Trotz Trump: „Rekordjahr“ für erneuerbare Energien in den USA

Die US-Regierung geht gezielt gegen Solar- und Windenergieprojekte vor. Trotzdem wird so viel zugebaut wie noch nie. Vor allem eine Branche treibt den Boom an

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Die US-Regierung geht gezielt gegen Solar- und Windenergieprojekte vor. Trotzdem wird so viel zugebaut wie noch nie. Vor allem eine Branche treibt den Boom an

Es gibt wahrscheinlich wenige Dinge, die Donald Trump so stark ablehnt wie erneuerbare Energien. Für den US-Präsidenten sind es, so heißt es in einem Fact Sheet des Weißen Hauses vom Juli 2025, „unzuverlässige, aus dem Ausland kontrollierte Energiequellen“.

Kurz nach seinem Amtsantritt unterband Trump per Erlass sämtliche neuen Pachtverträge für Offshore-Windkraft-Projekte. In dem Gesetz, das der Republikaner in der für ihn typischen großspurigen Art „One Big Beautiful Bill“ nannte, wird festgelegt, dass die geltenden Steuergutschriften für Solar- und Windenergie gestrichen werden, wenn die Projekte innerhalb einer rasch auslaufenden Frist nicht in Betrieb gegangen sind. Zudem sollen alle Vorhaben dieser Art der Stromproduktion genau geprüft und nicht mehr so rasch wie bisher genehmigt werden.

Ein Drittel mehr als im Vorjahr

Trotz all dieser Widrigkeiten aber erlebt der Strom aus Sonne und Wind in den USA einen Boom. „2026 entwickelt sich zu einem Rekordjahr für den Kapazitätsausbau“, sagt John Murray auf Capital-Anfrage. Murray ist leitender Analyst für erneuerbare Energien bei S&P Global Energy, einem US-Marktanalyse-Unternehmen. Für die Solarenergie erwarten er und sein Team einen Anstieg von 33 Prozent im Vergleich zu 2025. Bei der Windkraft an Land wird geschätzt, dass der Zubau doppelt so stark ausfällt wie in den vergangenen Jahren.

Zunächst handelt es sich bei diesem Ansturm um einen Vorzieheffekt. Gerade weil die Förderung ausläuft, treiben viele Unternehmen jetzt noch ihre Projekte voran, um die Steuervergünstigungen in Anspruch zu nehmen. Das gilt vor allem für das republikanisch dominierte Texas, auf das etwa ein Drittel des Zubaus bei der Photovoltaik entfällt. Im kommenden Jahr dürften die Installationen daher zurückgehen, zunächst bei der Windkraft, dann auch bei der Solarenergie.

Stromfresser Rechenzentren

Allerdings ist dieser Rückgang aus Sicht der Experten nur von kurzer Dauer. „Aufgrund der steigenden Nachfrage durch expandierende Rechenzentren“, so Murray, werde die Nachfrage nach erneuerbarem, schnell verfügbarem Strom bestehen bleiben. Zwar könnten einzelne Projekte, deren Tragfähigkeit von Steuergutschriften abhing, an größere Entwickler verkauft werden. Dies ändere jedoch nichts daran, dass die Technologien gebraucht werden. „Die Nachfrage nach Onshore-Windenergie wird parallel zur Solarenergie anhalten, da Rechenzentren im Laufe des nächsten Jahrzehnts erhebliche Mengen an sauberer Energie benötigen werden“, sagt der Analyst.

Auch beim Forschungsinstitut Rystad Energy geht man davon aus, dass der Boom der Rechenzentren, die für Anwendungen der künstlichen Intelligenz benötigt werden, die Betreiber geradezu dazu zwingt, nach jeder Art von Strom zu greifen. Dafür werden neue Gaskraftwerke gebaut, es wird mit neuen Varianten von Atomreaktoren experimentiert – aber es wird eben auch in die vergleichsweise günstigen Erneuerbaren investiert. „Rechenzentren können sich für erneuerbare Energiequellen entscheiden, die schnell bereitgestellt werden können, um den anfallenden Bedarf zu decken“, heißt es bei Rystad. Allerdings müssten sie mit „Grundlastquellen“ kombiniert werden, „um den Anforderungen eines Betriebs rund um die Uhr gerecht zu werden“.

Republikanische Staaten sind Vorreiter

Zugleich allerdings werden in den USA derzeit auch große Batterieanlagen ausgebaut, also Speicher, die Solar- und Windstrom aufnehmen können und wieder abgeben, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Der Batterieboom bleibt sogar weitgehend unberührt von Trumps Feldzug gegen die Erneuerbaren. Einem Bericht des Verbandes der US-Solarindustrie (SEIA) zufolge wurden in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 so viele Batteriespeicher ans Netz genommen wie noch nie zuvor. Zwar werde die Entwicklung durch die US-Regierung „gebremst“, allerdings rechnet der Verband trotzdem weiter mit einem massiven Zubau auch in den kommenden Jahren.

Auch bei Batteriespeichern liegt Texas vorne, gefolgt von Arizona und Kalifornien. Zahlreiche Projekte gibt es aber auch in Georgia, Iowa und Mississippi – alles Bundesstaaten, die bei der letzten Präsidentenwahl an Donald Trump gingen.

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