Reuters: Zentralbanken wollen Dollar-Anteil an Reserven erstmals senken

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Zentralbanken weltweit haben erstmals die Absicht, den Anteil des US-Dollars an ihren Währungsreserven zu reduzieren, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Studie des Forschungszentrums OMFIF.

Die Experten des Zentrums stellen fest, dass zum ersten Mal seit Beginn solcher Erhebungen die Zahl der Zentralbanken, die den Anteil des US-Dollars in ihren internationalen Währungsreserven verringern wollen, höher ist als die Zahl derjenigen, die ihn erhöhen wollen.

Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass die meisten großen Finanzinstitute mit einer schrittweisen Veränderung des globalen Währungssystems rechnen. So sind 79 Prozent der Zentralbanken und 60 Prozent der staatlichen Investitionsfonds der Ansicht, dass der Einfluss einer einzigen dominierenden Währung mit der Zeit abnehmen und das System selbst multipolarer werden wird. Vor diesem Hintergrund steigt unter den Teilnehmern der Studie das Interesse an alternativen Reservewährungen. Neben dem Euro und dem chinesischen Yuan stehen die norwegische Krone, der neuseeländische Dollar und das britische Pfund im Fokus.

Die Stimmungsänderung ist auf die zunehmenden politischen Risiken im Zusammenhang mit der US-Währung sowie auf die Erwartung zurückzuführen, dass das globale Finanzsystem zu einem stärker multipolaren Modell übergehen wird. Dabei planen die Zentralbanken, ihre Investitionen in Gold zu erhöhen, und zeigen zudem verstärktes Interesse an weiteren Reservewährungen, darunter das britische Pfund, die norwegische Krone und der neuseeländische Dollar.

An der Studie beteiligten sich 90 Zentralbanken sowie staatliche Pensions- und Staatsfonds, die Vermögenswerte in Höhe von rund 10 Billionen US-Dollar verwalten. Die Zeitung Kommersant schreibt dazu:

Die Regulierungsbehörden rechnen nicht mehr mit einer schnellen Rückkehr zu einem stabilen Umfeld – stattdessen passen sie sich laut der OMFIF-Studie an die Arbeit unter Bedingungen ständiger Instabilität an. Der wichtigste kurzfristige Faktor, der die Investitionsentscheidungen der Zentralbanken beeinflusst, sind weiterhin die Zinssätze. Auf längere Sicht bezeichnen sie geopolitische Konflikte als zentrale Herausforderung. Während im vergangenen Jahr allgemeine Herausforderungen im Zusammenhang mit Protektionismus die Verwalter internationaler Währungsreserven am stärksten beunruhigten, stehen nun konkretere Probleme im Mittelpunkt, darunter der Konflikt im Nahen Osten und die Unvorhersehbarkeit der US-Außenpolitik.

Die Studie zeigt zudem, dass die weltweiten Finanzaufsichtsbehörden zunehmend Technologien der künstlichen Intelligenz einsetzen, um sich an ständig neue Risikobedingungen anzupassen. Mehr als zwei Drittel der Zentralbanken planen, den Einsatz von KI vor allem zur Verarbeitung großer Datenmengen, zur Durchführung von Analysen und zur Automatisierung interner Prozesse auszuweiten.

Mehr zum Thema ‒ Erosion regelbasierter Weltordnung von innen: Ständiger Zwang als Waffe gegen Multilateralität

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