Krankschreibung ab Tag 1: Empörung reißt nicht ab – Neue Merz-Lüge?

Die geplanten Verschärfungen zur Krankschreibung (Attest ab dem ersten Tag) verunsichern viele Arbeitnehmer. Die Proteste reißen nicht ab. Sind die Deutschen wirklich zu oft krank, wie Kanzler Friedrich Merz ständig behauptet? Wohl eher nicht! Der Deutschland-Kurier klärt wichtige Fragen. Wer künftig krank wird, muss sich auf schärfere Regeln einstellen. Die schwarz-rote Koalition will trotz massiver […]

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Die geplanten Verschärfungen zur Krankschreibung (Attest ab dem ersten Tag) verunsichern viele Arbeitnehmer. Die Proteste reißen nicht ab. Sind die Deutschen wirklich zu oft krank, wie Kanzler Friedrich Merz ständig behauptet? Wohl eher nicht! Der Deutschland-Kurier klärt wichtige Fragen.

Wer künftig krank wird, muss sich auf schärfere Regeln einstellen. Die schwarz-rote Koalition will trotz massiver Proteste daran festhalten, dass Beschäftigte bereits ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen müssen. Gleichzeitig soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden. Die sogenannte Reform wird mit hohen Fehlzeiten und möglichen Missbrauchsfällen begründet.

Namentlich Kanzler Friedrich Merz (CDU) rechtfertigt die Verschärfungen mit „exorbitant gewordenen Krankenständen“ seit der Corona-Hysterie– diese und nicht etwa der Energiewende-Irrsinn und die Russland-Sanktionen seien ein „Wettbewerbsnachteil“ für die deutsche Wirtschaft.

Breite Kritik

Nicht nur die AfD, sondern auch Hausärzte und Gewerkschaften kritisieren die Verschärfungen heftig. Markus Blumenthal-Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbandes, bezeichnete die Pläne als „absolut katastrophal“. Es drohe eine „komplette Überlastung“ der Praxen. Ver.di-Chef Frank Werneke sieht in dem Vorhaben (wie die AfD) eine „grundsätzliche Misstrauenskultur“ gegenüber Arbeitnehmern. Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi stuft die Maßnahmen als „kontraproduktiv“ ein.

208.000 zusätzliche Arbeitstage für Arztpraxen?

Der Sturm der Entrüstung ist jedenfalls groß: „Katastrophal“, „Bürokratiemonster“, „Generalverdacht“. Ärztevertreter machen dazu folgende Rechnung auf: Eine Attest ab dem ersten Tag könnte zu 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen führen, schätzt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Dafür müssten 208.000 Arbeitstage aufgewendet werden. KBV-Chef Andreas Gassen: „Es grenzt an Irrsinn, abertausende Menschen zusätzlich in die Praxen zu jagen für das reine Ausfüllen von Zetteln.“

Auch Arbeitsrechtler runzeln die Stirn. Es stellt sich zum Beispiel folgende Frage:

► Können Betriebe von der Neuregelung abweichen?

Der Berliner Rechtsanwalt Paul Krusenotto sieht Spielraum für Arbeitgeber und Belegschaft. Künftige arbeitsvertragliche Regelungen müssten sich zwar an der neuen gesetzlichen Lage messen lassen, aber für alle, deren Arbeitsvertrag bereits eine großzügigere Regelung enthält – etwa die Vorlage erst ab dem dritten oder vierten Krankheitstag – gelte wohl Bestandsschutz. Zugunsten der Arbeitnehmer greife das sogenannte Günstigkeitsprinzip, erläuterte der Arbeitsrechtler gegenüber der „Frankfurter Rundschau“. Bei einer Kollision zwischen Gesetz und Vertrag setze sich die für Beschäftigte vorteilhaftere Regelung durch. Solche Klauseln werden „aller Voraussicht nach“ nicht hinfällig, sagt Krusenotto.

► Sind die Deutschen wirklich zu oft krank?

Zu den häufigsten Ursachen für Krankschreibungen zählen hierzulande Atemwegserkrankungen, psychische Belastungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen. Entgegen der landläufigen Meinung und des von Merz behaupteten Gegenteils geben die verfügbaren Daten allerdings keine außergewöhnlich hohe Zahl an Krankmeldungen in Deutschland her. Nach Angaben der OECD lag die Bundesrepublik zuletzt mit durchschnittlich 3,6 Krankheitswochen pro Jahr im oberen Mittelfeld Europas. Höhere Werte verzeichneten unter anderem Norwegen, Finnland, Spanien und Slowenien.

Richtig ist: Deutschland liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 2,6 Krankheitswochen. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass Krankmeldungen in anderen EU-Ländern deutlich lückenhafter erfasst werden als hierzulande.

Auffällig ist zudem, dass ein großer Teil der Fehlzeiten auf relativ wenige Beschäftigte zurückgeht. Nach Daten der AOK entfielen 2025 rund 40 Prozent aller Fehltage auf Langzeiterkrankte, die länger als sechs Wochen krankgeschrieben waren.

► Wie erklärt sich der Anstieg von Krankheitstagen seit 2022?

Ein wichtiger Grund für den Anstieg der gemeldeten Fehltage in Deutschland ist die Einführung der elektronischen Krankschreibung im Jahr 2022. Seitdem werden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen deutlich vollständiger erfasst. Zuvor gingen viele Tage nicht in die Statistik ein, weil Versicherte sie der Krankenkasse nicht gemeldet hatten. Der starke Anstieg seit 2022 basiert also nicht unwesentlich auf einem statistischen Effekt. Er bedeutet nicht zwangsläufig, dass Beschäftigte heute häufiger krank sind als früher.

Beitrag: Krankschreibung ab Tag 1: Empörung reißt nicht ab – Neue Merz-Lüge?
Quelle: Deutschland-Kurier.

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