Schwaches Marktumfeld: Panzerbauer KNDS stoppt Börsenpläne vorerst

Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS stoppt kurzfristig seinen Börsengang. Grund sind die jüngsten Kursverluste bei Rüstungsaktien – und Zweifel an der Bewertung

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Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS stoppt kurzfristig seinen Börsengang. Grund sind die jüngsten Kursverluste bei Rüstungsaktien – und Zweifel an der Bewertung

Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS schiebt seinen Börsengang angesichts der Wertverluste bei Rüstungsaktien auf die lange Bank. Die Aktionäre hätten dem Unternehmen mitgeteilt, sie wollten die Börsenpläne erst wieder aufnehmen, wenn sich das Marktumfeld für Rüstungsaktien in Europa wieder verbessert habe, teilte KNDS am Mittwochabend mit. KNDS hatte eigentlich noch vor der Mitte Juli beginnenden Sommerpause an die Börsen in Paris und Frankfurt gehen wollen. Das nächste Fenster öffnet sich nun frühestens im September, wenn die Investoren zurückkommen. Der Bund hält an seinen Plänen für einen Einstieg bei KNDS fest, der sich mit der Verschiebung aber ebenfalls verzögern dürfte.

Die Rüstungsbranche war an der Börse zuletzt unter Druck geraten, der Rivale Rheinmetall, den viele Investoren als besten Vergleichsmaßstab für KNDS sehen, hatte in den vergangenen Tagen massiv an Wert verloren. Auch die Aktien des seit Jahresbeginn in Amsterdam gelisteten tschechischen Rüstungskonzerns CSG werden weit unter dem Ausgabepreis gehandelt.

Die Vorbereitungen seien praktisch abgeschlossen, in den Gesprächen mit Investoren habe sich gezeigt, dass diese auch von der langfristigen Strategie von KNDS überzeugt seien, erklärte der Hersteller der Kampfpanzer „Leopard 2“ und „Leclerc“ sowie anderer militärischer Landfahrzeuge. Die „Financial Times“ (FT) hatte aber berichtet, dass wichtige Investoren erklärt hätten, sie sähen die Bewertung des Unternehmens beim Börsengang nur bei rund zwölf Milliarden Euro. Banker hatten dagegen 15 Mrd. Euro für realistisch gehalten, vor einigen Monaten war sogar noch von bis zu 20 Milliarden die Rede. Laut „FT“ sind die deutschen Eigentümerfamilien nicht bereit, eine Bewertung von weniger als 12,5 Milliarden hinzunehmen. Ein Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Bundesregierung hält an KNDS-Einstiegsplänen fest

„KNDS und seine Eigentümer werden die Entwicklungen an den Kapitalmärkten weiter eng beobachten und stehen bereit, den IPO-Prozess wieder aufzunehmen, sobald es das Marktumfeld erlaubt“, hieß es in der Mitteilung. Die Familien und der französische Staat, die je 50 Prozent der Anteile halten, wollen bei dem Börsengang je zehn Prozent abgeben.

Mit der Verschiebung dürfte sich auch der geplante Einstieg der deutschen Staatsbank KfW bei KNDS verzögern. „Die Bundesregierung respektiert die Entscheidung des Unternehmens, den Börsengang zu pausieren“, teilte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums mit. Die Bundesregierung sei aber „weiterhin daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern, das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen“. Man sei weiter in Gesprächen mit den Familien. Dem Bund geht es darum, die gleichen Einflussrechte zu haben wie Frankreich. „Diese sichern einerseits den Schutz der beiderseitigen Sicherheitsinteressen auf Augenhöhe und legen andererseits die Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens“, sagte die Sprecherin.

Doch der genaue Preis, den der Staat für das Anteilspaket zahlen will, ist an den Emissionspreis für die Aktien geknüpft, mit einem Paketzuschlag und einem möglichen Nachschlag, wenn die Papiere nach der Erstnotiz zulegen. Maximal wären das rund 7,2 Mrd. Euro. Die Verhandlungen zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und den Eigentümerfamilien hatten sich bis in den Juni hingezogen und einen schnelleren Börsengang – unter möglicherweise besseren Bedingungen – blockiert.

Der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Sebastian Schäfer, sprach von einem „Desaster für die Bundesregierung“. Das sei das Ergebnis einer strategielosen Industriepolitik und der Gier einer Milliardärsfamilie, die den Staat in dieser Sicherheitslage im Schwitzkasten halte. „Nun macht die Besitzerfamilie von KNDS einen Rückzieher, weil ihnen offenkundig der Milliardenerlös noch nicht ausreicht.“

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