Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Deutsche Unternehmen horten so viel Geld bei Banken wie nie: Fast 900 Milliarden Euro liegen inzwischen auf Konten, zeigt eine Auswertung. Doch die Verzinsung ist mager – mit Folgen für die Wirtschaft
Der Forderungskatalog an das schwarz-rote Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) war lang: Ein günstigerer Industriestrompreis, Steuernachlässe und weniger Bürokratie sollten der deutschen Wirtschaft endlich wieder Schwung verleihen. Doch knapp anderthalb Jahre nach dem Regierungswechsel fällt die Bilanz ernüchternd aus.
Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr nur noch 0,5 Prozent Wachstum, halb so viel wie zu Jahresbeginn. Wobei diese Prognose aus dem Frühjahr stammt und manche Institute inzwischen eher von einem Wachstum knapp über einem Prozent ausgehen. An den Problemen ändert das aber wenig: Wirtschaftsverbände beklagen einen Reformstau, und nach der jüngsten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wächst auch politisch der Druck auf die schwarz-rote Koalition, bei den angekündigten Reformen endlich voranzukommen.
Zumindest an einer Stelle könnten sich viele Unternehmen allerdings kurzfristig selbst helfen. Und zwar, indem sie einen Blick auf ihr Tagesgeldkonto werfen, und die Konditionen vergleichen. Denn deutsche Unternehmen halten derzeit enorme Geldreserven – bekommen dafür aber vergleichsweise wenig Zinsen. Insgesamt lagen im August rund 873 Mrd. Euro auf Bankkonten, wie aus einer aktuellen Erhebung des Finanz-Start-ups Unitplus hervorgeht. Allein 263 Mrd. Euro davon steckten auf Tagesgeldkonten.
Dort erhalten Unternehmen derzeit im Schnitt lediglich 1,42 Prozent Zinsen. Zum Vergleich: Der kurzfristige Euro-Geldmarktzins liegt bei 2,19 Prozent. Nach Berechnungen von Unitplus entgehen deutschen Unternehmen durch diese Zinslücke mehr als zwei Mrd. Euro an möglichen Zinserträgen pro Jahr.
Die Zahlen ergeben sich aus dem sogenannten „Tagesgeld-Index“, den Unitplus zusammen mit der Finanzberatung Barkow Consulting erstellt. Er basiert auf einer repräsentativen Stichprobe von rund 200 deutschen Banken. Dabei werden deren angebotene Tagesgeldzinsen für Unternehmen ausgewertet und täglich aktualisiert. So lässt sich ablesen, wie sich die Durchschnittszinsen im Firmenkundengeschäft entwickeln – und wie groß die Lücke zwischen Euro-Geldmarktzins und tatsächlicher Verzinsung für Unternehmen ist.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die geringe Verzinsung, sondern auch die Höhe der Geldreserven. Gegenüber der letzten Erhebung im November 2025 ist die bei Banken geparkte Liquidität weiter gestiegen. Im vergangenen Jahr hatten Unitplus und Barkow noch rund 854 Mrd. Euro errechnet. Inzwischen sind es 873 Mrd. Euro.
Unitplus-Gründer Fabian Mohr sieht in den hohen Geldreserven auch ein Warnsignal für die Konjunktur. Die fast 900 Mrd. Euro auf Bankkonten verdeutlichten „die anhaltend hohe Unsicherheit im deutschen Mittelstand“, sagt Mohr. Viele Unternehmen hielten sich lieber alle Optionen offen, statt zu investieren. Zwar sei der hohe Anteil ungenutzter Liquidität auch auf die wirtschaftliche Vorsicht vieler Unternehmen zurückzuführen, etwa um zahlungsfähig zu bleiben.
Dadurch werde aber zugleich verhindert, dass Kapital produktiv eingesetzt werde: „Es könnte in Forschung und Entwicklung fließen, in Fuhrparks, neue Fabriken oder in Projekte für Künstliche Intelligenz“, sagt Mohr. Bereiche, die das Wachstum in der deutschen Wirtschaft beleben könnten. Gleichzeitig entstünden den Unternehmen durch Kaufkraftverluste und entgangene Zinserträge Schäden in Milliardenhöhe.
Für viele kleine und mittlere Unternehmen bleibt die Hausbank die erste Anlaufstelle, wenn es um ein Tagesgeldkonto geht. Doch gerade dort können die Zinsen niedriger als bei anderen Anbietern sein. Wer größere liquide Reserven hält, sollte deshalb die Konditionen regelmäßig vergleichen. Schon wenige Zehntelprozentpunkte Unterschied können bei hohen Beträgen erhebliche Summen ausmachen.