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Man ist in Deutschland mittlerweile einiges gewohnt, was den Umgang mit Journalisten betrifft, die nicht dem Mainstream entsprechen. Aber das, was jetzt rund um den Wohnsitz von Alexander Wallasch geschah, ist neu.
Wallasch, der über Jahre hinweg für Tichys Einblick geschrieben hat und nun einen eigenen Blog betreibt, fand rund um seine Wohnung reihenweise Plakate an den Laternen. „Nicht eines. Mehrere. Laminiert, vorbereitet, mit Kabelbindern befestigt.“ Mit seinem Gesicht, darunter Fragen wie „Ist dein Nachbar ein Vasall der AfD?“ oder „Ist dein Nachbar ein Faschist?“
„Wallasch ist biographisch und im Herzen ein Ur-Linker“, schreibt dazu Tichys Einblick. „Er schrieb für die taz und für die Zeit.“ Aber beim Thema Migration und bei den Corona-Maßnahmen stimmte er nicht mit dem überein, was aktuell als „links“ gilt. Und er arbeitet investigativ, ohne dabei den politischen Bedürfnissen der Regierung zu folgen. So deckte er beispielsweise auf, dass Kulturbeauftragter Wolfram Weimer über Jahre hinweg Personen als Autoren in seinen Medien geführt und deren Texte dort veröffentlicht hatte, ohne sie zumindest zu fragen, geschweige denn zu bezahlen. In der Folge wurden noch weitere Geschäftemachereien Weimers bekannt.
Und „er recherchiert über staatlich finanzierte Nichtregierungsorganisationen und jene immer dichter werdenden Netzwerke aus Ministerien, Stiftungen, Aktivisten und sogenannten zivilgesellschaftlichen Akteuren, die mit Steuergeld politischen Druck organisieren“, so Tichys Einblick. Ein Thema, bei dem es nach Ansicht des Mediums um den Schutz der Demokratie geht: Wenn Debatten mit großen Mengen bezahlten Personals kontrolliert werden, werde echte Demokratie unmöglich.
Die Bewertung durch die Kommentatorin bei Tichys Einblick:
„Große Teile des politischen und medialen Milieus, aus dem er selbst kommt, haben ihre Koordinaten verschoben und erklären heute klassische linke Positionen zu Bürgerrechten, Friedenspolitik und Staatskritik für verdächtig, sobald sie von jemandem vertreten werden, der bei Migration, Corona oder AfD nicht mehr nach Linksaußen in Reih und Glied steht. Offenbar genügt inzwischen schon diese Weigerung zum Gleichschritt, um Jahrzehnte politischer Biographie für null und nichtig zu erklären und einem Ur-Linken das Etikett „Faschist“ an die Laterne zu hängen.“
Wallasch selbst versah seinen Bericht über dieses Mobbing mit der Überschrift „An der nächsten Laterne aufgehängt“ und machte damit die Drohung sichtbar, die er in diesem Vorfall sieht. „Die Botschaft gilt nicht mir. Sie gilt meinen Nachbarn“, schreibt er.
Ginge es um einen anderen Journalisten, der brav dem Mainstream folgt, wie etwa Georg Restle oder Markus Lanz, dann wären die Medien seiner Ansicht nach voller Empörung über diesen Vorfall. Sie würden das als eine Morddrohung lesen, im Sinne von „Ich weiß, wo du wohnst“. Aber Journalisten, die ihre Arbeit abseits der Leitmedien verrichten, würden nicht als schützenswert erachtet. Weder von eben diesen Leitmedien noch von den Journalistenverbänden.
Wallasch jedenfalls erklärt, er lasse sich nicht einschüchtern. „Wer mich zum Schweigen bringen wollte, hat den Anlass geliefert, noch deutlicher zu sprechen“, schreibt er. „Ein laminiertes Gesicht an der nächsten Laterne ist ein Eingeständnis und kein Sieg.“
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