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Bandengewalt: Hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums von Haiti entführt

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In Haiti soll James Boyard, Stabschef des haitianischen Verteidigungsministeriums, zusammen mit seiner Familie inmitten eskalierender Bandengewalt im Land entführt worden sein. Dies melden örtliche Medien.

Boyard, ein angesehener Sicherheitsexperte und Autor, ist Stabschef des neu ernannten haitianischen Verteidigungsministers Mario Andresol und Generalinspekteur der nationalen Polizei.

Lokale Medien berichteten, dass unbekannte Bewaffnete Boyard am Donnerstag in Bourdon, einem der wenigen noch als relativ sicher geltenden Viertel der Hauptstadt Port-au-Prince, verschleppt hätten. Der Großteil der Stadt wird bereits von Banden kontrolliert. Eine mit der Situation vertraute Person bestätigte die Entführung gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Polizeiquellen teilten der New York Times mit, dass Boyard zusammen mit seiner Frau und seiner sechsjährigen Tochter, einer US-Bürgerin, entführt und dass Lösegeld gefordert wurde. Es ist weiterhin unklar, wer die Entführung durchgeführt hat. Ermittler verdächtigen jedoch Berichten zufolge Christ-Roi Chéry, genannt Chrisla, den Anführer der Ti Bwa gang, einer bedeutenden bewaffneten Bande. Ein Sprecher der haitianischen Polizei lehnte eine Stellungnahme zu dem Fall ab.

Der Karibikstaat mit fast zwölf Millionen Einwohnern befindet sich seit der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Jahr 2021 in einem Teufelskreis der Gewalt. Das dadurch entstandene Machtvakuum ermöglichte es bewaffneten Banden, ihren Einfluss weitgehend ungehindert auszuweiten.

Gruppen, die wichtige Autobahnen, Häfen und ganze Ortschaften kontrollieren, verhindern Wahlen und verüben Entführungen, Morde und Angriffe auf staatliche Einrichtungen. Offizielle Stellen gehen davon aus, dass die für den Spätsommer geplanten Wahlen aufgrund der anhaltenden Gewalt nicht stattfinden werden.

Eine von Kenia geführte und von den Vereinten Nationen unterstützte Mission, die sogenannte Multinationale Sicherheitsunterstützung (MSS), die im Jahr 2024 zur Eindämmung der Gewalt nach Haiti entsandt wurde, konnte zwar den Präsidentenpalast sichern und mehrere wichtige Straßen wieder öffnen, erzielte aber kaum weitere Erfolge.

Im vergangenen Herbst genehmigte der UN-Sicherheitsrat eine Umstrukturierung der Mission und autorisierte die Aufstellung einer neuen, 5.550 Mann starken Einheit zur Bekämpfung von Banden. Diese Einheit besteht aus Soldaten und Polizisten und verfügt über weitreichendere Befugnisse als die MSS, darunter die Befugnis, Operationen zur „Neutralisierung“ von Banden durchzuführen.

Laut UN-Angaben, die Anfang des Monats veröffentlicht wurden, sind seit dem Jahr 2022 fast 1,5 Millionen Menschen in Haiti durch Gewalt vertrieben worden, und mehr als 16.000 wurden getötet. Lokale Menschenrechtsgruppen gehen von fast 20.000 Toten aus.

Entführungen sind in Haiti weiterhin weitverbreitet. Mindestens 647 Menschen, darunter Frauen und Kinder, wurden laut UN im vergangenen Jahr entführt. Die Lösegeldforderungen sind für Ausländer und Doppelstaatsangehörige oft höher. Während in jüngster Zeit Journalisten und ausländische Missionare im Fokus standen, ist Boyard der ranghöchste Beamte, der seit Jahren in Haiti entführt wurde.

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