Australien wird zum US-Aufmarschgebiet gegen China: Amerikas Militär greift auf mehr als die Hälfte der Verteidigungsanlagen zu

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Was offiziell als Verteidigungsbündnis verkauft wird, nimmt immer deutlichere Konturen einer militärischen Drehscheibe für einen möglichen Krieg gegen China an. Eine umfangreiche Recherche des britischen „Guardian“ zeigt: US-Streitkräfte und amerikanische Rüstungskonzerne kontrollieren oder nutzen inzwischen 110 militärische Einrichtungen in Australien. Waffen und Treibstoff werden vorpositioniert, Geheimdienstanlagen liefern Zieldaten, US-Marines trainieren vor Ort und amerikanische U-Boote sollen künftig von Australien aus operieren. Ein australischer Militärexperte bringt die Entwicklung auf einen drastischen Punkt: Sein Land „tanzt“ geradewegs in einen Krieg zwischen den USA und China hinein.

Die Zahlen sind bemerkenswert: Das US-Militär kontrolliert 17 Einrichtungen auf australischem Boden und hat Zugang zu weiteren 75 australisch betriebenen Anlagen. Amerikanische Rüstungskonzerne verfügen zusätzlich über Zugang zu 18 Einrichtungen.

Insgesamt betrifft die amerikanische Präsenz damit 110 militärische Einrichtungen – weit mehr als die Hälfte aller vom Guardian erfassten Anlagen Australiens.

Dabei muss allerdings genau formuliert werden: Es handelt sich nicht um 110 amerikanische Militärbasen. Die zugrunde liegende Datenbank des Nautilus Institute zählt einzelne Einrichtungen. Mehrere davon können sich innerhalb desselben Stützpunkts befinden.

Doch gerade diese Unterscheidung macht das Gesamtbild kaum weniger brisant.

Vorbereitung auf einen Krieg im Pazifik

Denn entscheidend ist nicht, wem das Schild am Eingang einer Basis gehört, sondern wofür die Infrastruktur aufgebaut wird.

Das US-Militär kontrolliert oder nutzt laut Recherche 92 australische Verteidigungseinrichtungen unter anderem zur Gewinnung von Geheimdienstinformationen, zum Zugriff auf Satellitendaten und Zielinformationen, für Kommunikationsüberwachung und militärische Ausbildung.

Rund 2.500 US-Marines rotieren während der Trockenzeit durch Nordaustralien. Osprey-Fluggeräte werden vorpositioniert. Gleichzeitig entstehen Logistikzentren, in denen Waffen, Munition, Fahrzeuge und Treibstoff für den Ernstfall bereitgehalten werden.

Und der Guardian benennt diesen Ernstfall bemerkenswert deutlich:

einen Krieg im Pazifik.

Professor Richard Tanter vom Nautilus Institute geht noch weiter. Nach seiner Einschätzung bauen die Vereinigten Staaten bereits seit mehr als einem Jahrzehnt die Fähigkeit auf, von Australien aus hochintensive Kriegseinsätze gegen China führen zu können.

Australien ist damit nicht irgendein weit entferntes Unterstützungsland. Seine geografische Lage macht den Kontinent zu einem strategischen Sprungbrett für amerikanische Operationen im Indo-Pazifik.

Pine Gap: Die Augen der amerikanischen Kriegsmaschine

Besonders wichtig ist dabei Pine Gap im australischen Northern Territory.

Die offiziell gemeinsame amerikanisch-australische Anlage wird stets von einem Amerikaner geführt. Dort werden Satellitendaten verarbeitet, Kommunikation abgefangen und Raketenstarts überwacht.

Noch entscheidender: Pine Gap liefert Informationen, die zur Identifizierung von Zielen für amerikanische Militäroperationen verwendet werden können.

Damit ist Australien bereits tief in die technische Infrastruktur amerikanischer Kriegsführung eingebunden.

In einem Konflikt mit China wäre eine solche Anlage keine nebensächliche Beobachtungsstation. Sie wäre Bestandteil jener Informationskette, die entscheidet, wo sich ein Ziel befindet und wie es bekämpft werden kann.

Waffen werden bereits eingelagert

Auch die materielle Vorbereitung schreitet voran.

Im australischen Bandiana/Wodonga entsteht ein amerikanisches Logistikzentrum, in dem Waffen, Munition, Treibstoff und Fahrzeuge im Wert von mehreren zehn Millionen Dollar vorpositioniert werden sollen. Der Zweck dieser Vorräte ist gerade ihre schnelle Verfügbarkeit im Konfliktfall. Hinzu kommt die amerikanische Rüstungsindustrie. Mindestens 42 australische Militäreinrichtungen werden laut Guardian auch von US-Rüstungskonzernen genutzt.

Lockheed Martin montiert in Port Wakefield Lenkflugkörper. Northrop Grumman erhielt einen millionenschweren Auftrag zur Herstellung von Raketenmotoren in Mulwala. Australien wird damit nicht nur Standort amerikanischer Streitkräfte, sondern zunehmend auch Bestandteil der amerikanisch geführten Rüstungs- und Versorgungskette.

