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Uhren: Lounge statt Shopping-Mall: Nomos Glashütte investiert in China

In einem alten Lagerhaus in Shanghai zeigt Nomos Glashütte, wie Luxus in China heute funktionieren kann – mit einem Konzept, das auf Kundennähe, Design und Beratung setzt

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In einem alten Lagerhaus in Shanghai zeigt Nomos Glashütte, wie Luxus in China heute funktionieren kann – mit einem Konzept, das auf Kundennähe, Design und Beratung setzt

Wer die neue Lounge von Nomos Glashütte in Shanghai sucht, der folgt am besten dem Suzhou Creek. Der historische Kanal, einst Lebensader für Gütertransporte zwischen dem Jangtse-Delta und der chinesischen Metropole, ist deren kreativer Hotspot. Entlang des Jing’an-Distrikts befinden sich in den ehemaligen Lagerhäusern und Fabrikhallen der frühen 1920er- und 1930er-Jahren zahlreiche Galerien, Designstudios und Künstlerateliers.

Hinter den Backsteingemäuern des Guang Er Warehouse an der Guangfu Road Nr. 195, hat sich nun Nomos Glashütte niedergelassen. Die erste eigene Dependance in China für die konzernunabhängige Marke mit der ikonischen Designsprache, und eben keine klassische Boutique in einer Luxus-Mall, sondern ein Verkaufsraum mit Terminvergabe statt zufälliger Laufkundschaft. 

Persönlicher Austausch statt Mall-Vitrinen

Das Team um Phil Wu, General Manager von Nomos Shanghai, setzt auf persönliche Beratung, intensive Inszenierung der Marke, Einblicke in die Uhrmacherkunst der Manufaktur und Kundendienst vor Ort wie etwa Revisionen und Wartungen. Die Lounge ist entsprechend reduziert gehalten – nahbar, offen, ohne Prunk. Natürlich gibt es auch eine feine Auswahl von Klassikern und neuen Uhren, darunter limitierte Modelle. 

Das gleiche Konzept also wie bei der ersten Nomos-Lounge, die 2024 im New Yorker Viertel SoHo eröffnete. Kurz danach, sagt CEO Uwe Ahrendt, habe man mit den Vorbereitungen für Shanghai begonnen. Ein strategisch wichtiger Schritt: „Wir steigern unsere Präsenz in einem wichtigen Markt und unterstreichen die internationale Reichweite von Nomos Glashütte.“

Eine Entscheidung, die weniger kurzfristigen Return on Investment im Blick hat, sondern ein langfristiges Bekenntnis zum chinesischen Uhrenmarkt ist. Einige harte Jahre hat die Uhrenbranche in der Volksrepublik hinter sich: 2024 brach der Absatz um bis zu 17 Prozent ein, 2025 schrumpfte er erneut. Wer jetzt trotzdem investiert, braucht ein besonders überzeugendes Argument. Das von Nomos Glashütte lautet: mehr Tiefe, nicht zwingend mehr Fläche.

Allen Turbulenzen und Umsatzdellen für die Uhrenindustrie zum Trotz bleibt Shanghai dennoch das wichtigste Eingangstor für den chinesischen Uhrenmarkt, der laut Zahlen von Grandview Research 2025 einen Umsatz von rund 3,9 Mrd. US-Dollar erzielt hat. Für 2026 prognostiziert Bain & Company ein moderates Wachstum. Der klassische Luxuseinzelhandel in China steht dennoch weiter unter Druck. Graumarkt-Händler und sogenannte „Daigou“-Vermittler – Netzwerke von Käufern, die für chinesische Kunden Waren im Ausland kaufen und zuschicken – unterlaufen systematisch die Preise etablierter Marken, mehr udn mehr Onlineplattformen erledigen den Rest.

All das bedeutet: Wer jetzt sowie in Zukunft in China verkaufen will, der braucht mehr als nur Handelspartner. Er braucht eine eigene Stimme, ein scharfes Profil und muss gerade bei jüngeren Käufergruppen frühzeitig Begehrlichkeiten wecken. 

Perfekte Lage für eine Uhren-Ikone

Die Lage der Lounge von Nomos Glashütte im Suzhou-Creek-Viertel mit seinem diversen Publikum passt zu diesem Ansinnen. Dort erreiche man, so Uwe Ahrendt, „Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Design, die neugierig auf unabhängige Marken sind und sich für gute Produkte mit erkennbarer Herkunft interessieren“. Etwa aus Glashütte, einer mittlerweile offiziell geschützten Herkunftsbezeichnung.

Die Verbindung aus historischer Industriekultur und moderner Uferpromenade, aus internationalen Kunstliebhabern und den lokalen Fans gelungener Gestaltung, passt zum Selbstverständnis einer Marke, die in einer sächsischen Kleinstadt mit legendärer Zunfttradition unverwechselbare Uhren baut. Und die damit globale Erfolge feiert.

„Das Guang Er Warehouse verbindet Geschichte und Gegenwart“, bestätigt General Manager Phil Wu. „Und das macht diesen Ort für uns so passend.“

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