Lässt aufhorchen: Gates warnt vor KI und Biowaffen – während sein eigenes Netzwerk Milliarden in genau diese Zukunft investiert

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Bill Gates schlägt Alarm. Künstliche Intelligenz könne Cyberangriffe erleichtern, Arbeitsplätze vernichten und sogar dabei helfen, Moleküle für biologische Angriffe zu entwickeln. Deshalb will der Microsoft-Mitgründer internationale Kontrollstrukturen schaffen und möglichst noch in diesem Jahr mit Chinas Präsident Xi Jinping darüber sprechen. Gates denkt dabei an eine globale Aufsicht, die sich teilweise an der Kontrolle von Atomtechnologie orientiert.

Auf den ersten Blick klingt das verantwortungsbewusst. Bei genauerem Hinsehen drängt sich jedoch eine unangenehme Frage auf: Warum sitzt Bill Gates schon wieder mit am Tisch, wenn die Regeln für eine Technologie festgelegt werden sollen, in die sein eigenes Netzwerk gleichzeitig massiv investiert?

Denn Gates ist keineswegs ein unbeteiligter Mahner. Seine Stiftung baut ihre Aktivitäten im Bereich künstlicher Intelligenz gerade erheblich aus. Im Mai vereinbarten die Gates Foundation und Anthropic eine 200-Millionen-Dollar-Partnerschaft, mit der KI unter anderem in Gesundheit, Impfstoffentwicklung, Bildung und Landwirtschaft eingesetzt werden soll. Bereits zuvor hatten Gates Foundation und OpenAI ein 50-Millionen-Dollar-Projekt für KI im afrikanischen Gesundheitswesen gestartet. (reuters.com, gatesfoundation.org)

Reuters berichtet sogar, dass die Stiftung bis 2045 insgesamt 200 Milliarden Dollar ausgeben will – mit zunehmendem Schwerpunkt auf KI. Gates warnt also vor der Macht dieser Technologie und arbeitet gleichzeitig mit zwei ihrer mächtigsten Entwickler, Anthropic und OpenAI, zusammen.

Besonders heikel wird seine Warnung vor biologischen Angriffen vor dem Hintergrund seiner Vergangenheit in der Pandemiepolitik.

Die Gates Foundation gehörte zu den Veranstaltern von Event 201, einer Pandemieübung am 18. Oktober 2019, bei der ein fiktiver Coronavirus-Ausbruch und seine weltweiten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen durchgespielt wurden. Wenige Monate später begann die reale Covid-19-Pandemie. Das ist dokumentiert – aber kein Beweis dafür, dass Gates oder die Veranstalter die Pandemie geplant hätten. Johns Hopkins widersprach dieser Interpretation ausdrücklich und erklärte, Event 201 sei eine Übung und keine Vorhersage gewesen.

Ebenso dokumentiert ist, dass die Gates Foundation 1,499 Millionen Dollar an die EcoHealth Alliance vergab. Der offiziell ausgewiesene Zweck war One-Health-Forschung und Krankheitsüberwachung in Afrika. EcoHealth wiederum war jene Organisation, die über amerikanische Regierungsgelder Coronavirus-Forschung am Wuhan Institute of Virology finanzierte. Daraus lässt sich jedoch nicht belegen, dass Gates mit diesem konkreten Zuschuss die umstrittenen Wuhan-Experimente finanzierte.

Gates investiert seit Jahrzehnten enorme Summen in globale Gesundheit, Impfstoffe, Krankheitsüberwachung und Pandemievorbereitung. Er forderte nach Covid eine permanente internationale GERM-Eingreiftruppe, die Ausbrüche überwachen und regelmäßig Pandemieübungen durchführen sollte. Nun investiert seine Stiftung massiv in KI – und gleichzeitig fordert Gates internationale Institutionen, die bestimmen sollen, welche KI-Systeme zu gefährlich sind und welche Fähigkeiten kontrolliert werden müssen.

Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Gates fordert nicht einfach Regeln für eine fremde Industrie. Seine Stiftung arbeitet direkt mit Anthropic und OpenAI zusammen. Anthropic und Gates wollen KI sogar ausdrücklich einsetzen, um die Entwicklung von Impfstoffen und anderen medizinischen Innovationen zu beschleunigen und große Gesundheitsdatensätze auszuwerten.

Nun fordert derselbe Gates, Staaten sollten überwachen, ob KI Moleküle entwickeln und biologische Angriffe ermöglichen kann. Besonders leistungsfähige Modelle könnten nach seiner Vorstellung in ihrer Veröffentlichung beschränkt werden. Wenn die USA damit beginnen, glaubt Gates, werde China mitziehen

Wenn einige wenige Unternehmen Milliarden in die Entwicklung der mächtigsten KI-Systeme investieren und anschließend gemeinsam mit Politikern und milliardenschweren Stiftungen Regeln für deren Zugang entwerfen, könnte Regulierung nicht nur die Öffentlichkeit schützen. Sie könnte gleichzeitig die Position genau jener Akteure festigen, die bereits über Kapital, Rechenzentren, Daten und Modelle verfügen.

Aus einer notwendigen Sicherheitsdebatte könnte so ein gewaltiger regulatorischer Burggraben entstehen: Die gefährlichste KI wäre dann nicht verschwunden – sie wäre lediglich in den Händen weniger zugelassener Konzerne und Institutionen konzentriert.

Das ist bislang ein Risiko, kein belegter Plan. Aber angesichts der Macht, um die es geht, ist diese Frage zwingend.

Die nächste Pandemie?

Auch Gates‘ erneute Warnungen vor biologischen Angriffen verdienen Aufmerksamkeit.

Es gibt derzeit keinen Beleg dafür, dass Gates Kenntnis von einem bevorstehenden Pandemieangriff besitzt oder ein solcher geplant ist. Was belegt ist, ist Gates‘ jahrelange Forderung nach stärkerer Pandemieüberwachung, Übungen und globalen Reaktionsstrukturen. Jetzt verbindet er dieses Sicherheitsmodell mit künstlicher Intelligenz.

Genau deshalb wirkt seine neue Rolle auf Kritiker so widersprüchlich: Ein Mann, dessen Stiftung selbst tief im globalen Gesundheits- und KI-Komplex steckt, präsentiert sich gleichzeitig als Warner vor den Gefahren dieser Technologien und möchte an den Regeln für ihre Kontrolle mitarbeiten.

Warum sollten ausgerechnet jene Milliardäre und Technologiekonzerne, die ihre Entwicklung finanzieren und von ihr profitieren, maßgeblich darüber mitentscheiden, wer sie künftig benutzen darf?

Das wäre keine Demokratisierung der KI.

Es könnte die endgültige Konzentration einer der mächtigsten Technologien der Geschichte in den Händen weniger Akteure bedeuten.

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