Altersvorsorge: Scalable eröffnet die Preisschlacht beim Vorsorgedepot

In wenigen Monaten kann jeder mit staatlicher Hilfe in Aktien und ETFs investieren. Bei den Kosten für das Altersvorsorgedepot hielten sich Anbieter bislang bedeckt. Damit ist jetzt Schluss

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In wenigen Monaten kann jeder mit staatlicher Hilfe in Aktien und ETFs investieren. Bei den Kosten für das Altersvorsorgedepot hielten sich Anbieter bislang bedeckt. Damit ist jetzt Schluss

Der Countdown läuft. Ab dem 1. Januar 2027 soll in Deutschland eine neue Ära der privaten Altersvorsorge anbrechen. Bis zu 50 Millionen Sparerinnen und Sparer können dann erstmals staatlich gefördert mit ETFs und Fonds für die Rente vorsorgen. Banken, Versicherer und Neobroker rechnen mit einem riesigen neuen Markt – und haben sich schon vor Monaten mit Angeboten und Werbeaktionen in Stellung gebracht.

Die Bedingungen für das sogenannte Altersvorsorgedepot sind größtenteils bekannt: Wer mindestens 120 Euro im Jahr einzahlt, erhält Zuschüsse. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag gibt der Staat 50 Prozent dazu, auf weitere Einzahlungen bis insgesamt 1800 Euro im Jahr 25 Prozent. Wer monatlich die maximal geförderten 150 Euro einzahlt, erhält so 540 Euro vom Staat obendrauf. Hinzu kommen mögliche Kinderzulagen sowie ein Bonus für junge Sparer. Verzehrt werden darf das so angesparte Vermögen erst im Rentenalter.

Scalable verzichtet vorerst auf Gebühren beim Altersvorsorgedepot

Bei einem entscheidenden Punkt hielten sich die Anbieter bislang allerdings bedeckt: den Kosten. Zwar schreibt der Gesetzgeber für das sogenannte Standarddepot einen Kostendeckel von einem Prozent pro Jahr vor. Die Frage, ob Banken und Broker darunterbleiben wollen, war bisher unbeantwortet.

Nun prescht Scalable Capital vor. Der Neobroker hat als einer der ersten großen Anbieter konkrete Konditionen für sein geplantes Altersvorsorgedepot genannt. Scalable-Chef Erik Podzuweit kündigte gegenüber der „Bild“-Zeitung an, dass beim Standarddepot weder Gebühren für die Depotführung noch für Sparpläne, Ein- und Auszahlungen sowie Käufe und Verkäufe anfallen sollen. Die laufenden Kosten der eingesetzten Fonds sollen höchstens 0,15 Prozent pro Jahr betragen. Im ersten Jahr will Scalable diese Fondskosten sogar auf null drücken.

Damit bleibt das Unternehmen weit unter dem gesetzlichen Kostendeckel. Bei 10.000 Euro Depotvermögen entsprächen 0,15 Prozent laufenden Fondskosten maximal 15 Euro im Jahr. Beim gesetzlichen Höchstsatz von einem Prozent wären es 100 Euro. Etwas anders sieht es beim frei zusammenstellbaren Altersvorsorgedepot aus. Auch hier sollen Depotführung und Sparpläne kostenlos sein. Je nach ausgewähltem Anlageprodukt fallen allerdings Fondskosten an. Sie sollen dauerhaft bei 0,03 Prozent pro Jahr beginnen. Für einzelne Käufe und Verkäufe verlangt Scalable im kostenlosen Tarif 99 Cent. Im kostenpflichtigen „Prime“-Modell für 4,99 Euro im Monat sollen die Transaktionen kostenlos sein.

Kampfansage an die Konkurrenz

Scalable setzt damit früh eine Preismarke für die Konkurrenz. Gerade beim Standarddepot könnte der Wettbewerb über die Gebühren hart werden. Denn ein solches Produkt ist Pflicht für jeden Anbieter. Es soll aus Aktien und Anleihen bestehen und das Risiko für die Sparer automatisch verringern, wenn der Ruhestand näher rückt.

Andere große Anbieter lassen sich auf Anfrage von Capital nicht in die Karten schauen. Beim Online-Broker Smartbroker etwa sieht man der Kampfansage von Scalable gelassen entgegen. „Die Ankündigung hat uns nicht maßgeblich überrascht. Der Markt wird sehr kompetitiv sein. Wir haben den Anspruch, mit einem sehr günstigen Angebot in den Markt einzutreten“, sagt Smartbroker-Chef Thomas Soltau. Die genauen Konditionen werde das Unternehmen in drei bis vier Wochen bekannt geben.

Auch die Comdirect hält sich mit konkreten Preisen noch zurück. Die Direktbank will zum 1. Januar sowohl ein Standarddepot als auch ein frei zusammenstellbares Altersvorsorgedepot anbieten. Comdirect-Chefin Sabine Schoon-Renné sagte im Interview (Capital Nr. 9/2026) lediglich, dass ihr Haus beim Standarddepot „deutlich unter dem gesetzlichen Kostendeckel von einem Prozent“ liegen werde. Auch das allgemeine Vorsorgedepot solle „preislich attraktiv“ sein. Der Neobroker Trade Republic wollte sich auf Anfrage nicht zu den geplanten Kosten für das Vorsorgedepot äußern. 

Wette auf Riester-Milliarden

Dass sich die Anbieter schon Monate vor dem Start positionieren, hat einen einfachen Grund: Es geht um viel Geld. Die Ratingagentur S&P Global schätzt, dass künftig jährlich zwischen 26 und 56 Mrd. Euro in Altersvorsorgedepots fließen könnten. Wenn nur jeder zweite Förderberechtigte monatlich 100 Euro einzahlt, kämen jedes Jahr Milliardenbeträge zusammen.

Hinzu kommt ein bereits bestehender Milliardenmarkt, den Banken, Broker und Fondsgesellschaften neu unter sich aufteilen könnten. Ende 2025 gab es nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums noch knapp 14,7 Millionen Riester-Verträge. Gut ein Fünftel bis knapp ein Viertel davon dürfte allerdings ruhend gestellt sein, wird also derzeit nicht mehr bespart. Die Zahl der Verträge geht seit Jahren zurück.

Trotzdem steckt in ihnen viel Geld. Allein die knapp drei Millionen Riester-Fondssparverträge verwalteten Ende 2024 nach Angaben des Fondsverbands BVI rund 49 Mrd. Euro. Bestehende Riester-Verträge bleiben auch nach der Reform erhalten. Ab 2027 können Sparer jedoch freiwillig in das neue System wechseln und ihr angespartes Kapital grundsätzlich übertragen. Die Wechselkosten sind gesetzlich begrenzt.

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