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Mit dem Deutschlandfonds mobilisiert die Bundesregierung private Investitionen. Das ist keine Geldverschwendung.
Politiker gefallen sich in der Rolle als Krisenretter. Das gilt nicht nur für deutsche Volksvertreter. Der Auftritt als Krisenretter liefert schöne Bilder und lässt Politiker stark, entschlossen und unverzichtbar wirken. Solche Retter-Momente stärken das Ego und kommen beim Wähler gut an. An Anlässen mangelt es nicht, gefühlt ist irgendwie immer Krise. Die Weltfinanzkrise nach der Lehman-Pleite, die Klimakrise, die Euroschuldenkrise, die Coronakrise, die Energiekrise, die Autokrise und so weiter.
Weil der Kampf gegen Krisen teuer ist, haben die Bundeskanzler in der Vergangenheit in schöner Regelmäßigkeit milliardenschwere Fonds angelegt. Angela Merkel, Olaf Scholz und jetzt auch Friedrich Merz. Klotzen nicht kleckern, lautet das ewige Motto der Krisenretter. Das Ergebnis sind der Finanzmarktstabilisierungsfonds, der Wirtschaftsstabilisierungsfonds, der Klima- und Transformationsfonds und zuletzt das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität, kurz SVIK, mit einem Volumen von 500 Mrd. Euro. Alles finanziert über neue Schulden.
Im Vergleich dazu wirkt der Deutschlandfonds, der von der Großen Koalition Ende 2025 ins Leben gerufen wurde, geradezu bescheiden mickrig. Dem von der staatlichen Förderbank KfW verwaltete Fonds stehen „nur“ 30 Mrd. Euro an öffentlichen Mitteln zur Verfügung. Mit dem Geld sollen private Investitionen in Deutschland mobilisiert werden. Das Ziel sind zusätzliche Investitionen von 130 Mrd. Euro. Ein staatlicher Euro soll im Durchschnitt mehr als vier Euro private Investitionen auslösen. Um das zu erreichen, unterstützt der Deutschlandfonds Unternehmen mit staatlichen Garantien, Krediten oder Beteiligungen und übernimmt gezielt einen Teil des Risikos von Investoren.
Die Idee ist faszinierend. Der Staat verschenkt durch den Deutschlandfonds kein Steuergeld, er macht durch seine Beteiligung vielmehr private Investitionen möglich, die es sonst nicht gegeben hätte. Geld aus dem Deutschlandfonds bekommt nicht jeder, die Mittel sollen in Zukunftstechnologien fließen. Geplant ist vor allem die Unterstützung von Investitionen in Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Energie und die Sicherung von Rohstoffen. Auch Start-ups und Scale-ups sollen gezielt gefördert werden. Der Deutschlandfonds soll so etwas wie ein Investitionsbooster für den schwächelnden Standort werden.
Deutschland braucht dringend mehr Investitionen. Seit Jahren sind die privaten Investitionen von Unternehmen auf dem Rückzug. Statt in Deutschland investieren viele Unternehmer ihr Geld lieber in neue Fabriken oder Forschungseinrichtungen im Ausland. Im Jahr 2000 lagen die privaten Investitionen bei gut 20 Prozent bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt. Bis Ende vergangenen Jahres schrumpfte die Investitionsquote auf nur noch 17 Prozent. Ein alarmierender Befund, schließlich liefern die Investitionen von heute Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand von morgen.
Die Gründe für den Investitionsschwund sind hinlänglich bekannt: hohe Steuern, hohe Arbeitskosten, teure Energie, lähmende Bürokratie. Die Bundesregierung hat zwar erst kürzlich ein umfangreiches Reformpaket in den Bereichen Steuern, Sozialversicherungen, Arbeitsmarkt und Bürokratie vorgelegt. Doch bis die Reformen umgesetzt sind und ihre volle Wirkung entfalten, werden noch viele Monate vergehen. In dieser Zeit kann der Deutschlandfonds private Investitionen anschieben.
So wie jetzt bei Enercon. Der Pionier im Bau von Windanlagen bekommt von elf Banken eine Finanzierungslinie in Höhe von einer Milliarde Euro. Die KfW beteiligt sich mit staatlichen Garantien. Mit der Finanzspritze will Enercon, das 1984 von Aloys Wobben gegründet wurde, seinen Wachstumskurs fortsetzen und neue Windanlage bauen. Schon im vergangenen Jahr wuchs der Konzernumsatz des Familienunternehmens um 16 Prozent auf knapp 4,5 Mrd. Euro. Diese Erfolgsgeschichte soll mit dem neuen Kredit weitergehen.
Erste Abschlüsse hat es auch beim Thema Rohstoffe gegeben. So hat die KfW im Auftrag der Bundesregierung 150 Mio. Euro Eigenkapital für die klimaneutrale Lithiumförderung von Vulcan Energy Resources zur Verfügung gestellt. Weitere 50 Mio. Euro sind in ein Projekt zur Förderung von Seltenen Erden des Unternehmens Arafura Rare Earths geflossen.
Von Zusagen des Deutschlandfonds haben mittlerweile auch Start-ups profitiert. Unter anderem Quantum Systems, das KI-gestützte Drohnen für zivile und militärische Anwendungen entwickelt. Das Unternehmen mit Sitz in Gilching bei München, das in einer großen Finanzierungsrunde in diesem Sommer mit mehr als 7 Mrd. Euro bewertet wurde, hat die erste Investmentzusage aus dem Programm Scale-up Direct von KfW Capital erhalten. Zuletzt ist ein weiteres Investment in das Weltraum-Start-up Isar Aerospace erfolgt.
Eine erste Zwischenbilanz des Deutschlandfonds will KfW-Vorstandschef Stefan Wintels erst Ende des Jahres ziehen, wenn noch mehr Projekte abgeschlossen sind. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Idee funktioniert, mit überschaubaren öffentlichen Mitteln große private Investitionen zu mobilisieren.
Bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung ihr Reformpaket ohne Abstriche umsetzt. Wenn sich die Investitionsbedingungen in Deutschland nachhaltig verbessern, kann der Deutschlandfonds wieder eingestellt werden. Und die Krisenretter in Berlin könnten eine Pause einlegen. Keine schlechte Perspektive.
Dieser Artikel ist eine Übernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland gehört. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.