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Mit einer Rendite von 6,2 Prozent im Vorjahr geht der Atomfonds Kenfo ins Rennen um die Vergabe der Kapitalrente durch den Bund. Ein großer Konkurrent der Berliner sitzt in Frankfurt
Der deutsche Staatsfonds Kenfo bringt sich als Verwalter der geplanten Kapitalrente ins Gespräch. „Die Kapitalrente soll 2028 beginnen. Dafür sehe ich uns gut aufgestellt“, sagte die Vorstandsvorsitzende Anja Mikus am Mittwoch bei der Vorstellung der Anlageergebnisse für das vergangene Jahr in Berlin.
Die Beiträge für die geplante Kapitalrente sollen am Kapitalmarkt angelegt werden und später die gesetzliche Rente ergänzen. Die konkrete Umsetzung soll noch folgen.
Der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (Kenfo) finanziert die Zwischenlagerung und geplante Endlagerung des deutschen Atommülls. Er hat dafür im Jahr 2017 eine Einmalzahlung von 24 Mrd. von den ehemaligen Betreibern der Kernkraftwerde erhalten und diese am Kapitalmarkt investiert. „Der Staat und die Steuerzahler profitieren davon, dass wir die Entsorgung finanzieren“, sagte Mikus. Hierfür hat der Fonds im vergangenen Jahr 823 Mio. Euro ausgezahlt.
Aktuell verwaltet der Kenfo rund 28 Mrd. Euro und hat bereits 5,3 Mrd. Euro für Zwischenlagerung und Endlagersuche ausgegeben. Somit beträgt der für den Bund geschaffene Mehrwert seit Gründung des Fonds im Jahr 2017 rund 8,8 Mrd. Euro. Der Kenfo investiert in ein global breit gestreutes Portfolio aus Aktien, Anleihen und illiquiden Anlagen (Private Equity, Private Debt, Immobilien und Infrastruktur).
Im vergangenen Jahr hat er mit seinen Anlagen nach eigenen Angaben eine Rendite von 6,2 Prozent erzielt und damit die Zielrendite von vier Prozent übertroffen. Dieser Wert ist nötig, um die Aufgaben des Fonds bis Ende des Jahrhunderts zu finanzieren.
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte der Fonds trotz Belastungen durch den Iran-Krieg eine Wertentwicklung von 7,9 Prozent. „Nach vorne schauend sind wir vorsichtig zuversichtlich“, sagte Mikus. Als Risiken mit „deutlichem Rückschlagpotenzial“ nannte sie den Iran-Krieg sowie hohe Bewertungen im Technologiebereich. Rund zwei Drittel der Anlagen sind aktiv investiert, ein Drittel passiv.
Die Kosten für das Management des Vermögens bezifferte Mikus auf 17 Basispunkte, wobei insbesondere die illiquiden Anlagen teurer sein als die Aktien- und Anleihekörbe. Dazu kämen noch fünf bis sechs Basispunkte für die Kosten des Kenfo selbst – etwa für Personal, Daten oder Büro.
Eine Kapitalrente könne der Kenfo „deutlich günstiger“ anbieten, sagte Mikus. Die Kosten würden wohl unter zehn Basispunkten liegen und seien damit mit dem schwedischen Rentenfonds AP7 vergleichbar, der sieben Basispunkte verlangt. Günstiger werde eine Kapitalrente auch deshalb, weil diese voraussichtlich nicht in illiquide Anlagen investieren dürfte. Diese versprechen langfristig höhere Renditen, erfordern aber auch lange Haltefristen.
Hauptkonkurrent des Kenfo um die Verwaltung der Kapitalrente ist die Bundesbank. „Als Hausbank des Bundes legen wir seit 30 Jahren Geld für den Bund und die Bundesländer an“, sagt Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Sie übernehme Mandate zumeist mit Gesetzesauftrag. Mit den Auftraggebern werde vereinbart, wie die drei Kriterien Sicherheit, Liquidität und Rendite zueinander im Verhältnis stehen sollen. Schließlich wird die Kapitalanlage auf die Laufzeit der Verbindlichkeiten ausgerichtet.
Aktuell hat die Bundesbank rund 140 Mrd. Euro für öffentliche Kunden angelegt. „Dies können wir aus dem Stand ausbauen“, betonte Mauderer.
Die Entscheidung über die Vergabe des Auftrages, es geht um Einzahlungen von zunächst rund 30 Mrd. Euro pro Jahr, trifft der Bund. „Es wird ein normales Vergabeverfahren geben“, sagt Mikus. „Wir haben die Kompetenz, Geld performanceorientiert anzulegen.“ Der Fonds verfüge über die nötige Expertise, eine bewährte Anlagestruktur und könne die Aufgabe kostengünstig bewältigen.