AUKUS ist weit mehr als ein U-Boot-Geschäft

Besonders weitreichend ist die Entwicklung bei HMAS Stirling nahe Perth.

Von 2027 an sollen dort bis zu 1.200 amerikanische Militärangehörige im Rahmen der Submarine Rotational Force-West operieren. Canberra betont, dass daraus offiziell keine amerikanische Militärbasis werde. Die U-Boote würden lediglich rotieren.

Der ehemalige australische Verteidigungsminister Christopher Pyne beschrieb die strategische Realität allerdings wesentlich unverblümter. AUKUS sei weit mehr als die Beschaffung von U-Booten. Aus strategischer Sicht entstehe damit auch eine neue amerikanische U-Boot-Basis im Indischen Ozean.

Für Washington ist das von enormer Bedeutung.

Von Australien aus können amerikanische U-Boote näher an den entscheidenden Seewegen und Operationsräumen des Indo-Pazifiks eingesetzt und versorgt werden – genau dort, wo im Falle einer militärischen Konfrontation mit China gekämpft würde.

„Australien ist selbst eine US-Basis“

Tanter kommt deshalb zu einer außergewöhnlich deutlichen Einschätzung. Aus chinesischer Perspektive beherberge Australien nicht einfach amerikanische Stützpunkte. Australien werde zunehmend selbst zu einer amerikanischen Basis.

Der Kontinent sei ein bedeutendes Stück strategischen Territoriums innerhalb der amerikanischen Kriegsmaschinerie.

Auch der australische Militärwissenschaftler Albert Palazzo warnt, seine Regierung scheine geradewegs in einen Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und China hineinzutanzen, indem sie Australien zu einem Außenposten und einer Plattform mache, von der aus amerikanische Militärmacht gegen China eingesetzt werden könne.

Das ist eine Einschätzung der zitierten Experten – aber die Infrastruktur dahinter ist real.

Die entscheidende Frage nach der Souveränität

Die australische Regierung weist den Vorwurf zurück, ihre militärische Unabhängigkeit aufzugeben.

Offiziell gibt es keine ausländischen Militärbasen auf australischem Hoheitsgebiet. Canberra betont, allein über den Einsatz seiner Streitkräfte und die Nutzung australischen Territoriums zu entscheiden. Doch gleichzeitig garantiert das Force Posture Agreement amerikanischen Streitkräften und Vertragspartnern weitreichenden Zugang zu vereinbarten australischen Einrichtungen – einschließlich der Stationierung von Truppen und Material sowie der Versorgung von Schiffen und Flugzeugen.

Genau hier entsteht der Widerspruch.

Je stärker amerikanische Aufklärung, Logistik, Waffenlager, Bomber, Marines und U-Boote mit der australischen Infrastruktur verschmelzen, desto schwieriger wird es für Canberra, sich im Ernstfall aus einem amerikanischen Krieg herauszuhalten.

Ein Land muss nicht einmal offiziell den Krieg erklären, um militärisch längst Teil seiner Infrastruktur zu sein.

Und das mögliche Ziel heißt China

Das macht die Guardian-Recherche so brisant. Hier geht es nicht lediglich um ein abstraktes Verteidigungsbündnis oder einige zusätzliche amerikanische Soldaten.

Es entsteht eine Infrastruktur aus Aufklärung, Zielerfassung, Waffenproduktion, Munitionslagern, Treibstoffdepots, Flugplätzen, Marines, U-Booten und Logistik, die im Ernstfall amerikanische Operationen im Indo-Pazifik unterstützen könnte.

Und mehrere der vom Guardian zitierten Experten sagen offen, worauf diese Entwicklung strategisch ausgerichtet ist:

China.

Für Peking dürfte deshalb kaum entscheidend sein, ob Canberra eine Anlage offiziell „australische Basis mit amerikanischem Zugang“ oder „US-Basis“ nennt. Entscheidend wäre im Konfliktfall, ob diese Anlage amerikanischen Streitkräften dabei hilft, China anzugreifen.

Genau darin liegt das Risiko für Australien. Denn wer sein Territorium immer stärker zum Ausgangspunkt der Kriegsführung einer Großmacht macht, muss damit rechnen, dass ein Gegner dieses Territorium im Ernstfall ebenfalls als Bestandteil der gegnerischen Militärstruktur betrachtet.

Australien soll durch die Allianz mit Washington sicherer werden.

Doch der massive Ausbau der amerikanischen Militärpräsenz könnte am Ende genau das Gegenteil bewirken: Aus einem Verbündeten der USA wird ein vorgeschobener militärischer Aufmarschraum – und damit im schlimmsten Fall ein potenzielles Schlachtfeld in einem Krieg zwischen den USA und China.

Die Zahlen und die China-Aussagen stammen direkt aus der aktuellen Guardian-Recherche; insbesondere Tanter spricht ausdrücklich von der Vorbereitung amerikanischer „high-tempo warfighting operations with China“ von Australien aus.

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