehörte.
Bain übernimmt die knappe Mehrheit an Everllence. Volkswagen behält 49 Prozent der Anteile an der Dieselmotorentochter und erklärte, mittelfristig wichtiger Anteilseigner bleiben zu wollen. Finanziert wird der Kauf durch Schulden, die dem Unternehmen aufgelastet werden. Der Abschluss der Transaktion wird bis zum Jahresende angestrebt. Den Erlös bezifferte Volkswagen auf 7,4 Mrd. Euro: Er setzt sich zusammen aus den Einnahmen durch den Verkauf des Anteils von 51 Prozent sowie der Neubewertung des Unternehmens im Rahmen der Transaktion und der erwarteten Verschuldung nach Abschluss der Leveraged-Buy-out Transaktion. Ende Mai hatte Volkswagen Everllence mit einer Bewertung von rund 3,4 Mrd. Euro in den Büchern stehen. Insider hatten zuletzt den Wert des Unternehmens auf rund 8,5 Mrd. Euro beziffert.
Wie das Geld ausgegeben werden soll, will Volkswagen zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben. Finanzchef Arno Antlitz sagte, die VW-Aktionäre könnten in mehrfacher Hinsicht von der Transaktion profitieren: zum einen durch die gestärkte Substanz von Volkswagen, zum anderen durch die Teilhabe an dem künftigen Wert- und Wachstumspotenzial von Everllence. Für den Autobauer kommt das zusätzliche Geld gelegen. Volkswagen leidet unter der Krise auf dem chinesischen Automarkt und den Zöllen von US-Präsident Donald Trump. Blume will dem Aufsichtsrat noch vor der Sommerpause sein Konzept für einen weitreichenden Umbau des Unternehmens präsentieren. Dazu gehört auch ein weiterer Kapazitätsabbau: In Deutschland sollen demnach die Kapazitäten für weitere 500.000 Autos jährlich wegfallen. Bis 2030 will Blume die Rendite des Konzerns auf acht bis zehn Prozent steigern, für das laufende Jahr liegt die Zielmarke mit vier bis 5,5 Prozent bei gerade einmal der Hälfte davon.
Everllence mit Sitz in Augsburg ist Marktführer bei großen Schiffsmotoren und verspricht sich zusätzliche Wachstumschancen im Geschäft mit Generatoren für KI-Rechenzentren. Das Unternehmen erwirtschaftet mit rund 16.000 Mitarbeitern einen Erlös von rund 4,9 Mrd. Euro jährlich. Bain sicherte im Rahmen der Transaktion zu, die deutschen Standorte mindestens bis Ende 2030 zu erhalten und betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen.
Der Prozess hatte für viel Aufsehen gesorgt, vor allem wegen der Beteiligung der Porsche SE. Volkswagen entschied sich für einen komplexen Verkaufsprozess, bei dem die Bieter ihre finalen Offerten in geschlossenen Umschlägen einreichten, die dann hinter verschlossenen Türen vom Vorstand geöffnet wurden. Direkt im Anschluss hatte der Aufsichtsrat das Sagen, wer den Zuschlag erhält. Um Interessenkonflikten aus dem Weg zu gehen, enthielten sich bei der Abstimmung im VW-Aufsichtsrat die fünf Vertreter der Porsche SE und des VW-Großaktionärs Katar. Das betraf auch VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, der die Spitzenposition bei der Porsche SE innehat. Weil Susanne Wiegand sich am Tag vor der Hauptversammlung überraschend dazu entschloss, ihren Aufsichtsratsposten abzugeben, fehlte ein weiterer Vertreter der Kapitalseite. Damit hatten die Arbeitnehmervertreter in dem Gremium die Mehrheit.